Wer 1977 zu Two Out Of Three Ain't Bad oder You Took The Words Right Out Of My Mouth mit seiner Angebeteten einen Blues (ja, so hieß das damals) tanzen durfte, hat vielleicht längst die Tanzpartnerin vergessen, nicht aber Meat Loafs Mammutwerk Bat Out Of Hell, denn das gab noch weit mehr her als die genannten zwei Schmusenummern.
Die einst Angebetete ist wohl in den meisten Fällen längst aus unserem Leben verschwunden, aber Meat Loaf - so man sich damals mit seiner Musik infiziert hatte - begleitet uns noch immer.
Erst 2010 überraschte der einstige Fleischkloss mit einem überraschend guten Album, das ganz ohne seinen einstigen, kongenialen Kreativpartner Jim Steinman entstanden war und nun - wir schreiben gerade noch 2011 - gibt es in Form von Hell In A Handbasket bereits einen 52 minütigen Nachschlag.
Hell In A Handbasket sollte man, wenn man zwingend vergleichen will, allenfalls Teddybear Out Of Hell gegenüberstellen. Und da schneidet Handbasket zwar etwas, aber nicht gar so viel schlechter ab.
Klassische Meat Loaf Fans sollten sich beim Midtempo-Opener All Of Me bereits zuhause fühlen. Eine wunderbare, Meat Loaf like Pianolinie, schön trockene E-Gitarren und Drums und ein schön ins Ohr gehender Refrain erfordern kein großes Umdenken oder -hören. Fall From Grace besticht durch zackig abgehackte E-Gitarren, tolle Backgroundstimmen und druckvolle Drums - passt alles und klingt eindeutig nach Meat Loaf. Wird's ab hier schlechter? B-Ware?
Keineswegs. Das anfangs etwas dünnbrüstige The Giving Tree legt im Laufe seiner knapp fünf Minuten ordentlich zu und wartet obendrein mit einem sehr gelungen Refrain auf, den Meat und die Backgroundsängerinnen super bestreiten.
Party Of One, Live Or Die ( sehr verschachtelt, interessant und mit exzellenten Dobrogitarren und Westerngeigen - Abschnitten) und Sand In the Storm sind ordentlich rockig und erdig, mal up- mal midtempo, durchaus theatralisch ( wenn auch nicht Bat like) und keinesfalls uninteressant oder flach. Die Rapeinlagen wären wohl nicht zwingend notwendig gewesen, aber wir haben halt nicht mehr 1977.
Das rockig, schwere 40 Days ist wieder eher klassischer Meat Loaf. Allerdings auch hier eher an Teddy Bear angelehnt, als an frühere Werke. Aber auch hier wieder fantastische Background- / Chorstimmen, ein ordentlicher Schuss Theatralik, klasse Instrumentierung und ein klasse Refrain.
Auf der Balladenseite gibt es auch nach 34 Jahren keine neue Hot Summer Night. Dafür aber ein schmachtendes, keineswegs flaches und handwerklich solides Another Day mit einem Refrain, der uns zwar nicht wie Anno 1977 umhat, aber dennoch das Zeug zum Spitzentitel in Meat Loafs Portfolio hat. Das Patti Russo Duett Our Love And Our Souls klingt anfänglich etwas zu modern, vielleicht sogar zu flach, kriegt aber über die ganze Songlänge Tiefe und Gewicht.
Bleibt noch Meats Interpretation des The Mamas and the Papas Klassikers California Dreamin'. Nicht wirklich schlecht, aber rhythmisch deutlich zu modisch und ein wenig zu kraftlos inszeniert. Hier wäre mehr drin gewesen, denn im Ansatz ist der Track gelungen und auch Meats Stimme passt gut zum kalifornischen Traum.
Dafür versöhnt aber der fantastische, leider viel zu kurze, Schlusstrack Bue Sky. Was für ein Song. Eingeleitet mit feiner Akustikgitarre und mit leiser (Hammond ?) -Orgel unterlegt singt sich Meat langsam in ein lautes, hymnisch-pathetisches Finale. Ich für meinen Teil bin nicht enttäuscht. 34 Jahre nach der Hot Summer Night und der verschwundenen Angebeteten und nur ein Jahr nach Teddy Bear bleibt Meat Loaf eindeutig Meat Loaf. Hell In A Handbasket ist kein Bat Out Of Hell, sondern ein Add On zu Teddy Bear und als solches fast rundum gelungen.