Produktinformation
|
| 1. Henry V (Original Soundtrack) - Ost,Various,Doyle,Patrick |
Vom Regisseur aufgefordert, "Shakespeares goldenen Worten" zu folgen und "so kühn wie möglich" vorzugehen, schuf Doyle eine Musik von epischer Breite, schwärmerisch leidenschaftlich und von beschreibender Fantasie. Die Partitur trägt fast opernhafte Züge -- ein Charakterzug, der bei späteren Werken des Komponisten vertraut wirkt -- wenn Doyle mit greifbarem Gespür für Dramatik die berühmten Zeilen (speziell die St. Crispins Day-Ansprache) untermalt, dabei immer aufs Sensibelste den textlichen Nuancen gehorchend. Es gibt herausragende Szenen, wie den Tod des Falstaff oder die Schlacht von Agincourt; die gesamte Partitur jedoch wirkt opernhaft durchkomponiert und einheitlich durch Doyles starkes melodisches Gespür. Der melodramatische Höhepunkt seines "Non nobis, Domine" (der Gesang zu Beginn stammt vom Komponisten selbst), konkurriert ganz schamlos mit "Land of Hope and Glory" aus Gründen -- wie Branagh darlegt -- des "Mitsing-Effektes".
Wie man Sir Simon Rattle und das CBSO dazu überreden konnte, die Studioaufnahmen zu übernehmen, bleibt ein Rätsel; das Ergebnis aber ist eine der bestgespielten, vom Orchester her luxuriösesten Filmmusiken, die je aufgenommen wurden. Patrick Doyles spätere Werke sind vielleicht noch etwas verfeinerter (nehmen Sie Hamlet, zum Beispiel), aber keine kommt an die schiere Vitalität dieses Debüts heran. --Mark Walker
Tags, die Kunden mit diesem Produkt verbinden(Was ist das?)Klicken Sie zum Suchen verwandter Artikel, Diskussionen oder Personen auf ein Tag.
|
Dies trifft auch z.T. auf Doyles Score zu, umso tragischer, als die Musikdramaturgie im Film ganz einfach überragend ist. Es ist Doyles erste Filmmusik, und sie gerät an vielen Stellen zu dünn und sparsam in der Orchestrierung, was sicher auch daran liegt, daß Doyle keine akademische Ausbildung genossen hat. Allgemein ist es Dialogmusik, und das ist die Crux der CD: der Komponist ist zu leiser, langsamer Musik ohne Glanzlichter verdammt. In diesem Zusammenhang gelingt es Doyle immerhin, die Musik weitgehend dramatisch zu halten; das Stilvorbild Strawinsky ist durchweg erkennbar, wenn es auch nie berührt, geschweige denn erreicht wird. Das Thema für den König ("Henry's Theme") ist melodisch hochinteressant, taucht aber in reiner Form nur eine Minute lang in der Musik auf (!). "The Death of Falstaff", spätromantisch, ist die Hommage an Doyles berühmten Vorgänger William Walton, der den Score zur Erstverfilmung von 1944 schrieb. Eine hilflose Geste, da seine Musik dem vorliegenden Album natürlich turmhoch überlegen ist. Das beste Stück der CD ist, erstaunlich genug, die Monolog-Untermalung "Upon the King", das mit einem nach dem Sprechrhythmus dieses Ausdrucks gebildeten Thema den dichterischen Höhepunkt des Stückes fast minimalistisch untermalt und so nicht vom gesprochenen Wort ablenkt, ohne die musikalische Integrität und Geschlossenheit zu opfern. Gerade die Geschlossenheit ist es, an der es bei vielen anderen Stücken fehlt: die Länge des Cues "The Battle of Agincourt" soll nicht täuschen; hier wurde mehr als ein halbes Dutzend Einzelcues zusammengekettet, die Musik verhaftet in Fetzen. Einzige Ausnahme innerhalb des Stückes ist im ersten Drittel Henrys heroischer Appell an die Soldaten, die Doyle mit einer immer mehr zum Fortissimo geratenden Wiederholung eines Streicherostinatos beschreibt; Philip Glass läßt grüßen. Schön zu hören sind die romantischen Teile ("The Wooing of Katherine") und der majestätische (und sehr einfach gestaltete!) Choral "Non nobis, Domine", der auch die Schlußmusik bildet.
Insgesamt enttäuscht die Musik zwar, ist aber als dramaturgisch perfekter Score für Cineasten von einiger Bedeutung. Simon Rattle spornt sein Orchester außerdem zu einer vitalen Darbietung an, die in ihrem spielfreundigen Elan so manche Schwächen des Scores vergessen machen kann.
|
Das Forum zu diesem Produkt
Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Kundendiskussionen durchsuchen
|
Ähnliche Foren
|
|||||||
|
|
|