Damit das gleich klar ist: Ich bin kein Teenager und kein bekennender Fan von Miranda Cosgrove. Aber ich glaube daran, dass jede Generation ihre eigenen Heldinnen und Helden haben muss, Erwachsene sich über die Auswahl meist ärgern und gute Stories an bekannte Geschichten andocken. Also interessieren mich auch die Idole der heutigen Teenager und ihre Lieblingsgeschichten. Und Kulturpessimisten erinnere ich gerne daran, dass sie ja auch nicht von Piloten, Feuerwehrmännern, Rennfahrern oder Indianern umzingelt sind, nur weil sie damals solchen Heldenfiguren nacheiferten. Daher ist auch nicht damit zu rechnen, dass jeder Cosgrove-Fan nichts anderes als Schauspielerin, Model oder Sängerin werden will. Oder sein Bündel packt und direkt aus der Schule nach Los Angeles düst. Bücher wie dieses machen Sinn und bringen niemanden auf Irrwege. Im Gegenteil. Sie können bewirken, dass man seine Träume trotz eifriger Sozialisierungsbemühungen nicht vergisst. Zudem scheint Miranda Cosgrove ja kein abgehobenes Ungeheuer zu sein, das Männer verschlingt und die Welt verschlechtert. Und da die wenigsten ihrer Fans sie persönlich kennen, zählt letztlich das Bild, welches ihnen von Büchern wie diesem vermittelt wird.
So bodenständig wie das Mädchen von nebenan sei sie, heißt es gleich im ersten Satz der Einleitung. Wobei man ihr Starqualitäten nicht absprechen könne. Sie hat Angst vor Spinnen, möchte später mal Meeresbiologin werden und mag Cupcakes. Das alles wäre nicht weiter erwähnenswert, wenn das am 14. Mai 1993 geborene Mädchen weiterhin nur in einigen Werbespots aufgetreten wäre. Aber der Produzent und Erfinder zahlreicher erfolgreicher Kindersendungen, Dan Schneider, hatte die geniale Idee, mit "iCarly" eine neue Art von Fernseh-Serie zu schaffen. Und in dieser Erfolgsproduktion spielt Miranda Cosgrove die Titelheldin Carly Shay, die mit ihren Freundinnen zusammen eine Werbeshow produziert. Obwohl ich mir nur wenige Folgen angeschaut habe, muss ich neidlos erkennen, dass Dan Schneider ein untrügliches Sensorium hat, wie er den Nerv der Zeit und der iPod-Generation trifft.
Im Buch wird selbstverständlich auch Dan Schneider vorgestellt. Doch der meiste Raum gehört der Titelheldin und ihren Mitschauspielern. Die Fans erfahren deren Werdegänge, ihre Vorlieben und Hassobjekte, ihre Wünsche und kleinen Ängste. Und selbstverständlich wird nicht mit Bildern ihrer Idole gegeizt. Über Miranda Cosgrove können die Leser das Leben am Set kennenlernen und einen Blick hinter die Kulissen erhaschen. Eigene Kapitel sind "iCarly im Internet" und der Musik von Miranda gewidmet. Zudem gibt es auf gut vierzig Seiten einen Episodenguide.
Mein Fazit: Für Fans von Miranda Cosgrove und der Serie "iCarly" wird dieses Buch bestimmt viele Informationen bereithalten, die sie bisher vermissten. Und vor allem finden sich auf den 144 Seiten so viele Bilder, dass sie einige Vorstellungen ihrer Idole vielleicht sogar korrigieren. Kurz: Ein Fanbuch, wie ich es mir in meinen Teenagerjahren von meinen Helden auch gewünscht hätte.