Laut Meinecke geht es in seinem neuen Titel um die Vernetzung Europas, Amerikas und Afrikas durch den Atlantik. Und es geht um rassische Identitaet, vor allem um Afrikaner, Juden und Europaer. Da gibt es allerhand interssante Geschichten: von deutschen U-Booten vor der amerikanischen Ostkueste, um juedische Bluesmusiker, um schwarzen und weissen Techno, Geschichten von Immigration und "displacement", Kosmetikartikel. Allerhand mehr oder weniger interssante Geschichten und Theorien laesst er seine drei Hauptpersonen via fax, email oder Post tauschen, ihren Geliebten erzaehlen oder auf Plattenhuellen entziffern. Was diese Leute erleben ist auch ganz amuesant, scheint aber doch im Hintergrund des Romans zu stehen. Habe ich Roman gesagt? "Hellblau" liesst sich eher wie ein Magazin angefuellt mit apokryphen "cultural theory" Essays. Manchmal fand ich mich als Leser zurueckgelassen war es mir doch leider unmoeglich zB bestimmte Technolabels wiederzuerkennen, freute mich dann umso mehr andere Bezugspunkte einordnen zu koennen. Aber das macht nichts. Man koennte das Buch auch genauso kreuz und quer lesen wie Meinecke wahrscheinlich seine Recherche durchfuehrte. Das Narrativ, das dem Buch den Rahmen gibt ist athmospaherisch dicht, die Figuren sind liebenswert aber halt bloss die Mittel zum Zweck: Lautsprecher aus denen eine unglaubliche Geschichte nach der anderen sprudelt. Manchmal dachte ich, das Buch sei fuer Spezialisten geschrieben, doch dafuer ist Meineckes Themenwahl dann doch zu eklektisch, unter umstaenden scheint sie sogar etwas willkuerlich. Trotzdem, die guten Seiten ueberwiegen finde ich: eine Kulturgeschichte als Roman verkleidet und durchaus verdaulich wenn man es nicht zu ernst nimmt...