Es haben schon viele klüge Menschen über Helmut Schmidt geschrieben, es sind tausende Worte verfasst worden, über seine Politik, seine Macht, Freunde. Das Buch (nicht das erste über H. Schmidt kaufte ich nach dem Tode seiner Frau Loki). Mein tiefes Beileid, ich kann mir schwer vorstellen, wie es ihm heute geht, dem Menschen, dem Musiker (wunderbar am Klavier), dem Vater, besonders aber dem WITWER.
Aus meiner Sicht ist es für die Leute, die ihn gut kannten (gab es viele?) wenig dazuzufügen. H. Schmidt war nach W. Brandt (und neben B. Kreisky) für uns, die irgendwo zwischen Ost und West lebenden Bürger von Jugoslawien (bitte, nicht Jugoslawen, man spricht über Skandinavien, aber über Schweden, Norvegen, Dänen...) eine Lichtfigur. Wir, die im Norden des Landes gelebt haben, konnten dank ORF und später ARD, ZDF eine andere Seite kennen. Ob es gut war, weiss ich es bis heute nicht. Im 70-Jahren hat mein Vater den Spiegel abonniert, jede zweite Nummer wurde konfisziert, aber man wusste aus anderen Quellen, wie das Leben im Westen ist. Als Slowenin mit jugoslawischen Reisepass konnte ich ohne Probleme die Europa erkunden. Dank meiner Kentniss der Sprache, oder dank des Regimes Tito's? Beides?
Für mich war NIE etwas nur weis oder nur schwarz, so wurde ich erzogen, nachdem mein Grossvater vier Jahre im Dachau "verbracht" hat und nach dem Krieg als "Stalinist" aus der Partei "ausschied", mit viel Glück nur einige Zeit im Haft war, nicht aber auf Goli otok (Das Lager für suspekte Kommunisten, die nicht Tito's Politik sofort verstanden haben).
Insofern war das Buch über Schmidt eine Reise in die Vergangenheit. Seine Worte: "es gab Zeit, da konnten sie aus mich auch Nazi machen." Aber es ist nie passiert, obwohl Helmut Schmidt die ganze Zeit als Soldat tätig war.
Und später, als ich als Studentin nach Schweden gefahren bin (mit dem Zug von Maribor nach Hamburg, weiter nach Kopenhagen und Göteborg), passierte das just in der Zeit die Schleier Entführung. Ich war jung, aber nie war die Reise so beklemmend (Kontrollen, ein Nebel über BRD...),so lang. Nie sahen die DDR Wachtürme so beängstigend. Und gerade als ich nach Schweden gekommen bin, kam die Nachricht über Schleiers Tod. Später dann Mogadishu... Es waren Jahre, die ich jetzt zu verstehen beginne. Helmut Schmidt war/ist ein MUTIGER Mann, ein auserordentlicher Politiker, ein Mensch, dem nicht nur die Deutschen, sondern wir alle vieles zu verdanken haben. Ein Mensch, dem man glauben konnte, er war der Mann der Taten. Ist immer geblieben.
Die Welt konnte er nicht verändern. Stand aber zu seinen Worten. Nach 30 Jahren wurde auch er manches anders machen, aber ich bin mir sicher, ihm und vielen damaligen Politiker verdanken wir unsere Freihet. Was wir damit tun, wie wir unsere Politik in dieser Zeit machen, ist unsere Sache, fest steht für mich, das Hr. Schmidt für manche Länder, die sich befreit haben, ein Wort sagen würde- Schnauze (mit ihnen)!
Stimmt, es kommt kein Ritter auf den weissen Pferd, der uns die richtige Linie zeigt. Mit EU sind wir alle im selben Boot, ein Kapitan wäre in Ordnung, aber den müssen wir selber finden. H. Schmidt und einige Leute aus seiner Zeit haben uns den Weg in die Freiheit gezeigt.
Danke.