Zusammenfassung
Im Folgenden beziehe ich mich auf die zwei Romane "Herbst: Beginn" und "Herbst: Stadt" von David Moody. Ich werde hauptsächlich den Aufbau der Romane und das handwerkliche Know-How des Autors aus Sicht des Lesers kritisieren (und in Teilen beschreiben). Dabei komme ich zu dem Schluss, dass beide Bücher schlecht geschrieben sind und nur den Leser zufriedenstellen wird, der mit dem Minimalanspruch irgendeinen Test zu lesen, der in ein Zombieszenario eingebettet ist, an diese Bücher herangeht. Jeden anderen wird die "Herbst" Saga enttäuschen; die Handlung ist willkürlich und völlig irrelevant, die Figuren zweidimensional und uninspiriert. Eine sehr viel bessere Alternative bietet z.B. Max Brooks "World War Z".
Ausführliche Rezension
Nachdem ich wieder mal dem Zombiehunger verfallen war, suchte ich nach entsprechender Kost. Dabei stieß ich auf Moodys "Herbst" Saga. Die recht vielen guten Rezensionen hier überzeugten mich, mir erst mal Band Eins und Zwei zu bestellen. Ich erwartete guten Survival Horror, Beschreibungen des Untergangs unserer Welt und den täglichen Überlebenskampf zwischen Wahnsinn und Wiederaufbau einer Gruppe von Überlebenden. Was das grobe Setting angeht (Menschheit wird ausgelöscht, es gibt wenige Überlebende, die Toten erheben sich und trachten gierig nach dem Fleisch der Lebenden) wurden meine Wünsche weitestgehend erfüllt. Weitestgehend deshalb, weil Moodys Setting etwas anders daher kommt, als die bekannten Vertreter des Genres. Moodys Zombies kommen extrem langsam in Fahrt, während der Untergang rasend schnell (innerhalb weniger Seiten) abgehandelt wird. Warum der Autor sich für einen solchen Auftakt entschieden hat, ist mir schleierhaft: Auf diese Art nimmt er der Handlung Schwung und Spannung, worunter in Folge der gesamte Roman leiden wird.
Und dabei sind wir beim Kern meiner Kritik. David Moody hat bei der Konstruktion und Umsetzung sowohl des ersten Bandes "Beginn", als auch des zweiten "Stadt", grundlegende Entscheidungen getroffen, die überhaupt nicht nachvollziehbar sind. Eher wirken beide Bücher so, als ob der Autor einfach mal drauflosgeschrieben hätte. Das hat Konsequenzen.
Zum einen wirkt die Handlung völlig willkürlich. Es gibt keine einzige Szene in beiden Büchern, die (auch in der Nachbetrachtung) irgendeinen Sinn ergeben hätten, außer dass sie chronologisch aufeinander aufbauen. Szenen sollten die Handlung voranbringen und dabei einen dramaturgischen Aufbau haben. Die Spannungskurve muss anwachsen bis zum klar erkennbaren Höhepunkt, an dem die Handlung eine unumkehrbare Wendung nimmt. Zusätzlich sollten Szenen mehr über die Charaktere erzählen, über ihre Motivation, ihre Persönlichkeit und Geschichte und dadurch Konflikte aufbauen. Fragen sollten aufgeworfen werden. Nichts von alledem schafft Moody in seiner Erzählung. Die Handlung schippert so träge vor sich hin bis sie irgendwann an einem völlig falschen Zeitpunkt abrupt zu Ende geht ("Beginn"). Und mich als Leser stört es auch gar nicht.
Noch schlimmer aber als die träge Handlung sind die farblosen Charaktere. Eine Handlung wird immer getragen von ihren Charakteren. Moodys Figuren wirken leblos, wie die Welt, die er zu zeichnen versucht. Alle Figuren sind eintönig und voneinander nicht zu unterscheiden (hat der Autor deshalb ein Namensverzeichnis ans Ende seines Buches gestellt?). Der Autor verzichtet darauf jeder Perspektivfigur eine eigene Erzählerstimme zu geben, was sicherlich ein Grund dafür ist. Ein weiterer ist, dass Moody sich bei der Konzeptualisierung der Handlungsträger scheinbar darauf verlassen hat, für jede Figur einen Handzettel mit Stereotypen zu schreiben (wenn überhaupt). Man merkt einfach, dass Moody selbst seine Figuren eigentlich gar nicht kannte (was die Grundvoraussetzung ist, eine Figur mit Leben zu füllen).
Um die handwerkliche Kritik abzuschließen, fällt noch auf, dass beide Bücher so gut wie keine Struktur aufweisen. Die Kapitel sind willkürlich gewählt, die sporadischen Überschriften beschränken sich auf den Namen eines Protagonisten. An dieser Stelle erwartet der Leser natürlich eine persönliche Erzählung aus Sicht eben dieses Protagonisten - aber weit gefehlt. Moody nutzt mal einen auktorialen Erzähler (allwissender Erzähler, der selbst nicht Teil der Handlung ist) und mal einen personellen (also eine Perspektivfigur, die erzählt und selbst Teil der Handlung ist). So wird die Handlung oft über mehrere Absätze aus Sicht einer Figur erzählt (was man lediglich durch die Verwendung des Pronomens "Ich" erkennt). Dann plötzlich wirft der Erzähler einen Blick in die Gedankenwelt einer anderen Figur (Bsp. "Jack ging es schlecht, weil er an seine tote Mutter dachte." <-- konstruiert), was dem personellen Erzähler völlig unmöglich ist.
Dies alles zeugt davon, dass dem Autor jegliches Know-How fehlt, einen guten Roman zu schreiben. Auch das Lektorat kann nicht überzeugen, da ein gutes Lektorat diese Bücher so niemals in den Druck gegeben hätte. Und die deutsche Übersetzung ist ein weiterer Fehlschlag, den ich bisher außen vor gelassen habe: Die Übersetzer, die hier am Werk waren, habe ihren Beruf verfehlt. Ihr Ausdruck ist äußerst schlecht und stellenweise von kindlicher Eleganz (Bsp. "Er entschied sich, ein Stück weit in die Stadt zu gehen und nach einer Stunde oder zwei umzukehren und zurück nach Hause zu gehen", Herbst: Stadt, S. 22; "Nathan Holmes ging gerade auf dem Weg nach seinem Zimmer durch die Halle." Herbst: Stadt, S. 139). Ferner haben sich hier Fehler eingeschlichen, die so nicht mal durch eine simple Rechtschreibprüfung kommen würden (z.B. die doppelte Verwendung von Artikeln, Beispiel habe ich gerade nicht parat).
Fazit:
Finger weg von diesem amateurhaft geschriebenen (und übersetzten) Kleisterwerk! Es gibt viele andere Romane, die sich eines Zombieszenarios bedienen. Z.B. "World War Z" von Max Brooks, das mir sehr gut gefallen hat (und dass ich gerne auch ein zweites Mal lesen werde), oder "Tagebuch der Apokalypse" von J.L. Bourne, dem ich als nächstes eine Chance gebe (und von dem ich hoffe, dass es besser ist, als Herbst: Beginn).