Seit gestern gehört sie nun mir - die neue erste von Kim Frank - HELLBLAU.
Zugegeben - es ist ein Wagnis, schon nach einem Tag eine Rezension zu schreiben, die fundiert ist...
Alle 12 bzw. 14 (auf dem lt. Digipack) sind solide gemachte Songs, die sich beim ersten Hören nicht ganz entfalten, sondern eher wie guter Wein reifen müssen - und das beim Hören. Eines kann ich vorweg nehmen - es gibt keine Überraschungen auf diesem Album. Kein Bramborium, kein Feuerwerk oder Ähnliches. Dafür bekommt man eben einfach gute Musik, ohne Schnörkel. Eigentlich das ganze Gegenteil von dem Kim Frank, der alles "fett und arrogant" möchte.
Auf HELLBLAU bleibt er dann aber doch ganz anständig und besinnt sich auf handgemachte Musik. Und so zieht sich auch der Stil wie ein Faden durch's Album.
1. LARA
Bekannte Single-Auskopplung - lädt zum Mitsingen ein, geht ins Ohr, klingt gut. 10/10
2. ZWEI SOMMER
Die angekündigte zweite Single. Trifft, ist stimmig. Hat ebenfalls Hit-Charakter. 10/10
3. BERLIN
Nette Liebes-Herzschmerz-Ballade von einem Mädchen, welches nach Berlin zieht und dort allein und ohne Freunde für ihren Traum kämpft. Jedoch verlässt sie dafür den Protagonisten des Songs. Stellenweise gefallen mir die naiv-teenager-angehauchten Satzfragmente nicht. 6/10
4. HELLBLAU
Midtempo-Stück mit eingängigen Gitarrenklängen im Intro und atmosphärischen Anleihen, Richtung Coldplay. Geht ins Ohr. Wieder eines von den Stücken, die man nach mehrerem Hören immer mehr für sich entdeckt. 8,5/10
5. FÜR SCHLECHTE ZEITEN
Ein Song für die, die den Kopf hängen lassen, irgendwo stehen geblieben sind. Ein gefälliger Song, der weniger ins Ohr geht, aber für sich selbst im Albumverlauf steht. 5/10
6. WENN ICH DU WÄR
Gute Ansätze, die aber gerade im Refrain nicht das halten, was sie versprechen. Find ich weniger gut. 4/10
7. ZEITLOS SCHÖN
Eine Ode an die Schönheit einer ehemaligen Flamme und gelichzeitig an ihre emotionale Kälte. Gute Idee, aber leider nichts melodiöses, was einen vom Hocker reißt. 4/10
8. ÜBER NACHT
Ein Song der härteren Art - mit verzerrten E-Gitarren. Über Nacht ist aber auch genauso schnell wieder vergessen wie er gekommen ist - über Nacht. 3/10
9. ETWAS GROSSES
Coldplay lässt grüßen. Eingängiges Intro. Nach den voran gegangenen Titeln wieder ein kleiner Lichtblick. Jedoch fehlt hier der wahre Aha-Effekt. 6/10
10. LIEBE
Erinnert am Anfang sehr an George Harrison oder John Lennon. Wäre ein kurzes Echo im Schlagzeug wäre die Illusion perfekt. Der Song erinnert auch sehr an Sachen von der Band "Selig" (zumindest ansatzweise). Überzeugt mich jedoch leider nicht. 5/10
11. KALT UND LEER
Sehr ruhige Nummer, die wie auch alle anderen Nummern die Liebe und den damit verbundenen Schmerz besingt. Ist eher atmosphärisch-psychedelisches Stück, welches keine neuen Brücken baut und Mauern einreißt. War aber vielleicht gar nicht beabsichtigt. 4/10
12. ABSPANN
Nun ja, ein weiteres dieser Art. Schöner Refrain, schön gesungen. Nettes Lied. Und ein wahrhaftig schönes Outro, äh Abspann. Schon dafür allein 7/10
13. SEPTEMBER
ENDLICH!!! Ein Song, der etwas schnelleren Gangart. Kein Song, der wirklich hängenbleibt. 5/10
14. ALT UND REICH
Ja, ein Song, der wirklich aus der Reihe springt. Ein Titel über einen alten reichen Mann, der zwar alles hat aber dennoch allein ist.
Hat was! 7/10
Alles in allem ein, wie schon gesagt, solides Album. Anerkennung verdient hier wirklich Kim Frank für seinen intensiven, überzeugenden und schönen Gesang. Melodisch hinkt es an so manchen Stellen. Dennoch dürfte es für alle Freunde handgemachter Musik ein guter Begleiter sein.
Insgesamt 4 Sterne, da ich bei der Bewertung nicht nur die Stücke selbst vor Augen oder Ohren gehabt hab, sondern auch die Intention des Interpreten und das ist eine gute, weil sie ehrlich ist.