Das Buch läßt sich angenehm lesen.
Es vermittelt das Bild eines Menschen, der seine eigenen Schwächen durch Stärke verdeckt. Sein Redaktionsteam beim "Stern" war einfach sein "Freikorps Nannen". Aber trotzdem mißtraute er der reinen Theorie. Er ließ seine "einfach gebliebene" Schwiegermutter in sein Haus einziehen und nahm die Stories des Stern vor der Veröffentlichung mit nach Hause. Wenn seiner Schwiegermutter die Geschichten des Stern gefielen, dann waren sie gut.
Nannen erzählte viel und gerne. Nannen war ein Mann, der Leute begeistern kann, (fast) bis zur Selbstaufgabe! Zuerst für sich - dann für den Stern! Aber eigentlich war das für ihn kein Unterschied! Der Stern - das war Henri Nannen. Aber nicht nur der Mensch und Journalist wird "erzählt", nebenher erfährt man eine Menge über die Entwicklung des deutschen Nachkriegsjournalismus. Über die Verwicklungen, Beziehungen und die gegenseitigen Hilfeleistungen der Strippenzieher im Hintergrund.
Henri Nannen wollte immer im Vordergrund stehen. Dass er den "intellektuellen Sex" der Hildegard Knef aufregend fand, ist nur eine Seite. Andererseits benutzte er Frauen für sich. Sie erlaubten ihm, seine Schwächen zu verstecken. Sie halfen ihm oft aus der Klemme oder stellten Kontakte für ihn her.
Das Buch ist wirklich lesenswert! Faktenreich recherchiert, witzig beschrieben und unheimlich informativ.