Mehr noch als die Biographie eines Menschen stellt dieses Buch zu Helmut Kohl fast eine politische Geschichte Deutschlands der letzten Jahrzehnte dar. Das Buch ist flott geschrieben und liest sich stellenweise wie ein Krimi. Der Autor führt detailgenau durch die Stationen des Kohlschen Lebens, und hält sich trotz seiner grundsätzlich kritischen Einstellung mit eigenen Urteilen weitgehend zurück. Wenn überhaupt, so würde ich hierin eine Schwachstelle des Buches ausmachen: es überwiegt das narrative Ausbreiten der Ereignisse, die kritische Analyse kommt demgegenüber sehr kurz. So macht der Autor es dem Leser nicht sehr leicht bei der Beantwortung der Frage, warum beispielsweise genau dieser Mensch Bundeskanzler wurde und es für so lange Zeit blieb, worauf sich sein Erfolg, seine politische Machtstellung begründete. Auch fällt auf, dass der Autor neben seinem journalistischem Privatarchiv nur einige Memoiren, aber kaum wissenschaftliche Literatur verwertet hat; er ist eben kein Historiker. Sieht man von einzelnen (z.T. amüsanten) Details, die dem Autor von einzelnen Personen aus dem Umfeld Kohls (der selber anscheinend nicht kooperiert hat) persönlich mitgeteilt worden sind, ab, enthält das Buch nicht allzuviel wirklich "heiße" Neuigkeiten aus dem Innern des "Systems Kohl". So scheint etwa auch das allmähliche Zerwürfnis mit Schäuble dem Autor verborgen geblieben zu sein, vom Finanzgebaren der Partei ganz zu schweigen... Nichtsdestoweniger stellt diese Biographie mit Sicherheit eine vorrangige Referenzquelle zum Leben und Wirken des Altkanzlers dar.