Henry (Luke Wilson, 'Idiocracy') ist todkrank und hat sich deshalb in eine kalifornische Kleinstadt zum Sterben zurückgezogen. Er will mit niemandem reden, nur Pizza essen und Wodka trinken, bis seine Zeit gekommen ist. Seine Ruhe wird aber fortwährend gestört. Erst von seiner Maklerin, die ihm Vorschläge zur Hausrenovierung unterbreitet, die für Henry natürlich keinen Sinn mehr machen. Dann schaut seine spanische Nachbarin Esperanza (Adriana Barraza, 'Babel') mit Leckereien und auf einen nachbarschaftlichen Plausch vorbei. Auch die Supermarkt-Kassiererin Patience macht sich aufgrund Henrys ungesunder Einkäufe Sorgen um ihn. Und schlussendlich muss er feststellen, dass die 7jährige Millie, die Tochter seiner Nachbarin Dawn (Radha Mitchell, 'Silent Hill'), seine Gespräche auf einem Kassettenrekorder mitschneidet. Als die tiefgläubige Esperanza dann eines Tages auch noch meint, in einem Wasserfleck an der Außenwand von Henrys Haus das Antlitz Christi zu erkennen, ist es mit Henrys Geduld langsam aber sicher vorbei. Alles, was er wollte, war in Ruhe sterben, und nun wird sein Haus von gottesfürchtigen Pilgern und schweigsamen kleinen Mädchen belagert. Von wegen, jeder stirbt allein' Doch Esperanzas unerschütterlicher Glaube an ein Wunder an Henrys Wand lässt seine eigene, um sich selbst gezogene Mauer, langsam bröckeln.
Technical Data: Deutsch und Englisch in Dolby Digital 5.1, Untertitel in Deutsch, Englisch, Türkisch, Audiokommentare von Regisseur, Drehbuchautor und Kameramann, Making of, Deleted Scenes, Musikvideo vom Regisseur zu einem Soundtrack-Song und vier Trailer.
Dieser von der Handlung vermeintlich nicht viel hergebende Film ist ein kleiner Diamant in der großen Tiara von Hollywood-Melodramen. Er fordert dem Zuschauer nur zweierlei ab: Aufmerksamkeit und Geduld. Dann belohnt er ihn mit einem wunderschönen, leicht skurrilen, warmherzigen und ergreifenden Film, in dem einmal mehr ein besonders schöner Soundtrack die Szenen treffend untermalt. Regisseur Mark Pellington ('Arlington Road', 'The Mothman Prophecies') hat hier einen auf den ersten Blick nicht eben leicht zugänglichen Film geschaffen, der einen aber von Minute zu Minute mehr in seinen Bann zieht und einen am Ende berührt und beeindruckt zurücklässt. Nie gleitet der Film ab in kitschiges Pathos oder eine tränenreiche Schmonzette. Pellington gelingt es vortrefflich, genau das Maß an emotionaler Berührung in seinen Film einfließen zu lassen, das nötig ist, um die Darsteller glaubhaft, aber nicht übertrieben agieren zu lassen. Gängigen Sehgewohnheiten trotzt er gekonnt, weil er sich viel Zeit für seine kleine Geschichte nimmt, in der, objektiv betrachtet, eigentlich nicht viel passiert und weil er die Beziehung zwischen Protagonisten und Zuschauern nur sehr langsam, dafür aber umso intensiver aufbaut. Ein Luke Wilson schafft hier mit kleinen Gesten und einer fein ausgewogenen Mimik mehr als zum Beispiel Will Smith in dem thematisch ähnlich gelagerten 'Sieben Leben'. Die ganze Darstellerriege harmoniert wunderbar miteinander, unaufdringlich und authentisch versehen sie alle ihre Charaktere mit Glauben, Liebe und Realismus. Die traumatisierte und deshalb verstummte Millie hat wunderhübsche, riesengroße Augen, aus denen sie traurig in die Welt um sich herum blickt, Esperanza hat Verluste erlitten und dennoch ihren Lebensmut und ihre Lebensfreude nicht verloren. Dawn schlägt sich wacker allein mit ihrer Tochter durch, nachdem ihr Mann sie vor Jahren verlassen hat. Nur Henrys Sicht ist getrübt durch den ihn bald ereilenden Tod. Er hat sich schon fast aufgegeben, aber das Jesusbild an seiner Hauswand und seine herzlichen Nachbarn lassen ihn Stück für Stück ins Leben zurückkehren, ob er nun will oder nicht, dem kann sich auch der Zuschauer über kurz oder lang nicht entziehen.
'Henry Poole is here' hat viele stille Momente, lebt von langen Kamerafahrten und wirft regelmäßig einen ungewöhnlichen Blick auf alltägliche Situationen. Kameramann Eric Schmidt sind hier außergewöhnliche Bilder gelungen, die streckenweise fast magisch wirken. Er fängt den Sonnenstaat Kalifornien mit unüblichen, aber nicht minder schönen Bildern ein, er visualisiert die besonderen Charaktereigenschaften der Akteure, er vereint Schäbigkeit und Schönheit in Henrys Leben und schafft damit den ganz eigenen Look des Films. Man muss sich allerdings Zeit nehmen, dies alles zu entdecken, dies gilt ebenfalls für die Musikstücke, die hier den Soundtrack bilden. Wenn man einmal auf die Texte achtet, wird man feststellen, wie hervorragend sie die Szenen untermalen, in denen sie eingesetzt werden. Sicher, dem Film mag es an Tempo fehlen, aber nicht alle Filme brauchen für ihre Geschichte Tempo und Spannung. Durch die große Bandbreite an Emotionen, die hier aufgefächert wird, entfaltet der Film seine eigene Geschwindigkeit, die den Zuschauer trotz aller Gemächlichkeit mit sich zieht und für 99 Minuten die Dinge um ihn herum vergessen lässt. Man sieht an 'Henry Poole is here' ganz hervorragend, dass es weder bekannter Darsteller noch eines Riesenbudgets bedarf, um einen tollen Film zu drehen. Alles, was man braucht, ist eine gute Geschichte und jemanden, der sie gut erzählen kann. Verfügt man dann noch über das Privileg, einen grandiosen Kameramann und ausgezeichnete Musik in Anspruch nehmen zu können, hat man das, was 'Henry Poole is here' ist: ein kleines Meisterwerk, das noch lange nachwirkt.
Ein Film für alle, die sich auf eine Geschichte wirklich einlassen wollen, die den Charakteren Zeit zur Entwicklung und Entfaltung entgegenbringen und die sich auch für die Dinge interessieren, die abseits der großen Melodramen und Tragödien in Hollywoodfilmen passieren. Die einen grandiosen Soundtrack zu schätzen wissen und guten Schauspielern bei ihrer hervorragend geleisteten Arbeit zuschauen möchten. 'Henry Poole is here' ist so, wie er ist, genau richtig. Eine perfekte Mischung aus Drama, Komödie und Liebesgeschichte, vielleicht sogar mit Happy End' man muss nur dran glauben. Fünf von fünf kalifornischen Sonnenaufgängen, die Henry Pooles Welt wieder in ein orangefarbenes Licht tauchen.