Pressestimmen
"Wer in Bergsons Begrifflichkeit und Problematik klar sehen möchte, wer um das Verständnis so zentraler Ideen wie Vielheit (multiplicite), Dauer (duree) oder Gedächtnis (memoire) bemüht ist und wissen möchte, warum und wie die 'reine Erinnerung' (souvenir pur) bei Bergson keine psychologische, sondern eine ontologische Dimension hat, wer dahinterkommen möchte, wie Bergson dazu kommt, bei so viel Aufmerksamkeit für die Vielheit die Einheitlichkeit der Zeit zu behaupten etc., ist mit dieser Einführung gut bedient. Deleuze beseitigt nicht nur Mißverständnisse, er tut es wie immer mit einer - im mathematischen Sinne gemeinten - ausgesprochenen Eleganz der Darstellung. So wie viele deutsche Leser in den siebziger Jahren dank Deleuzes Nietzsche-Buch erst begonnen haben, Nietzsche wirklich zu lesen, wird möglicherweise dieses kleine Buch manche dazu anregen, Bergson überhaupt zu lesen. Für jene anderen, die nun begonnen haben, Das Bewegungs-Bild zu lesen und möglicherweise gerade üb er jene Passagen gestolpert sind, die direkt an Bergson anschließen, wird Bergson zur Einführung zweifelsohne von großer Hilfe sein. Dies wird um so mehr der Fall sein, als man hier über eine sehr zuverlässige Übersetzung verfügt, die nicht nur frei von contre-sens ist - was man beileibe nicht für alle Übersetzungen französischer Philosophen behaupten kann -, sondern stilistisch gesehen eine gelungene Entsprechung zum französischen Originaltext darstellt. Literaturhinweise über Bergson und Deleuze und eine Zeittafel zu Bergsons Leben und Werk liefern in ausgewogener Form die notwendigen ergänzenden Informationen." (lendemains)
Kurzbeschreibung
In seiner Epoche war Henri Bergson (1859-1941) ein intellektueller Star. Von einer ganzen Generation wurde der Bergsonimus wie eine Befreiung vom Zugriff der wissenschaftlich-technischen Rationalisierung des Lebens erlebt. Seine Schriften, für die er 1927 den Nobelpreis für Literatur bekam, beeindrucken durch ihre Schönheit und Klarheit. Bergsons Kritik an den exakten Wissenschaften ist nicht nur ein Meilenstein in der Geschichte der Philosophie, als Gegenposition zur technokratischen Besetzung der Welt hat sie durch das Denken von Gilles Deleuze in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neue Aktualität bekommen.
Über den Autor
Gilles Deleuze, geb. 1925, lehrte Philosophie an der Universität Paris St. Denis. Er starb 1995.