Hellboy lebt von den Zeichnungen. Mignolas einzigartiger Zeichenstil hat den Comic zu dem gemacht, was er heute ist - inklusive Hollywood-Ehren. Nun gibt der Meister die Zeichenarbeit an einen Kollegen ab, was hat das für Auswirkungen? Zunächst zum Positiven: Duncan Fedrego leistet hier schon sehr gute Arbeit, Mignola nachzuahmen; manche Seiten sind schon perfekte Kopien seines Zeichenstils. Viele holzschnittartige Szenen, kleine eingestreute Füllbilder, im Dunkel glühende Augen, viel Schwarz, all das lässt den verwöhnten Hellboy-Leser aufatmen. Er muss sich nicht groß umgewöhnen, insbesondere, da das Skript ja immer noch von Mignola selbst stammt.
Das Negative folgt aber stante pede: Irgendwie finde ich das künstlerisch unbefriedigend, wenn man einen Zeichner dazu verpflichtet, einen anderen möglichst detailgetreu nachzuäffen. Die Zeichenstile der beiden sind so ähnlich, dass man schon kaum mehr von Inspiration reden kann. Doch das ist mehr mein persönliches Empfinden; auf technischer Ebene sind die Zeichnungen perfekt, auch wenn stellenweise viel zu detailliert. Mignola zog seinen Reiz hauptsächlich aus dem, was man nicht sah; Fedrego muss das noch lernen, und manche Seiten sind viel zu überfrachtet, um noch wirklich die düstere Stimmung zu tragen.
Auf der Präsentationsseite gibt es leider auch zu meckern - die Qualität ist, wie auch schon beim Vorgängerband, leider nicht mehr das, was die ersten Sammelbände auszeichnete. Das Papier ist viel dünner, der Einband labberiger. Schade, insbesondere, da der Preis dagegen etwas angezogen hat. Ein Sketchbook und ein paar Kommentare gleichen das aber zusätzlich zur höheren Seitenzahl wieder einigermaßen aus.
Insgesamt - für Hellboy-Fans ein Pflichtkauf, auch wenn meiner Meinung nach Hellboy in den kürzeren Geschichten besser funktioniert. Für Mignola-Zeichnungsfans ist das eine nette Variante, aber kommt letztlich doch nicht an den Meister heran.