Anna Wimschneider, geboren 1919 im hintersten Niederbayern, berichtet in dem vorliegenden Werk von ihrem kargen Leben auf dem Land. Kaum vorstellbar, in welcher Armut und Härte die Autorin aufwuchs, und dass sie schon als 8jährige nach dem Tod der Mutter für die vielen Geschwister sowie Haushalt und Landwirtschaft verantwortlich war. An Ausschlafen war nie zu denken. Auch mit ihrer Heirat ändert sich nichts zum Besseren. Der geliebte Ehemann wird in den Krieg eingezogen, und Anna muss sich neben der Landwirtschaft auch noch um die Versorgung der ihr feindlich gesinnten Schwiegermutter und gebrechlicher Onkel und Tanten kümmern. Wahrlich kein leichtes Los! Erst gegen Ende ihres Lebens erreichen sie und ihr Ehemann etwas Wohlstand, und der Verkauf der Landwirtschaft führt dazu, dass Anna sich endlich einmal ausschlafen kann...
Die "Lebenserinnerungen" sind in einfachen, fast kindlichen Worten, aber trotzdem sehr eindringlich geschrieben. Sie veranschaulichen sehr gut das Leben der (armen) Landbevölkerung vom Anfang des 20.Jahrhunderts bis zur Mitte der 80er Jahre. Erschütternde Geschichten wechseln ab mit lustigen Anekdoten und Beschreibungen des Arbeitsalltags auf einem Bauernhof. Trotz des entbehrungsreichen Lebens liest man keine Klagen oder Beschwerden der Autorin. Im Gegenteil: Fast klaglos wird das Leben angenommen und akzeptiert. Lediglich am Ende ihres Buches schreibt die Autorin, dass sie, wenn sie noch einmal zur Welt käme, keine Bäuerin mehr werden wollte.
Sicherlich kein anspruchsvolles Werk, aber es fasziniert gerade durch seine gradlinige, geradezu karge Sprache, und erweckt in dem Leser ein Gefühl dafür, in welch einer Zeit des Wohlstandes, des Überflusses und der Sorglosigkeit wir heute leben.