Nachdem es schon länger auf meinem Schreibtisch herumlag, habe ich "Herbst: Läuterung", dem dritten Teil von David Moodys "Herbst"-Reihe, nun dann doch mal in Angriff genommen. Die doch recht große Pause vor der Wiederaufnahme der Lesereihe lag vor allem an dem in meinen Augen recht mäßigem Vorgänger "Stadt". Würde Moody die vielen störenden Schwächen der Vorgängerromane beseitigen oder in dieses Werk miteinsickern lassen? Gespannt habe ich mich in's Lesevergnügen geworfen - und wurde leider nicht positiv überrascht. Aber von vorne. Da es sich um aufeinander aufbauende Romane handelt, setze ich im Folgenden vorraus, dass der Inhalt aus den Vorgängern "Beginn" und "Stadt" bekannt ist.
Eine mysteriöse Seuche rafft fast die gesamte Weltbevölkerung dahin und lässt einen guten Teil derselben als wandelnde Tote wieder auferstehen. Anfangs noch plump und teilnahmslos, werden die Leichen immer aggressiver und angriffslustiger - und die Chancen der wenigen Überlebenden somit geringer. Am Ende von "Stadt" haben unsere Protagonisten endlich einen rettenden Militärbunker erreicht. Doch wieviel Sicherheit bietet das triste unterirdische Bollwerk wirklich? Wie entwickelt sich die Beziehung zwischen Zivilisten und Militärs? Und werden die lebenden Leichen, die die sterbende Welt vor den Toren des Bunkers beherrschen, ihre beunruhigende Evolution fortsetzen? Wie soll es mit der Menschheit weitergehen?
Fragen über Fragen, die allerdings oft nur implizit oder gar nicht behandelt werden. Wie in den Vorgängerromanen legt Moody trotz gelegentlicher "Metzeleinlagen" den Fokus auf die Überlebenden und ihre psychische Verfassung, was mir persönlich sehr gut gefällt. Der Untote dient hier als Mittel zur Isolation, nicht als Zielscheibe. Das könnte spannend werden, alleine schon wegen der "Romero'schen Formel" Militär+Zivilisten+Zombies = Sozialkritik.
Das ist allerdings leider nicht so. Die Konflikte zwischen den Personen wirken profan gehen meistens nicht über redundantes Gejammer hinaus. Schade! Denn viel an Handlung bietet der Roman auch nicht. Wo wir eigentlich auch schon bei den zentralen Kritikpunkten wären: Redundanz und mangelnder Spannungsbogen. Diese Probleme konnte man schon in "Stadt" und teilweise auch in "Beginn" ausmachen, leider ist Moody seinem Stil hier treu geblieben. Es ist nach wie vor einfach unheimlich penetrant, wenn die Charakter ewig die gleichen Anmerkungen und Trivialitäten von sich geben. In regelmäßigen Abständen wird beispielsweise immer neu darüber sinniert, was man denn alles verloren hat, was jetzt nicht mehr so wie vorher ist, etc. ... allerdings ohne dabei irgend eine neue Facette zu beleuchten. Irgendwann denkt man sich nur noch "Ist ja gut, ich hab's schon beim letzten Mal verstanden". Wie zuvor könnte man wirklich denken, dass Moody vergessen hat, was er zwei Kapitel zuvor geschrieben hat.
Auch die Protagonisten verhalten sich zum Teil aufreizend flach. Die Dialoge bewegen sich manchmal leider auf dem Niveau:
"Wir müssen raus!" - "Aber wir können nicht raus!" - "Wieso nicht?" - "Da sind hunderte von Leichen!" - "Oh, achja!".
Nun könnte man Fragen, ob es nicht das Privileg von Menschen wäre, sich mitten in einem Weltuntergang irrational, egoistisch und soziopathisch zu verhalten. Das ist sicherlich richtig und auch ein Grundbaustein jedes Apokalypsenszenarios. Hier wird das allerdings zelebriert, ohne dadurch wirkliche Spannung zu generieren. Oft sind die Charaktere einfach nur schlecht gelaunt, werfen sich einige Zeilen an den Kopf und das war's dann.
Einen roten Faden, an dem sich die Handlung entlang zieht, vermisst man oft. Zwar stellt Moody den Überlebenden diesmal ein klares Ziel vor Augen - aber das ist exakt die gleiche Struktur wie in den vorran gegangenen Teilen: Man haut vor den Leichen ab, richtet sich irgendwo ein, überlebt da eine Weile und dann werden die Leichen gefährlicher und man muss sich das nächste Ziel suchen. Anhand der Figuren Michael und Emma nachvollzogen: Vom Gemeindehaus zur Penn Farm, von der Penn Farm zum Wohnwagen, vom Wohnwagen zum Militärstützpunkt, vom Militärstützpunkt zum Flugplatz, vom Flugplatz zum... naja, das werde ich dem geneigten Leser nicht spoilern.
Und zwischendurch plätschert alles ein wenig vor sich hin. Alles "geschieht" einfach. Es passiert dieses, es passiert jenes, dann wird wieder ein bißchen geredet, geweint und gestritten und dann gibt es ein bißchen Action. Da ist leider insgesamt viel zu wenig Zug drin. Als hätte Moody das Buch einfach heruntergeschrieben ohne eine feste Idee zu haben wie die Handlung sich entwickeln soll.
Jetzt habe ich aber viel gemeckert. Vielleicht ein bißchen zu viel, weil ich auch ein stückweit enttäuscht bin vom ungenutzten Potential einer gesamten Buchreihe über das nach wie vor faszinierende Thema Weltuntergang. Denn die Wahrheit ist, dass "Läuterung" natürlich auch seine guten Seiten hat. Moody ist kein Stümper, wenn man mal von den "ärgerlichen" Passagen absieht, ließt sich das Buch ganz flüssig. Und wie auch schon im Vorgänger wird es am Ende (leider etwas spät...) dann doch nochmal richtig spannend und mitreißend. Für eine kurze Zeit entwickelt sich das Buch dann tatsächlich zum packenden Pageturner. Aber reicht das? Und damit komme ich zur Zusammenfassung:
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"Läuterung" kann sich wie die Vorgänger nicht wirklich entscheiden, was es sein will: Für einen soliden Zombieroman gibt es nicht genug Bewegung und Action. Für ein sozialkritisches Untergangsepos oder eine emotionale Sozialstudie in Geschichtenform ist alles irgendwie viel zu flach. Und für für einen pfiffig-intelligenten Düster-Roadtrip ist die Handlung einfach viel zu simpel. Ansätze lassen sich für alles finden, aber "gut" macht "Läuterung" nichts davon so wirklich. Das ist Schade, denn so bleibt "Beginn" der bisher beste Teil der Reihe, und von Läuterung bleibt nicht mehr übrig als ein (mit knapp 370 Seiten im wahrsten Sinne des Wortes) kurzweiliges Lesevergnügen für zwei bis drei gemütliche Abende oder längere Zugreisen. Darüber hinaus im Gedächtnis bleiben wird "Läuterung" den meisten Lesern dann allerdings nicht. Dazu fehlen dem Buch einfach die außergewöhnlichen Elemente. Leider ist es ziemlich schwer, das Buch als "Lesequicki" für Zombie- oder Dystopiefans zu empfehlen, denn es handelt sich ja um eine ganze Buchreihe. Und damit komme ich zum Schlussstatement:
Wer die beiden Romane "Beginn" und "Stadt" mochte, findet in "Läuterung" noch einmal eine folgerichtige Fortsetzung und kann bedenkenlos zugreifen. Wer die Reihe noch nicht kennt und nur wenig Lesebudget hat, kann sich aber auch guten Gewissens woanders umsehen.