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Hemmersmoor
 
 
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Hemmersmoor [Gebundene Ausgabe]

Stefan Kiesbye
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (40 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
  • Verlag: Tropen Bei Klett-Cotta; Auflage: 1., Aufl. (21. Februar 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3608502084
  • ISBN-13: 978-3608502084
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 14,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (40 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 306.144 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Stefan Kiesbye
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Kiesbye entführt die Leser in die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele... Ein Roman, der unter die Haut geht." (Aachener Zeitung)

"Stefan Kiesbyes Roman besticht durch seine Atmosphäre und seine Kombination von unheimlichen Begebenheiten mit dem realen Alltag eines von der Zeit vergessenen Dorfes." (NDR 1 Niedersachsen)

Kurzbeschreibung

»Der Eingang zur Hölle liegt in Hemmersmoor.«

Was, wenn die Vergangenheit nicht vergehen will und die Toten keine Ruhe finden? »Hemmersmoor« ist ein Schauerroman über vier junge Freunde, deren unschuldige Spielereien in die dunkelsten Winkel der menschlichen Seele führen.


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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Mit "Hemmermoor" von Stefan Kiesbye halte ich einen kurzen Roman in meinen Händen, den ich selber in die "Geheimtip"-Kategorie einordnen würde. Mir war der Autor gänzlich unbekannt, und auch beim Stöbern in den Buchläden ist mir dieses Buch nie begegnet. Schade, denn so fiel dieses Schmuckstück erst jetzt in meine Hände.

Der Reihe nach: Nach dem Tod ihrer alten Schul- und Spielkameradin Anke kehrt Christian zur Beerdigung in das Dorf seiner Kindheit zurück: Das abgelegene Hemmersmoor in Norddeutschland. Dort trifft er seine alten Freunde Linde, Martin und Alex wieder. Und man erinnert sich an so einiges...

5 Charaktere (einschließlich Anke), 4 Sichtweisen (Alex erleben wir nicht als Erzähler). Dies prägt das Buch in einen episodenhaften Erzählstil, dessen Abschnitte lose zueinander in Bezug stehen und als Mosaiksteinchen zusammen das Bild einer unglücksseligen Kindheit zeichnen. Die Charaktere tragen ihre Geschichten dabei als "Ich"-Erzähler vor - mitten im Geschehen, aber doch mit einer merkwürdigen Distanziertheit, vielleicht auch, weil man sich nicht wiedererkennen will. Denn das im bezeichnender Weise "Teufelsmoor" gelegene Hemmersmoor ist alles andere als ein freundlicher Ort. Die Handlung spielt kurz nach dem zweiten Weltkrieg und Verrat, Gewalt, Inzest, Mord sowie allerlei andere seelische und körperliche Grausamkeiten bestimmen den Alltag in einer Gemeinde, die von Xenophobie (Wer fremd ist, bleibt fremd...) und Aberglaube zerfressen ist.
Trotzdem hält man in Hemmersmoor zusammen und kehrt das Geschehene immer wieder unter den Teppich. Wer soll auch aufbegehren? Schließlich hat jeder seine eigenen Leichen im Keller. Und da ist da noch etwas anderes, abgelegen hinter der alten Brümmers Fabrik...

Mehr über die Story zu verraten, wäre ein Frevel, denn auf knapp 200 Seiten gibt es ordentlich viel zu ergründen. Das macht Kiesbye gut: Stück für Stück erarbeitet man sich die Beziehung der im Prolog eingeführten Personen untereinander und zu ihren Familien. Dabei weiß man oft nicht, was der Wahrheit entspricht und was der kindlich-naiven Wahrnehmung der Erzähler geschuldet ist. Streifen die Geister, die die kleinen Kinder erblicken, wirklich durch Hemmersmoor? Oder gibt es dafür eine weltliche Erklärung? Der Teufel, Hexen, Irrlichter und Flüche - real oder der Erklärungsversuch eines abergläubischen Geistes der es nicht besser weiß? Das alles spielt keine Rolle, denn im Mittelpunkt stehen die nur all zu realen Handlungen der Menschen.
Fest steht: Die Geschehnisse in Hemmersmoor, obgleich (oder vielleicht gerade deshalb) beunruhigend gleichgültig vorgetragen, können einem den Atem rauben und das ganz ohne feine Darstellungen oder obszöne Umschreibungen. Zartbesaitete Leser könnten daran sicherlich Anstoß erregen. Für den "durchschnittlichen" Leser ist Hemmersmoor aber sowieso nichts: Es gibt keine Detektivarbeit zur Suche des Mörders, es gibt keinen Spannungsbogen, keinen wirklichen Klimax, es gibt nicht einmal einen Protagonisten, der eine Idendifikation erlauben würde. Es gibt nur das Grauen, mal nur angedeutet, mal sehr direkt. Viel überlässt Kiesbye dem Leser und dessen Phantasie - die ja sinnigerweise irgendwo der Meister aller Grausamkeit ist.

Dabei braucht "Hemmersmoor" keinen übernatürlichen Bösewicht, keinen maskierten Buhmann oder andere typische "Erschrecker" - das beschriebene "Grauen" findet Kiesbye mitten zwischen ganz normalen Menschen. Wenn man so will ist Hemmersmoor (dunkle) Phantasie aber nicht Fantasy, Fiktion aber keine "fiction", nicht übernatürlich, aber sicher auch nicht natürlich. Sicherlich mutet das Beschriebene irgendwo unwirklich, übertrieben und "erfunden" an. Aber - und das deutet das Ende des Buches in einer für mich persönlich überwältigenden Moral an - ist das alles tatsächlich unmöglich?

Unter dem Strich haben wir hier kein gewöhnliches Buch, sondern harten Tobak. Das Buch wird einen auch dann noch verfolgen, wenn man die letzte Seite schon lange durch hat. Wir haben keinen gewönlichen Erzählstil, keine Belletristik in den üblichen Mustern. Deswegen werden Leser, die einen fertigen Horrorroman oder einen "Who did it?"-Krimi erwarten, vermutlich eher enttäuscht sein. Leider ist das Buch mit etwa 200 Seiten auch recht kurz gehalten.
Positiv steht für mich allerdings zu Buche, dass das Werk vermutlich auch erfahrene Leser emotional berühren kann, dass es ein interessantes Setting hat (für den deutschen Leser) und eine Moral aufweist, die man so nicht wirklich kommen sieht - und einen schlucken lässt. Jedenfalls ging es mir so.

Warum also "nur" 4/5 Sterne? Am Ende sind lose aneinander gereite Episoden mit schauerlichen Geschichten dann doch kein Meisterwerk - dafür fehlt in meinen Augen einfach der Feinschliff. Etwas, dass den Leser mehr an sich bindet und in die Welt von Hemmersmoor entführt. Dennoch: "Hemmersmoor" ist ein sehr gutes Buch, dem man mit robusten Nerven und einem Faible für den "Horror der Realität" durchaus mal eine Chance geben kann und sollte.

Am Ende noch ein Tipp: Obwohl es im Allgemeinen nie gut ist, vorab zu viel über die Geschichte eines Buches zu wissen, würde ich empfehlen, hier besonders darauf zu achten, nicht zu viele Einzelheiten vorab zu erfahren. Denn wenn man sich auf diese Dinge einstellt und sie erwartet, dann dämpft das den Wirkung am Ende doch leider etwas ab.
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Das Böse lebt 21. März 2011
Format:Gebundene Ausgabe
Der fahrende Schausteller Rico, der im Dorf Station macht und hinter dem sehr viel mehr steckt, als man vermutet, (zu sehen wenn er seinen Schuh auszieht), bringt es auf den Punkt. Sein Schaustellerzelt trägt die Überschrift 'Ricos Reise durch die Hölle'. Ein Motto, das einem jungen Mädchen nicht gut bekommen wird.

Ansonsten aber braucht das Dorf den düsteren Mann nicht, um eine Schnittstelle zur Welt des abgrundtief Bösen darzustellen. Das Böse, dass hier nicht mit Pauken und Trompeten daherkommt oder sich im Dunklen hinter knarrenden Schranktüren versteckt, sondern dass so natürlich, so nebenbei in den Bewohnern des Dorfes vorhanden ist. Keine innere Grenze scheint selbst den Nachwuchs des Dorfes darin aufzuhalten, jedes auch mythisch-magische Mittel in Anspruch zu nehmen, um die eigenen Ziele zu verfolgen.

Sei es spontan, wie im Spiel der Jungen auf dem zugefrorenen Tümpel, aus dem bald unglaublich lapidar geschildert Ernst wird, sei es bei einem ebenso spontanen Ausbruch im Rahmen einer solch harmlosen Begebenheit wie einem kleinen Wettkochen, sei es in der heiligen Nacht, geplant und vorbereitet gegenüber dem eigenen Vater.

Das Buch beginnt bereits mit einem Blick auf das innerlich grenzenlose Verhalten. Glaubt man für einen Augenblick dass sich in der Gegenwart einige alte Kinderfreunde als gereifte Menschen zur Trauerfeier für eine Bekannte aus dem Dorf versammeln, wird man umgehend eines besseren belehrt, wenn der einzige, weibliche Gast bei der Beerdigung den Rock hebt und auf das Grab uriniert. Wohlgemerkt aber stet dem Autor auch in dieser Szene nicht der Sinn nach ordinären Handlungen, sondern als kleine Momentaufnahme gönnt er dem Leser hier bereits einen ahnenden Blick auf das Innenleben seiner Protagonisten. Ein Blick, der umgehend für Aufmerksamkeit sorgt und neugierig auf den Verlauf der Geschichte macht.

In der Form lässt Stefan Kiesbye nun Kapitel für Kapitel jeweils einen der alten Kinderfreunde in jeweiligen Rückblicken auf ihre damalige Zeit im Dorf zu Wort kommen. Jede der Erinnerungen beginnt eigentlich harmlos, alltäglich, doch schon nach den ersten beiden Erinnerungen weiß man, dass in diesen den ganz harmlosen Anfängen und Begebenheiten sich Wendungen ergeben werden, die zu unerhörten Folgen führen werden. Folgen für den eigenen Vater, die eigene Mutter, die Geschwister, gar für unschuldige Neugeborene durch die Hand der eigenen Mutter.

Kein Tabu kennt Stefan Kiesbye in seiner abgrundtief bösen Geschichte, in seinem Blick auf das Böse, dass hinter allem lauert, ohne dabei jemals einfach ordinär oder blutrünstig zu wirken. Gerade die Beiläufigkeit, die Stringenz der Handelnden, in denen nur selten und nur kurz geringe Zweifel zu spüren sind und die sich nicht abhalten lassen, als wäre es das Natürlichste von der Welt, zu töten, macht den Reiz in Stil und Geschichte aus.

Nicht unbedingt im Sprachstil, wohl aber in dieser konsequenten Komposition des inneren Bösen erinnert Kiesbye durchaus an Stephen King, dessen Credo es war und ist, jede leicht verschämte Decke vom Bösen hinweg zu ziehen und den Leser unverstellt einen Blick darauf werfen zu lassen. Nicht einfacher Aberglaube ist es dabei, der die Handlungen im abgeschiedenen Dorf im Norden Deutschlands motiviert, Kiesbye gönnt dem Leser tatsächlich einen Blick auf das abgrundtief Böse, was im Menschen schlummert, und ausbricht, wenn keine inneren Grenzen gesetzt sind.
Er tut dies in der Form eines klassischen Schauerromans und erschreckt in tiefer Weise durch die völlige Alltäglichkeit und Beiläufigkeit der Handlungen. Vergebens wartet man auf das erlösende Gute in dieser auf den Dorfwelt am Rande des Moores. Ein Ort, an dem die 'Reise zur Hölle' vermutlich endet, weil diese hier zu finden ist. Im Innern des Menschen.
Kommentar
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Capriccios vom Lande, Gespensterreigen aus der tiefen Provinz, aus einem Dorf in der namenlosen Plattgegend bei Bremen. Schwaden überm Moor. Huh! Aber richtig gut. Man kennt ja Kafkas "'Landarzt"'. Er will nur das Normale, also nächtens zu einem Patienten fahren, und schon brandet das Grauen an, so wie es sich immer aufwirft, urplötzlich, unerbittlich und etwas nonkausal. Stimmt ja mit Kant: Das Böse ist vernünftigerweise nicht zu denken. Ein kluger, literaturgeschichtlich schon erprobter Kunstgriff erleichtert dem Autor das Geschäft. Im durchlaufenden Wechsel berichten Heranwachsende aus ihren jeweiligen Perspektiven von den Grausamkeiten, deren Horror vor allem darin besteht, daß sie vom Dorf hingenommen und gewissermaßen so verdaut werden, daß der Fehlwuchs der Ereignisse die Gemeinschaft geradezu verkrüppeln läßt. Abnorm vor allem die Gefühlskälte, die das zuläßt, die jeder aber als Grundmuster menschlichen Handelns kennt, nur eben nicht im hier gezeigtem filmreifen Extrem. Noch das Schrecklichste erscheint glaubwürdig. Wenigstens belletristisch. Es spricht sich in den Dorfmythen ebenso aus wie es sich im verdrängt-vergessenen ehemaligen KZ am Ende der letzten Gleisanlage des Dorfes vergegenständlicht findet. Vom fortdauernden, teilweise surrealistisch und phantastisch anmutenden Alptraum ist die Gegenwart nicht befreit. Dörflicher Frohsinn beliebt nur grinsende Fassade, grelle Schminke über Perversion und Verfluchtheit. Die Gröbsten und Brutalsten machen den Schnitt, die Empfindsamen sind die Opfer. Auch das Cholorit stimmt. Man denke an den freilich eine andere Zeit zeigenden Film "Das weiße Band'". So ähnlich! ES wird berichtet. Letztendlich ist nicht alles ganz klar, aber alles läuft so lose wie stimmig zusammen, der graue Himmel ist von Menetekeln bekritzelt; und weil es schließlich um das Böse an sich geht, stört es einen nicht, wenn es zu keiner echten Auflösung kommt, die es ja ebensowenig im Leben selbst je gibt. Prosa vom Feinsten! Die Feuilletonisten, die gleich wieder beckmesserten: Was soll das? Wo bleibt die letztgültige Schlüssigkeit? Wieder nichts begriffen! Lesen! Unbedingt! Der Mann kann's. Virtuos wird die Ästhetik des Häßlichen beherrscht. Ich las Szenen scheußlichster Brutalität, die davon noch fürchterlicher wurden, daß sie, nun ja, einfühlsam beschrieben sind.
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