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Herbst des Mittelalters
 
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Herbst des Mittelalters [Gebundene Ausgabe]

Johan Huizinga , Kurt Köster
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Herbst des Mittelalters
OT Herfsttij der Middeleeuwen. Studie over levensen gedachtenvormen der veertiende en vijftiende eeuw in Frankrijk en de NederlandenOA 1919 DE 1924 Form Sachbuch Bereich Geschichte
Die Studien über Lebens- und Geistesformen des 14. und 15. Jahrhunderts in Frankreich und in den Niederlanden – so der Untertitel – von Johan Huizinga gelten als Meisterwerk der Geschichtsschreibung. Es ist eine der vielschichtigsten und zugleich sprachlich brillantesten Untersuchungen des späten Mittelalters. In seinen Betrachtungen von Mensch und Gesellschaft, Geist und Leben, Kunst und Literatur ließ Huizinga auch die Ergebnisse anthropologischer, psychologischer, ethnologischer und linguistischer Forschung seiner Zeit einfließen. Sein Werk hat bis heute die Vorstellung von der Spätgotik geprägt, ähnlich wie Die Kultur der Renaissance in Italien (1860) von Jacob R Burckhardt die der Renaissance.
Inhalt: Huizinga begann noch während seiner Lehrtätigkeit in Groningen mit der Arbeit an dem Werk. Einen ersten Anstoß hatte er 1902 durch eine Ausstellung altniederländischer Malerei in Brügge erhalten. Jahre später reifte die entscheidende Erkenntnis vom Absterben eines Zeitalters.
Im ersten Kapitel beschreibt Huizinga die »Spannung des Lebens«, das leidenschaftliche und kontrastreiche Dasein in den mittelalterlichen Städten, auf dem Land und an den Fürstenhöfen. Wie ein Leitmotiv durchzieht der Titel des zweiten Kapitels – Die Sehnsucht nach dem schönen Leben – das Buch. Die Wirren der Zeit voller Kampf, Krieg, Grausamkeit und Elend ließen wie in kaum einer anderen Epoche den Traum von einem besseren Dasein keimen. Melancholie und Schwermut erkennt Huizinga als Grundstimmung, die in Musik, Literatur und anderen überlieferten schriftlichen Äußerungen anklingt. Zugleich gibt es Genuss- und Prunksucht, wie sie Zeiten voller Lebensangst stets hervorrufen. In den folgenden Kapiteln schildert Huizinga, wie sich die Sehnsucht nach einer besseren Welt in den verschiedenen Gesellschafts- und Lebensbereichen äußerte: im Rittertum, im Hofleben, in der Stilisierung und Idealisierung der Liebe, im Bild des Todes und in der Frömmigkeit, im praktischen Leben und in der Kunst. Doch der Autor erinnert daran, dass die nahezu vollständig überlieferte Literatur, die Akten und Dokumente ein geschlosseneres Bild der Zeit überliefern, als die bildende Kunst, von der nur »spärliche Überreste« überkommen sind. Die Kunst hatte die Aufgabe, die Formen, »in denen sich das Leben vollzieht, mit Schönheit zu schmücken«. Letztlich überwucherten jedoch Prunk und überladene Dekore die Schönheit. Huizinga spricht vom »horror vacui« ausgehender Geistesperioden.
Die letzten drei Kapitel seines Buchs widmet Huizinga der Bekräftigung seiner grundlegenden These, dass die spätmittelalterliche burgundische Kultur die Endphase einer eigenständigen verblühenden Epoche sei. Im abschließenden Kapitel schließlich skizziert er, wie die »neue Form« des Humanismus im »Garten des mittelalterlichen Denkens« ganz allmählich emporwuchs.
Wirkung: Unmittelbar nach seinem Erscheinen erlebte das Buch vor allem in den Niederlanden einige Kritik, so ungewöhnlich erschienen konservativen Mediävisten die Thesen von Huizinga und seine Darstellungsform. Doch allmählich setzten Beachtung und Zustimmung ein, um schließlich zu einem Welterfolg des Buchs anzuwachsen. Es wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, die ersten waren Englisch und Deutsch (1924). In Deutschland erlebte das Werk die meisten ausländischen Auflagen. Huizinga ergänzte und verbesserte die Ausgaben bis 1941. Heute gilt Herbst des Mittelalters als Klassiker und Standardwerk der Kulturgeschichte. N. B.

Kurzbeschreibung

Das große Gesamtbild nordischer Spätgotik zählt zu den bedeutendsten Leistungen der Kultur- und Geistesgeschichtsschreibung, an wissenschaftlichem Rang, Glanz der Darstellung und Weite des Blickes nur den klassischen Werken Jacob Burckhadts vergleichbar. Mit einer erstaunlichen Einzelkenntnis und Einfühlungsfähigkeit sind Mensch und Gesellschaft, Geist und Leben, Kunst und Literatur, Frömmigkeit und Glaube der burgundisch-französisch-niederländischen Welt des 15. Jahrunderts mit packender Anschaulichkeit geschildert. Wie jede hervorragende geschichtsschreiberische Leistung ist das Buch über seinen eigentlichen Gegenstand hinaus eine Quelle allgemeinen historischen Verständnisses, indem es die ewigen geschichtlichen Grundkräfte tiefer erfassen und begreifen lehrt.

Autorenporträt

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)
Huizinga, Johan niederländ. Kulturhistoriker *7.12.1872 Groningen †1.2.1945 De Steeg bei Arnheim Herbst des Mittelalters, 1919 Das bedeutendste Werk des niederländischen Kulturhistorikers Johan Huizinga ist das 1919 erschienene Buch Herbst des Mittelalters, das zu einem Klassiker der Literatur über das Mittelalter geworden ist. 1905-15 wirkte Huizinga in seiner Heimatstadt Groningen als Professor für niederländische Geschichte. Anschließend wurde er an die Universität Leiden berufen, wo er bis zu deren Schließung durch die deutschen Besatzungsbehörden 1942 wirkte. 1929-42 war er Präsident der philologisch-historischen Klasse der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam. 1942 wurde Huizinga von der deutschen Besatzung zunächst in ein Konzentrationslager gebracht und schließlich verbannt, da er wiederholt die "Barbarei" kritisiert hatte. Wenige Wochen vor Kriegsende starb er. Zu den wichtigsten Werken von Huizinga gehören eine Biografie über R Erasmus von Rotterdam (Erasmus, 1924), eine Studie über Holländische Kultur des 17. Jahrhunderts (1933) sowie das Buch Homo ludens (1938), in dem er sich mit der Bedeutung des Spielens in der menschlichen Gesellschaft befasst. Biografie: C. Strupp, Johan Huizinga. Geschichtswissenschaft als Kulturgeschichte, 2000
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