Diese Geschichte ist ein wundervoller Kontrast zum sonst so oft bis zum Umfallen weichgespülten Weihnachtsfest. Verstehen Sie mich nicht falsch: es ist kein Buch für "Weihnachtshasser", sondern -neben der Kriminalgeschichte- auch eine Studie über die übertriebene "Süße" des Weihnachtsfest, zu der Menschen heute so oft neigen und in der sie fast genauso oft pünktlich zu Weihnacht die Konflikte überdecken, die Monate und Jahre schwelen.
Und genau darum muss das Familienoberhaupt sterben, pünktlich zum Fest. Er schafft es noch, seine Lieben um sich zu versammeln, die alle auf seine Einladung zu einem friedlichen Familienweihnachten hin gekommen sind, doch dann liegt er schon tot in einer Blutlache. Jeder der gekommenen Familienangehörigen könnte es gewesen sein und jeder hat ein Motiv, denn ganz galant vor dem Abendessen hat "der Alte" allen noch eine Abreibung gegeben und fast jeden als unfähig und unwürdig beschrieben. Und wer nichts abbekommen hat, der scheint aus anderen Motiven zum Weihnachtsfest gekommen zu sein: verlorene Geschäftspartner, Diener und uneheliche Kinden.
Geradezu meisterlich kämpft sich Hercule Poirot durch diesen Wust an Schicksalen und Möglichkeiten sowie, und das ist das eigentlich genauso spannende: wie konnte der Mord hinter einer von innen verschlossenen Tür stattfinden ?
Auch wenn die Entlarvung des Täters am Ende überrascht, so ist es doch die Geschichte bis dahin die viel Vergnügen bereitet. Liebevoll und ausführlich beschreibt Agatha Christie die Familienmitglieder mit ihren sehr individuellen Characteren. Sie lässt sich viel Zeit, bis die Geschichte in Schwung kommt und selbst dann ist die ruhige Erzählweise ein wunderbarer Kontrast zum heute so oft abgehackten Erzählstil. Als Hörbuch in dieser (einzigen) Komplettlesung ist es dann auch ein akustisch schönes Abenteuer, gerade in der Vorweihnachtszeit.