Kaes ist Journalist, das merkt man. Zum einen an seinem prägnanten und klaren Schreibstil, der die Dinge auf den Punkt bringt, als wäre jede überflüssige Passage herausgekürzt worden, um die Story auf die passende Zeilenzahl zu bekommen. Zum anderen an der sehr gut und umfassend recherchierten Story, die unglaublich viele Aspekte des in dieser Tiefe hierzulande fast unbekannten Phänomens Stalking beleuchtet.
So liest sich das Buch wie eine Köln/Bonner Polizeireportage, mit 502 Seiten die wahrscheinlich längste Reportage der Welt… spannend, packend bis zum Ende und dabei erschreckend real.
Auf der Suche nach dem Stalker, der Frauen bedroht und Mädchen entführt, dabei unglaublich clever vorgeht, bleibt das ein oder andere Frusterlebnis für die ermittelnden Beamten Morian und Dix nicht aus. Die Story nimmt immer wieder überraschende Wendungen, neue Aspekte kommen hinzu, das psychologische Profil des Stalkers wird vervollständigt. Das ist für den Leser teilweise ebenso frustrierend, wie für die Kommissare und diesbezüglich wahrscheinlich näher dran am Kripoalltag als mach anderer Krimi.
Das Ende paßt dann auch perfekt. Es läßt den Leser ebenso sprachlos und fassungslos zurück, wie die Opfer, die keiner für voll nimmt.
Den Großteil der Akteure kennt man bereits aus ,,Die Kette'' (den ersten, ,,Todfreunde`` habe ich nicht gelesen). Auf den Vorgänger wird gelegentlich Bezug genommen, es stört aber nicht, wenn man diesen nicht kennt. Erst in Herbstjagd blühen für mich die ohnehin schon gut angelegten Charaktere richtig auf und auch die Story ist dichter, glaubhafter und einfach rund.
Herr Kaes, bitte weiter so und mehr davon!