Manchmal erdrückend und beängstigend ist dieses Buch, das Charles Mansons satanisches Treiben und das seiner Meuchelmördertruppe bis in die kleinsten Details ausbreitet. Was hier unter der Decke des Grauens ans Tageslicht kommt, ist gruseliger als jede Fiktion.
Man muss manchmal schon hartgesotten sein, um diese Seiten ertragen zu können. Mehr als einmal habe ich das Buch fast aus den Händen gelegt, mir die Augen gerieben, mich gewundert. Es ist schon unglaublich, was Menschen zu tun bereit sind. Die blutrünstigen Taten eines Verrückten und seiner irren Anhänger, die im brutalen Mordrausch immer wieder das Unglaubliche tun? Man fragt sich vor allem zwei Dinge: 1. Wie haben sich diese Taten abgespielt? Und vor allem 2.: Was waren die Motive? Mit viel akribischer Recherchearbeit ist Vincent Burgliosi diesen beiden Fragen bis auf den tiefsten Grund gegangen. Neben der Schilderung der Begebenheiten werden vor allem die Hintergründe sehr detailliert geschildert und die Ermittlungsarbeiten zusammen mit der Gerichtsverhandlung aufgearbeitet. Dabei ist ein über 700-seitiges Werk entstanden, das dem Schrecken der "Manson-Family" und den Entwicklungen der grausamen Ereignisse auf die Finger sieht.
Die Kriminalgeschichte steigt mitten im Geschehen ein. Wie sich Hass, schizophrene Verirrung und Sadismus gegenüber Menschen entladen, die die Gruppe zu bösen Feinden phantasiert hatten, wird Seite um Seite eindrücklich beschrieben. Auf Grundlage von Gerichts- und Polizeiakten, Interviews und viel Recherche wurde hier ein faszinierendes Dokument der Kriminalgeschichte aufgearbeitet. Dabei kommt ein intelligenter aber gruseliger Mann zum Vorschein, der Heimtücke und Gerissenheit in sich vereint, und der schrecklicher nicht sein könnte. Perfiderweise wurde dieser in den Medien sogar als eine Art negativer Jesus bezeichnet. Ein grausamer Anti-Jesus mit seinen Jüngern, die ihm (fast) bedingungslos folgten, auch wenn ein Judas (in diesem Fall sogar zwei, und zwar Frauen) auch hier eine bedeutsame Rolle spielen - Kein Wunder bei all den hier geschilderten Geschichten und Begebenheiten, dass der Name Manson zur Metapher für alles Böse im Menschen geworden ist, dass sich im Horror oder Psychofilm oder im Kriminalbuch vor spannungsgekitzelten Leseraugen entwickelt.
Sehr interessant ist auch das Nachwort. Dort versucht der Autor eine psychologische Analyse der Hintergründe der menschlichen Abgründe. Es ist unheimlich spannend, zu sehen, wie sich der Psychokiller seine Truppe mit Angst, Sex, Drogen und den diversesten Psychotricks gefügig machte, um die Taten zu begehen, die hier geschildert und zusammen mit den Hintergründen ausgeleuchtet werden.
Bugliosis Buch über Charles Manson und seine Mörderbande: Datailliert aber immer grausig fesselnd und diabolisch packend. Von der ersten bis zur letzten Seite bleibt es unheimlich, sich vorzustellen, dass solche Menschen tatsächlich existier(t)en. Eine "Chronik des Grauens", die ihresgleichen sucht.