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Massive Attack Audio CD
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Das neue Album von Massive Attack zeigt: Zu Beginn des noch jungen musikalischen Jahrzehnts liegt deren Priorität weniger in Klangtüfteleien als dem Blick auf gesellschaftliche Phänomene. Wie etwa der absurde Zusammenhang zwischen zunehmender Informationsflut und Mischung diverser Kulturen bei abnehmender Bereitschaft zu Austausch und Toleranz. Leicht haben sich die Musiker damit nicht getan und im Vorfeld mindestens ein komplettes Album auf dem Schrottplatz unerfüllter Träume eingestampft, bis sie mit Heligoland endlich das Ende des siebenjährigen Winterschlafs verkünden konnten. Dafür kommt das musikalische Frühlingserwachen jetzt mit aller Macht. Fürchten müssen das neue Album allenfalls die Wohnungsnachbarn, wegen des atemberaubenden Sounds, der dunkel, schwer und erdig daherkommt, wie in “Pray For Rain“, mit einer schillernden Orgel, lässig stolpernden Drums und einem tieffrequenten Bass, mit dem sich bei Bedarf Bunkerwände sprengen ließen. Eine gehörige Portion Schwermut liegt über den hypnotischen Klanglandschaften von Heligoland, atmosphärisches Abbild des Umlands der englische Hafenstadt Bristol, mit ihrem Wetter und Licht, ihrer Architektur und Wesensart der Bewohner, -kurz, eine Stimmung, die auch schon Portishead meisterhaft zu beschwören wusste. Beide Bands können voneinander nicht lassen, wie das aktuelle Personalkarussell zeigt, und das ist gut so. Mit von der Partie sind unter anderem Gitarrist Adrian Utley, auf “Saturday Come Slow“ und John Bagott, dessen Einfluss wohl am deutlichsten auf “Atlas Air“ zu hören ist. Gesanglich bereichert wird Heligoland neben dem Stammduo Del Naja-Marshall, von Dauergast Horace Andy, sowie Damon Albarn, Tunde Adebimp, Guy Garvey, Hope Sandoval und Martina Topley-Bird. Auch in punkto Arrangements präsentiert sich Heligoland vielseitig und klassisch zugleich. Die schnörkellosen und dennoch vertrackten Drum-Lines entfalten energievollen Drive und wecken den Wunsch nach Bewegung auf der Tanzfläche. Zusätzlich zum regulären Drummer Damon Rice agiert hier Jerry Fuchs. Depression hört sich jedenfalls anders an! Aber auch die introvertierten Seiten Massive Attacks überzeugen in Stücken wie “Paradise Circus“, in dem Streicher an die unbestrittenen Soundtrackqualitäten der Band erinnern. Inhaltlich wie musikalisch ist Heligoland von Massive Attack ein ganz großer Wurf. - Andreas Schultz

motor.de

History repeating? Massive Attack arbeiten zwar nicht mehr am Puls der Zeit, haben aber dennoch kein gestriges Album vorgelegt.

Helgoland hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Über Jahrhunderte umkämpft und von verschiedensten Herrschern regiert, kehrte erst mit dem Übergang der Insel von Großbritannien an Deutschland 1890 Ruhe in der Historie des Eilands ein. Vielleicht haben Robert „3D“ Del Naja und Grant „Daddy G“ Marshall die Geschichte Helgolands als Spiegelbild der Geschichte ihrer Band Massive Attack gesehen und deshalb ihr neues Album nach ihr benannt. Auch ihre Historie seit der Gründung 1988 ist wechselvoll: (Mit-)Erfindung des Genres Trip-Hop und kreative Hochzeiten Anfang bis Mitte der 90er („Blue Lines“, „Protection“), Ausstieg von Bandmitglied Mushroom, temporärer Ausstieg von Daddy G. Doch ebenso wie um Helgoland ist es auch um Massive Attack in jüngerer Vergangenheit ruhiger geworden. Dies liegt sowohl an einem Abflauen des Trip-Hop-Hypes Ende der 90er wie auch an der langen Pause seit dem letzten Studioalbum – „100th Window“ ist bereits sieben Jahre alt.

Anders als die Insel können Massive Attack den Verlauf ihrer Geschichte jedoch selbst bestimmen. Und da schien dem Bristoler Duo noch etwas zu fehlen, denn sonst hätten sie nicht soviel Zeit und Studiosessions (von denen mehrere ausrangiert wurden) investiert. Es hat sich gelohnt. Wer erwartete, dass nach dem mediokren „100th Window“ die Band sang- und klanglos verschwinden würde, sieht sich durch „Heligoland“ eines Besseren belehrt. Das Besondere an Massive Attack war immer, wie sie die im besten Falle perfekte Mischung aus Kälte und Wärme herstellen konnten – sei es durch die soulvollen Stimmen der Gastsänger zu maschinellen Beats und/oder das Zusammenwirken von elektronischer Geräuschkulisse mit dem organischen Klang „echter“ Instrumente. Und von dieser Kalt-Warm-Melange ist auch auf dem fünften Studioalbum von Del Naja und Marshall angenehm viel vorhanden.

Bereits der jazzig wirkende Opener „Pray For Rain“ mit Tunde Adebimpe (TV On The Radio) am Mikro schafft die bekannt hybride Stimmung. Das Piano und die später einsetzenden Tribal Drums stehen der entrückten Stimme Adebimpes und elektronischem Gezirpe gegenüber und sorgen somit für den Massive-Attack-Effekt.

Doch anders als bei vorherigen Platten gibt es keine herausragenden, in den Schatten stellende Stücke wie „Unfinished Sympathy“ oder „Angel“. Das ist einerseits natürlich schade, andererseits trägt es sehr zum Flow des Albums bei, da man sich mehr in ihm verlieren kann. Sei es bei dem leicht arabisch angehauchten, mit einem New-Order-Bass unterlegten „Girl I Love You“ mit dem von vorherigen Alben bekannten Sänger und Roots-Reggae-Künstler Horace Andy oder das zwischen akustischer und elektronischer Instrumentierung pendelnde „Saturday Come Slow“, was stark an Blurs „Think Tank“ erinnert – nicht zuletzt durch die Vocals von Damon Albarn. Hinausgeleitet wird der Hörer vom schleichenden, mit einem narkotisierenden Beat ausgestatteten „Atlas Air“. Der perfekte Song für die Afterhour, wenn die Uppers ihre Wirkung verlieren und man sich in dem verwischten Bild namens Wirklichkeit wieder findet.

Massive Attack sind natürlich nicht mehr wegweisend oder zeitgeistdefinierend, aber das müssen sie auch nicht mehr sein, diesen Punkt haben sie in ihrem Lebenslauf schon abgehakt. Deswegen konnte oder wollte man nicht erwarten, dass „Heligoland“ dennoch ein über weite Strecken gutes bis sehr gutes Album geworden ist. Das Duo hat somit – im Gegensatz zu Helgoland – noch ein spannendes gegenwärtiges Kapitel der eigenen Geschichte zu bieten.
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