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Das Intermezzo von Einmal-Bond George Lazenby untermal Barry mit dem furiosen "This Never Happened To The Other Feller", das dem smarten australischen Model wie ein Maßanzug auf den Leib geschneidert ist - eine fünfminütige Extravaganza aus furiosem Big-Beat-Drive, Tragödie, Sinnlichkeit, Action, Sehnsucht und katzengleich dahinschleichenden Trompetenmelodien. Einfach wundervoll! Mit genausoviel fetten Grooves kommt das instrumentale Titelthema "On Her Majesty's Secret Service" daher, das auch für die grandiosen Verfolgungsjagden durch die Bergabhänge ("Ski Chase") und die zahlreichen beeindruckenden Actionszenen des Films eingesetzt wird. Fette Bläsersätze, Funk-Beats, Moog-Synthesizer-Loops und eine unwiderstehliche Melodie, die nicht zuletzt die Propellerheads 1997 zusammen mit dem offiziellen John-Barry-Nachfolger David Arnold würdevoll neu eingespielt haben.
Der todtraurige Filmsong, der hier nicht als Titelmelodie herhält, ist Louis Armstrong ergreifendes "We Have All The Time In The World", der das bittere und ungewöhnliche Ende des Films nicht besser hätte untermalen können. Und auch die weiteren Stücke des Soundtracks, vor allem das grandiose "Journey To
Blodfeld's Hideaway", dass die überwältigende Panoramasicht von einem Berggipfel aus förmlich spüren lässt, und die selbst bei scheinbaren Easy-Listening-Momenten wie "Try" und "Over an Out" fühlbare Bedrohung sind Höhepunkte dieser Filmmusik, die keinen einzigen Tiefpunkt aufweist. Selbst das kitschige Weihnachtslied "Do You Know How Christmas Trees Are Grown", gesungen von Nina, fügt sich perfekt in ds Gesamtbild ein (in der deutschen Filmfassung wird die eingedeutschte Version übrigens von Katja Epstein geträllert!). Bemerkenswert ist hier auch der Einsatz des damals eingeführten Moog-Synthesizers von John Barry. Während viele Artgenossen in der Rockmusik noch unsäglichen Lärm auf dem neuen Instrument fabrizierten, integriert Barry die synthetischen Klangwelten perfekt in die Melange aus Großorchester und Beat-Band, die der Musik noch einen zusätzlichen Drive verleiht.
Die Neuauflage des Soundtracks von 2003 wartet nicht nur als digital remasterte Version mit einem schönen Booklet mit tollen Szenenfotos und Kommentaren auf, sondern auch mit 10 Bonustracks aus dem Film, die es aus Platzgründen nicht mehr auf die originale Langspielplatte geschafft haben. Und diese Titel sind teils wahre Juwelen, so wie das verführerische "Who Will Pay My Yesterdays" oder "Bond Meets The Girls", die jedem Loungecore-Retro-Sampler veredeln würden. Alles in allem eine mehr als gelungene Neuauflage des besten alles James-Bond-Soundtracks, der die werktreuste Verfilmung eines 007-Romans perfekt zur Geltung bringt.
Universal hat wahrlich ganze Arbeit geleistet: Mit einer Lauflänge von sage und schreibe mehr als 78 Minuten
liegt die Spieldauer der neuen Veröffentlichung von 'On Her Majesty's Secret Service' rund beim Doppelten der 1988 erstmals veröffentlichten CD, auf der lediglich die Tracks Platz gefunden hatten, die auch auf der LP-Veröffentlichung zu finden gewesen waren. Zusätzlich zu den 10 Titeln der bisherigen Veröffentlichungen haben nicht nur 11 neue Stücke auf dem Silberling Platz gefunden, sondern mindestens zwei der ursprünglichen Titel sind nun außerdem um einige Takte länger geworden - erfreuliche Begleiterscheinung: die filmspezifische Variation des James Bond Themas, die das weltberühmte 'Gun Barrel Logo' musikalisch untermalt, ist nun auch endlich auf dem zum Film gehörigen Tonträger vertreten - und leitet, wie auch im Film, zur akustischen Kulisse der so genannten 'Pre Title Sequence' über (hier: 'This never happened to the other feller').
Sämtliche Stücke wurden überdies, wie dem gefällig gestalteten, informativen Booklet zu entnehmen ist, von den Original-Masterbändern neu abgemischt - und dank Remastering klingt 'On Her Majesty's Secret Service', einem der für mich mit Abstand besten Soundtracks aus der Feder von 007-Altmeister John Barry, detailreicher und dynamischer denn je.
Fazit: Fans des erfolgreichen Doppels 'Bond & Barry', in deren Soundtrack-Sammlung zwischen 'You only Live Twice' und 'Diamonds are Forever' bislang ohnehin eine Lücke klaffte, haben doppelten Grund zur Freude - sie dürfen bedenkenlos zugreifen und erwerben mit der neuen Veröffentlichung von 'On Her Majesty's Secret
Service' gleich die fürderhin 'amtliche' Version des Materials. Und der Rest der Fangemeinde? Wird es angesichts der Fülle neuen Materials sowie der Sorgfalt, die man bei der Veröffentlichung hat walten lassen, sicherlich verschmerzen können, dem bereits vorhandenen Vinyl oder Silberling einen Ehrenplatz in der Sammlervitrine einzuräumen - von mir gibt's jedenfalls fünf Sterne für den neuen, alten 007-Soundtrack!
James Bond kehrte 1969 als Doppel-Null-Agent wieder in den Geheimdienst seiner Majestät zurück. Lesen Sie weiter...
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