Es gibt viele lustige Dialoge in Hellboy. Meistens leben sie davon, dass Hellboy selbst ein wunderbar unangepasster Charakter ist, der den angepassten Beamten in seiner Umgebung gerne mal den Marsch bläst. Aber kann das wirklich den Erfolg des Filmes erklären? Warum sind eigentlich Comics und die auf ihnen basierenden Filme in den letzten Jahren so erfolgreich? Weil sie von unbezwingbaren, mit magischen Kräften ausgestatteten Superhelden erzählen? Die stärker, größer, schneller und klüger sind als wir alle? Die Dinge tun können, die wir als normale Menschen niemals machen können? Die immer wieder die Welt vor Gefahren retten, ohne dabei auf das eigene Leben, den eigenen Ruhm, die eigenen Gefühle zu achten? Würden wir das wirklich lesen oder sehen wollen? Immer nur wieder dieselbe Geschichte von der finalen Unbesiegbarkeit?
Tatsächlich sind die meisten großen Helden der Comics im wahren Leben eher schwache Menschen. Batman ist eine Waise, deren Eltern von Verbrechern getötet wurden. Mit Gewalt lebt er die entstandenen Neurosen aus. Supermann ist als Clark Kent ein unsicherer Provinzler, der unglaublich viele Anläufe braucht, sich seiner Louis zu offenbaren. Und auch Spiderman hat so seine Probleme mit der seinen Gefühlen seiner liebsten Gegenüber. Weder sein Beziehungsleben, noch seine Leistungen als Student lassen sich wirklich mit seiner moralischen Verpflichtung vereinbaren, New Yorks Straßen sicherer zu machen. Und immer wieder sehen wir unsere starken Helden schwach in der Wirklichkeit leiden.
So sind die stärksten Szenen in Hellboy nicht die computeranimierten Kämpfe des Teufelskindes gegen die letzten Abkömmlinge okkulter Nazis und deren merkwürdigen Schöpfungen. Die vielleicht stärkste Szene zeigt das riesige, rote Muskelpaket hilflos auf einem Dach. Dort versteckt sieht er sich das Date seiner Geliebten mit einem anderen an. Was der andere ihm voraus hat, ist nicht Kraft oder Heldentum oder Furchtlosigkeit, sondern nur Normalität. So muss sich Hellboy anhören, wie ihm ein ungefähr neunjähriger Junge Tipps für das Beziehungsleben gibt. Und als Hellboy schließlich doch noch in das Date eingreift, tut er das auch nicht anders, als ein kleiner Junge es getan hätte.
Überhaupt kämpfen hier die Helden vor allem gegen die Probleme ihres Andersseins. Hellboy feilt sich die Hörner mit dem Schleifgerät. In der unterirdischen, geheimen Festung genießt er riesige Mengen von Fastfood und spielt mit Katzen. Und seiner Geliebten gegenüber entschuldigt er sein merkwürdiges Aussehen. Und so kämpft er, so kämpfen aber auch seine Mitstreiter um ein kleines Stückchen Normalität, das sie zu normalen Menschen macht. Das schöne an dem Film ist aber, dass es am Ende gerade das Andersartige ist, was die Helden zusammenführt und den vielleicht wichtigsten Konflikt in diesem Film löst. Feuer passt eben doch zu Hölle. Und daher haben die Freaks am Ende eben doch nur sich selbst (Zitat sinngemäß aus dem Film).
Was sehen wir noch, aus der schönen Botschaft, dass das Aussehen nicht alles ist? Ja, die Bösen müssen natürlich daran glauben, aber nicht bevor es auch Opfer auf der Seite der Guten gegeben hat. Die Bösen sind hier allerdings wirklich böse, ohne dass irgendwelche ablenkenden Fragen zu deren Motivation der Geschichte gestellt oder beantwortet werden würden. Die Story scheint mir im Wesentlichen aus den Geschichten von Lovecraft übernommen worden zu sein. Die Monster sehen so aus, wie in dessen Büchern beschrieben. Und auch die Mythologie mit dem Schlüssel und den Toren zu einer anderen Welt scheint den Werken von Lovecraft zu entstammen. Eigentlich überraschend, dass dies nicht schon früher in Filmen auftauchte.
Trotz der vielen, starken, weil sehr menschlichen Szenen muss man sicher auch einige handwerkliche Schwächen des Films vermerken. So gibt es einige Anschlussfehler. So dürfen beim Überqueren einer Brücke gleich zwei Personen mit einigem Abstand nacheinander eine sich gerade schließende Tür nur knapp als letzter passieren. Und mit der Zahl der am Anfang im Museum getöteten Wachmänner scheint es mir auch ein Problem zu geben. Die Behauptung, dass Hellboys Existenz sich in der Öffentlichkeit irgendwie geheim halten ließe, nimmt man dem Film nach den ersten Eskapaden einfach nicht mehr ab. Und warum ist den bösen Deutschen eigentlich praktisch jeder Dialog gestrichen worden? Denn eigentlich hatte ich den Beginn so verstanden, dass die Deutschen die Auftraggeber Rasputins sind. Nach dem Krieg ist dann er plötzlich der dominierende in der Runde, während der optisch herausragend gestaltete Kroenen plötzlich nur noch Handlangerstatus hat. Die böse, blonde Deutsche scheint mit ebenfalls zu wenig Funktion zu haben. Aber wie schon gesagt, der Kampf mit den Bösen steht ja nicht wirklich im Zentrum des Films.
Ein Film, der einen zweiten Teil verdient hat.