Ich habe mich, wie einer der vorigen Rezensenten, ein wenig von dem Waschzettel und den veröffentlichten Rezensionen täuschen lassen. Erwartungsvoll war ich gestartet in die Geschichte und hoffte etwas mehr über das Leben im New York der Vergangenheit und Gegenwart sowie eine Vision für die Zukunft dieser Stadt zu lesen.
Darum war ich zunächst etwas enttäuscht, dass New York in diesem Roman nur die Projektionsfläche für nachdenkliche und tragische Momente im Leben der von von der Gesellschaft nicht voll integrierten Menschen zu lesen. Dies legt sich jedoch mit dem zweiten Kapitel, vielleicht weil die Gegenwart einfach greifbarer ist als die Vergangenheit. Und weil gerade das erste Kapitel nicht nur tragisch sondern zu Tränen rührend ist, wenn ein kleiner, missgebildeter Junge die Verantwortung für seine Familie übernimmt und sich sogar selbst opfern will, um die Geliebte seines verstorbenen Bruders vor sich selbst zu schützen. Die Gegenwart schließlich spielt in einem New York nach 9/11. Alle Menschen der Stadt sind verunsichert und wieder sind es die ausgestoßenen der Gesellschaft, die versuchen durch Selbstopferung auf sich aufmerksam zu machen. Und dieses Grundthema zieht sich fort in die Zukunft der Stadt, die nurmehr ein Freizeitpark ist, in dem die Übersiedler anderer Planeten und menschenartige Maschinen einerseits die Dreckarbeit machen müssen, sich aber andererseits wieder zu opfern bereit sind für eine bessere Zukunft.
Dieses Buch ist wahrlich keine Abendlektüre kurz vor dem Einschlafen oder für einen Tag im Strandband, fordert sie doch volle Aufmerksamkeit und Konzentration und sogar die Muße, über das Gelesene nachzudenken. Wer sich aber diese Zeit nimmt, wird gute Lieteratur finden.