Nach dem 2006er Re-Mastered dreier Pack mit den Alben Copperfield, Hair und Hispanola folgen nun aus dem Hause Vertigo/Universal die beiden Meilensteine und Klassiker HELIOS und BOAPHENIA von Phillip Boa & The Voodooclub. Die Kultalben präsentieren sich in einem neuem Soundgewand, die Musik klingt unangepasst und unberechenbar. Beide Alben enthalten etliche großartige Indiepopsongs, die immer noch prächtig funktionieren und absolut zeitlos und erstaunlich frisch klingen. Die Produktionen zeigen, wie viel Kraft in dieser Musik steckt, wie viel verrückte Inspiration. Die Musik geht erst ins Ohr, befällt von dort das Gehirn und zieht sich bis in die Zehen. Immer wieder herrlich-eigenwillig aber unverkennbar The Voodooclub. Die Fähigkeit eines Phillip Boa, schräge Rockklänge mit melodiöser Pop-Attitüde zu vereinen, bleibt unter deutschen Rockmusikern weiter die Ausnahme. Das Remastering erfolgte durch den damaligen Engineer Eroc (Grobschnitt) der bereits bei der Originalproduktion mit von der Partie war. Helios (1991) wurde produziert von Craig Leon (Talking Heads) und Boaphenia (1993) von Tony Visconti (David Bowie) und lässt keinerlei Wünsche offen. Beide Alben kommen jetzt im schicken Hochformat Digipak daher und erinnern mehr an ein Buch als an eine schnöde CD Verpackung. Wie schrieb die Süddeutsche neulich so treffend: nach fast zwanzig Jahren Reife klingen die Alben immer noch verblüffend zeitgemäß und auch dem Urteil von laut.de kann man sich nur anschließen: der einzige deutsche Alternative-King, bis zum Rand gefüllt mit Credibility wie hierzulande höchstens noch Kraftwerk oder die Neubauten! Rundum beides Alben, die auch der jungen Indie-Generation sehr nahezulegen sind - es gibt viel zu entdecken, insbesondere die liebevoll gestaltete Aufmachung, die zahlreichen Bonustracks und der tolle, moderne zeitlose Klang der Alben überzeugt, dazu noch gespickt mit leckeren Zugabenn, eine perfekte Erfrischungskur für zwei zeitlose Alben.
Passend zum Reissue werden im März/April 2011 Phillip Boa und sein Voodooclub ihre Meisterwerke Helios und Boaphenia live auf der Bühne präsentieren, jeweils nur Songs aus den beiden Alben werden in ausgewählten deutschen Städten präsentiert. Kranke Musik für ein krankes Volk? Oder ein großer Schritt für die deutsche Rockmusik? Auf jeden Fall selbstverliebt und beseelt von gesundem Größenwahn. So klangen schon seinerzeit die Kritiken zu den Alben Helios und Boaphenia. Das Album Helios erschien 1991 und reflektiert die explosiv-eigenartige Mixtur aus großen Popmelodien und absoluter musikalischer Eigenwilligkeit. Es klingt wie ein bizarr-schöner Soundtrack, angeführt von der großartigen Single And Then She Kissed Her - einem sehnsüchtigen Song über Heimweh, der in seiner Beliebtheit Boas bekanntesten Single Hit Container Love mittlerweile längst überholt hat. 1993 war Boaphenia das erste Boa-Album nach dem Umzug auf die Insel Malta, wo der Künstler auch heute noch zeitweise lebt. Der starke mediterrane Einfluss ist dem Album deutlich anzumerken. Es kommt leichter daher als die Alben zuvor und spiegelt den Einfluss des David Bowie-Produzenten Tony Visconti wieder, der beispielsweise auf Boas erfolgreichster Single Love On Sale außer den Drums fast alle Instrumente eingespielt hat. Auch Viscontis Backgroundgesang ist nicht zu überhören und prägt dieses Album. Songs wie Johnny The Liar (über einen genialen maltesischen Lügner, den es wirklich gab) oder Hyperactive Cracker drücken (wenn auch selbstironisch) Boas gefühlte Freiheit und sein "High" zu dieser Zeit aus. Neben den sorgfältig remasterten originalen Albumtracks enthalten die Wiederveröffentlichungen B-Seiten und Bonustracks sowie unveröffentlichte Songs, welche als Demos in den Archiven gefunden, ergänzt und im Stil der beiden Alben in den Temple Studios Malta neu abgemischt wurden. Die Zeitlosigkeit der beiden Alben Helios und Boaphenia ist verblüffend. Seit ein bis zwei Jahren arbeiten wegweisende Künstler (wieder) mit Sounds und Effekten, die der Voodooclub stilistisch bereits damals benutzte. Die Ideen und der Klang verdeutlichen, wie weit der Voodooclub in dieser Zeit anderen Bands (insbesondere den deutschen) voraus war. Die Veröffentlichung in fast 20 Ländern bescherte der Band ausnehmend positive Kritiken. Die Angewohnheit Boas, seit Ende der 90er Jahre die Massenmedien wie TV oder Radio weitgehend zu boykottieren, neokommerzielle Bandvermarktung zu ignorieren und sein Desinteresse an Lobbyarbeit zugunsten der nationalen Feuilletonpresse limitierte seine Popularität. Allerdings ist in den letzten Jahren seine Relevanz, was sowohl Ideologie als auch seine kulturell-inhaltliche Unbestechlichkeit und künstlerische Arbeit angeht, wieder gestiegen. An Popstars und von Jury Gnaden ernannten Superstars mangelt es uns in Deutschland ja gottseidank nicht ... we salute you, Mr. Boa! 5 von 5