In Bernhards Stück "Heldenplatz" passiert eigentlich nicht viel, es beklagen Verwandte eines an dem österreichischen Nazi-moral-denken gescheiterten Intellektuellen dessen Tod. Auf den ersten Blick eigentlich nur eine stumpfe Wiederholung von Bernhard-typischen Anachronismen. Wenn man aber Bernhard und dieses Stück durchschaut hat, wird man reich belont und gleichzeitig vom Autor selbst in die Schranken gewiesen. Der vermeindliche Klatsch und Tratsch ist eigentlich eine Erläuterung der Gründe des Todes, nämlich floh er vor den Nazis nach England und kam zurück nach Österreich und sah, dass sich die pro-faschistische Attitüde der Österreicher sogar verschlimmert hat nachdem das dritte Reich endlich ein Ende fand, das wollte der jüdische Arzt nicht länger über sich ergehen lassen, er brachte sich um.
Dieses Stück ist nicht wegen der Sprache so provokant, sondern wegen dem extrem anti-österreichischen Haltung Bernhards, welche ja auch gerechtfertigt ist. Der Anlass für Bernhard dieses Stück zu schreiben war die Annexion Österreichs 1938, genauer das 50-jährige "Jubiläum" der Rede Hitlers auf dem Wiener Heldenplatz, wo er den Österreichern auf Wunsch ein Bedenkjahr lies, obwohl eigentlich klar war, dass die Österreicher Hitlers Plan voll und ganz zustimmen werden. In diesem Stück, 50 Jahre danach, arbeitet Bernhard gekonnt diese Problematik auf, um den Österreichern zu zeigen, was noch für Faschisten in ihnen stecken, diesmal soger wählten die Österreicher freiwillig diese Attitüde und trieben einen Arzt, dessen Familie ebenso vom Neofaschismus geschädigt ist, in den Selbstmord. Bernhard gibt hier auf nihilistische Weise keine Anstöße für eine Besserung der Zustände, er zeigt nur, was er sieht. Und diese Tristesse lässt er gekonnt in kalten Räumen spielen, ironischerweise in einem Zimmer über dem Heldenplatz... Doch wir münzen dieses Stück fälschlicherweise nur auf Österreich, er kritisiert hier alle Länder, die sich nicht gegen den Faschismus aufgelehnt haben. O-ton Karl Jaspers/Nürnberger Prozesse: "Es ist unsere Schuld, dass wir noch am leben sind..."