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Der Herbst des Patriarchen
 
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Der Herbst des Patriarchen [Broschiert]

Gabriel Garcia Marquez , Curt Meyer-Clason
3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Broschiert: 281 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1., Aufl. (Januar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596162556
  • ISBN-13: 978-3596162550
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 90.131 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Gabriel García Márquez
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Der Herbst des Patriarchen
OT El otoño del patriarcaOA 1975 DE 1978 Form Roman Epoche Moderne
In Der Herbst des Patriarchen erzählt Gabriel García Márquez vom Aufstieg und Fall eines lateinamerikanischen Diktators. Dessen Lebensweg ist eine Geschichte von großer Macht und noch größerer Einsamkeit. Auch wenn der Autor nach Erscheinen des Romans immer wieder betont hat, der Patriarch sei »bloße Fiktion«, hat er ihm doch Charakterzüge zahlreicher Despoten der spanischsprachigen Welt verliehen.
Inhalt: In seinem verfallenen Palast wird die verwesende Leiche des Diktators gefunden. Sein Volk begreift erst langsam, dass er, der schon einmal seinen Tod inszenieren ließ und dessen Herrschaft schon lange andauert, dass sich selbst die Ältesten kaum an die Zeit vor ihm erinnern, nun wirklich und endgültig tot ist.
Lange Zeit hat der Patriarch, gefangen in einem Labyrinth aus Machenschaften, Verrat und repressiver Gewalt ohne demokratische Legitimation regiert und sein Reich in den Bankrott gesteuert. Schließlich muss er sogar das Karibische Meer verkaufen, das in Kartons abtransportiert wird und eine öde Salpeterwüste hinterlässt. Während er in frühen Jahren die Sorgen seines Volkes gekannt hat, zieht er sich im Alter mehr und mehr in die Isolation seines von Kühen bevölkerten Palastes zurück. Immer noch wird er gehasst, gefürchtet und wegen seiner angeblich magischen Kräfte auch bewundert. Doch längst ist ihm selbst seine Macht zur Qual geworden. Liebe, Freundschaft und Zärtlichkeit kennt er nicht, sucht sie vergebens bei Konkubinen, verräterischen Beratern und seinem Doppelgänger, versucht sie zu erkaufen und zu erzwingen, wird jedoch immer wieder enttäuscht. García Márquez, den der Zusammenhang von Einsamkeit und Macht fasziniert, stellt den Patriarchen als brutalen, aber durch zum Teil groteske Überzeichnung zugleich auch als bedauernswerten Menschen dar.
Aufbau: Der Roman beginnt mit dem Tod des uralten Patriarchen, Herrscher eines namenlosen karibischen Staats und zeichnet von diesem vorweggenommenen Ende aus in Rückblicken die Stationen seines Lebens nach. Hierbei geht García Márquez jedoch wie schon in Hundert Jahre Einsamkeit nicht chronologisch vor. Vielmehr wird zu Beginn jedes Kapitels unmittelbar an den Tod des Protagonisten angeknüpft, in jedem Kapitel macht sich der Autor die Perspektive eines anderen Zeitzeugen zu Eigen und beleuchtet eine andere Sequenz der Biografie des Patriarchen. Mal steht die Furcht der Untertanen, mal seine unerwiderte Liebe, mal sein Herrschaftsstreben im Mittelpunkt. Die Zeitebenen verwischen, Mythos und Gegenwart stehen nebeneinander, auch geschichtliche Ereignisse wie die Fahrten des Kolumbus werden in die Erzählung eingebaut.
Wirkung: Der Herbst des Patriarchen gehört zur Gattung des Dikatorenromans. Mit dieser Thematik beschäftigten sich in den 1970er Jahren ebenso andere lateinamerikanische Autoren (u. a. Alejo R Carpentier. Von Kritikern wurde das Werk vor allem wegen der Sprachgewalt, des avantgardistischen Umgangs mit der lateinamerikanischen Geschichte sowie seiner hinter bitterer Ironie versteckten sozialkritischen Haltung begeistert aufgenommen. García Márquez selbst sprach von dem Patriarchen als dem »großen mythologischen Tier«, der »einzigen originären Figur, die der lateinamerikanische Kontinent je hervorgebracht« habe. A. He. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Pressestimmen

"García Marquez bleibt der nimmermüde, unerbittliche, satirische Chronist, ... er bleibt ein gewiß sehr anspruchsvoller Unterhalter, einer der größten, die es unter den lebenden Schriftstellern gibt." (Tagesanzeiger, Zürich)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Esther TOP 500 REZENSENT
Format:Broschiert
... und ohne Lebenslinie wurde er geboren, hat er geherrscht und ist er gestorben - im Treibhaus der Karibik. Zwischen 150 und mehr als 200 Jahren schwanken die Schätzungen über sein Alter, denn keiner kann sich an beides Erinnern, seine Geburt und seinen Tod. Sein Vater, ein Unbekannter, ein Gassengauner, seine Mutter - Bendición Alvarado - war Vogelhändlerin und hätte ihn wohl zur Schule geschickt, hätte sie denn geahnt, dass ihr Sohn einmal zum Präsidenten, nein allmächtigen Herrscher des Landes würde.

5000 Kinder - Siebenmonatskinder allesamt - hat er Zeit seines Lebens gezeugt, allein ein einziges sollte er jemals anerkennen. Meist ließ er sich vertreten durch einen seiner vielen Doppelgänger, ließ seine Mahlzeiten vorkosten, ließ abtrünnige Vertraute töten und servierte diese seinen Militärs, versteckte Kinder zu tausenden in abgeschiedenen Grotten, wenn ihr Los (und das der Lotterie) gekommen war, er verstieß alle Geistlichen des Landes und veranlasst die Pest zum Massensterben - denn keiner, keiner sollte jemals an seiner uneingeschränkte Macht zweifeln. Was er Zeit seines Lebens hingegen niemals gelernt hat, war die Liebe.

Doch auch er konnte dem Altern nicht entkommen, so entging ihm - halbtaub - dass er von seinen Untergebenen nach allen Regeln der Kunst manipuliert wurde. Zwar waren die jungen Schulmädchen lieblich zu dem alten Gesellen, doch waren es kleine Hafenhuren, denn die Schulen für Mädchen in seiner Nähe wurden seinetwegen geschlossen. Tagtäglich vernahm der die ökonischen Fortschritte aus den Radionachrichten, doch dass sein Land im Schuldenberg versank, wusste er nicht. Bis er in seiner Not schließlich das Meer an die Briten verkaufte ... Zuerst kamen die Hühner, dann übernahmen die Kühe das Regiment im Palast - die Fäulnis in der Luft, erlag der den vielen nutzlosen Schmerzen des Verfalls. Und sein Volk jubelte!

An Hand eines einzigen die Jahrhunderte überdauernden Diktators beschreibt Marquez das Elend der übermächtigen Diktatur in Mittel- und Südamerika. Zwischen Vogelgesängen und Hahnenkämpfen, Rosen, Cladiolen und Mangrovenwäldern, zwischen Kapuzineraffen und Paradiesvögeln, Pelikanen, Straßenkötern und Aasgeiern, im Treibhaus der Karibik! Keine Gräueltat, keine Folter, weder Blödheit noch Unbildung sind dabei erfunden. Der Patriarch spricht, er spricht in seinem Erzählen zu vielen verschiedenen Menschen, die ihm alle gegenüber nicht (mehr) Rede und Antwort stehen. Erst nach seinem Tod, überlässt er dem Volk das Wort. Marquez beginnt die Geschichte des Grauens mit seinem Tod, mit der Entdeckung der Leiche des Alte umgeben von Gestank, Aasgeiern, Kühen und Hühnern in den Amtstuben um sich bis zum Ende des Romans wieder dorthin zurück zu runden. In vielen unterschiedlichen Schleifen erörtert er das Leben, Handeln und Richten des Herrschers - durchwegs in seitenlangen Sätzen, zumal in der Beobachtung zumal im inneren Monolog, immer jedoch eher der Lyrik als der Prosa zugewandt.

"... geknickten toten Alten, der durch das dunkle Geraschel der letzten eisigen Blätter seines Herbstes dem finsteren Vaterland der Wahrheit des Vergessens entgegen flog, angstvoll an die zerfaserten Moderfetzen des Todestalars geklammert und taub gegenüber dem Geschrei der rasenden Menschenmenge, die auf die Straße rannte und Jubelhymnen über die Jubelnachricht von seinem Tode sang, für immer taub gegen die Befreiungsmusik und das Freudenfeuerwerk und die Ruhmesglocken, die der Welt die frohe Botschaft verkündeten, dass die unzählbare Zeit der Ewigkeit endlich zu Ende sei." S276 (letzter Absatz)

Herausragende aber durchaus schwierige Lektüre; unbestritten Weltliteratur!!!
War diese Rezension für Sie hilfreich?
8 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nicht leicht zugänglich 22. Juni 2001
Format:Broschiert
Eines Morgens wird der Diktator eines südamerikanischen Volkes tot in seinem Palast aufgefunden - gestorben im Alter zwischen 107 und 232 Jahren. Von diesem Ereignis ausgehend zeichnet Garcia Marquez das Leben des Tyrannen nach, aber nicht als zusammenhängende Geschichte präsentiert, sondern als ein wirres Kaleidoskop aus einzelnen Szenen, scheinbar willkürlich aneindandergereiht in nicht enden wollenden, metaphernbeladenen Sätzen; das letzte Kapitel, 51 Seiten lang, besteht sogar nur aus einem einzigen Satz. Eine Anekdote reiht sich in einem endlosen Fluß an die nächste, Schilderungen über Schilderungen von Besuchen bei seiner Mutter, mißglückten Staatsstreichen, über seinen Hodenbruch und seine zahlreichen Konkubinen, dabei springt die Erzählperspektive dauernd von der Ich-Erzählform in die verschiedener dritter Personen um. Nicht umsonst heißt es im Nachwort: "Der Leser, der die Intention des Autors begreifen will, wird alle Vorstellungen von Romanformen mit überschaubarer Handlung, linearer Entwicklung und nachvollziehbarer Zeitfolge vergessen müssen, er wird sich nicht durch das Vexierbild der sich ständig ablösenden Erzähler, des 'Ich', des 'Du', des 'Wir' aus dem Konzept bringen lassen."

Sicherlich ist das beleibe kein künstlerisch schlechtes Buch, nur meinem persönlichen Lesegeschmack kam dieser Roman, im Gegensatz etwa zu 'Hundert Jahre Einsamkeit", überhaupt nicht entgegen.

War diese Rezension für Sie hilfreich?
1 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Nicht nur das Laub fällt 5. August 2007
Von Polar
Format:Broschiert
Nichts für ungeübte Leser. Der Roman steht wie ein Klotz da. Absatzlos, Sätze, die sich über Seiten ziehen, man kann leicht den Bogen verlieren und trotzdem zieht die Geschichte dieses alterslosen Diktators einen an, der tot in seinem verfallenen Palast gefunden wird. Wie in einem Alptraum vereint dieser Diktator die Geschichte totalitärer Regimes Südamerikas in sich. Man muß sich Vergangenheit wie Gegenwart erlesen, die Geschichte wird einem nicht auf dem Tablett episodenhaft serviert.

Es ist der gelungene Versuch eines Autors, die Geschichte seiner Kultur, der Politik seines Kontinents einen Ausdruck zu verleihen, der nicht schmackhaft auf der Zunge zergeht. Wer sich wirklich dafür interessiert, wie ein solcher Dikator aufsteigen, wie er fallen kann, muß hinsehen, zuhören, vor-, wie zurückblättern, sich Zeit nehmen. Márquez zwingt einen durch seine Form dazu. Und vielleicht bleibt dieser Roman am Ende deswegen länger haften als andere.
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