Dies ist Jan Fries' ganz großer Wurf zum Thema Runen. Ungewöhnlich ist vor allem der pragmatische und intutitive Ansatz, der seine chaosmagischen Wurzeln nicht verleugnen kann.
Alleine der erste Teil, der sich der Herkunft der Runen widmet, ist lesenswert: endlich mal ein Autor, der zugibt, dass man keine Ahnung hat, woher die Dinger eigentlich kommen. Es werden die gängigsten Theorien erläutert, was dank Fries' lockerem und humorvollen Stil ein echtes Lesevergnügen darstellt.
Bei dem praktischen Teil zur Erarbeitung der Runen hat der Autor vor den Preis den Fleis gesetzt: es gibt keine eindeutigen Definitionen zu den einzelnen Runen, nur die entsprechenden historischen Runenverse sind abgedruckt. Dafür finden sich sehr gute Anleitungen, wie man den Bedeutungen der Runen auf die Schliche kommt. Hier werden sowohl altbekannte Methoden wie die "Runengymnastik" (von Fries gründlich von ideologischem Muff befreit) aber auch ungewöhnliche Ansätze vorgeschlagen.
Hat man sich mal durch das Futhark gearbeitet (einigermaßen wenigstens), finden sich viele Ideen und Anregungen, was man mit den Runen alles anstellen kann. Divination ist nur eine Möglichkeit, die in diesem Buch auch nur begrenzten Raum einnimmt. Andere Methoden wie z.B. die Runensigillen zur magischen Anwendung machen Lust auf die Arbeit mit Runen und zeigen deren oft unterschätzte Möglichkeiten auf.
Dies Buch ist auch aus dem Grund überzeugend, dass es Fries gelingt, die Runen aus dem Dunstkreis rechter politischer Überzeugungen zu befreien: niemand wird dem Autor eine Zugehörigkeit zu diesen Kreisen unterstellen, wobei dies mal nicht durch halbherzige Distanzierungen geschieht, sondern das ganze Buch von Inhalt und Selbstverständnis her nicht in diese Ecke zu drängen ist.