Tatsächlich ein Buch, dass dem Genre "Horror" gerecht wird. Diejenigen von Euch, welche die gleichnamige Verfilmung des Romans gesehen haben, fragen sich vielleicht, wie man einen solchen Splattermovie in Schriftform verfassen kann ... Clive Barker hat es geschafft.
Inhalt
Der eher lebenslustige Frank ist nach Jahren der sexuellen Eskapaden auf der Suche nach dem neuen Kick. Nach vielen Recherchen gelangt er an einen Zauberwürfel, der das Tor zu einer anderen Dimension öffnet und den Zenobiten den Weg in seine Welt ebnet. Obwohl den Zenobiten nachgesagt wird, dass sie einem Menschen völlig neue Lust verschaffen können, unterliegt Frank einem fatalen Irrtum. Das was er und die Zenobiten unter "Lust" verstehen, unterscheidet sich erheblich. Die "Theologen des Ordens der klaffenden Wunde" verschleppen Frank in eine Paralleldimension und quälen ihn bis auf die Knochen (im wahrsten Sinne des Wortes).
Doch Frank findet einen Weg in die reale Welt zurück - direkt in das Haus seines Bruders, der dort mit seiner Frau lebt. Die Schwägerin nimmt sich seiner an und versorgt ihn mit Blut, Fleisch und Haut, so dass Frank zumindestens die Aussicht hat, der Höllendimension zu entkommen.
Charaktere
Die Charaktere sind ein wenig oberflächlich beschrieben. In Anbetracht der Tatsache, dass das Buch aber nur 128 Seiten hat und somit eher als Kurzroman einzustufen ist, erscheint dies verzeihlich, zumal trotz der vagen Beschreibung ein recht genaues Bild von primären Charaktereigenschaften und vor allen Dingen den Unterschieden der beiden Brüder herausgearbeitet wird.
Stil / Sprache
Achtung, Pathos! Insbesondere das erste Kapitel ist Pathos pur! Clive Barkers Stil (zumindestens in diesem Roman) ist schwer verständlich, wobei ich davon ausgehe, dass er die sprachlichen Konstrukte mit Absicht so gewählt hat. Wenn Götter aus einer anderen Dimension auf die Erde kommen, dann darf man wohl ruhig mal ein wenig theatralisch werden, oder?
Aufmachung
Das Buch ist mit 128 Seiten nicht wirklich ein Brecher, dennoch werden sehr viele Einzelheiten beschrieben und Hintergrundinformationen gegeben, die aus dem Film nicht ersichtlich sind. Der Einband ist ein Softcover mit vorne und hinten eingeklappten Infotexten. Sehr angenehm ist, dass der Einband ein wenig über die Seiten hinaus steht, so dass die Seiten beim Transport (Rucksack :-)) nicht so leicht verknicken, wie das bei anderen Softcovern der Fall ist.
Fazit
Wer in dem Film "Hellraiser" nur einen hirnlosen Splattermovie sieht, sollte sich die Lektüre dieses Buches ersparen. All diejenigen, die aber hinter den geschundenen Wesen aus der Paralleldimension einen Sinn erwarten, dürften von dem Buch positiv überrascht sein, denn es werden einige (wenn auch nicht alle) Hintergründe erklärt. So sind die Zenobiten in dem Buch nicht als "wirklich böse" deklariert - vielmehr ist es ihre Natur mit Lust und Schmerz zu experimentieren.
In so fern kann man aus dem Buch auch gewisse Parallelen zum menschlichen Leben ziehen. Menschen führen Kriege, keiner weiß wieso - vermutlich gehört es zu ihrem Wesen - nur: Wir denken nicht mehr darüber nach. Ebenso handeln die Zenobiten: Sie verstümmeln und quälen ihre "Opfer", ohne sich dabei etwas Böses zu denken ...
Übrigens: der legendäre Pinhead (aus dem Film) taucht in dem Buch vermutlich nicht auf, obwohl er auf dem Frontcover abgebildet ist. Die Zenobiten erwähnen aber immer wieder einen Ingenieur auf ihrer Seite - der vermutlich Pinhead ist. Tatsächlich wird auch ein Zenobit beschrieben, der die Nadelmarkierungen auf dem Kopf trägt, allerdings ist die Beschreibung so flüchtig, dass man Pinhead darin nicht wirklich erkennen kann.