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Sein Held, der 1969 geborene Klaus Uhltzscht (Daniel Borgwardt) ist ein völlig naiver Träumer, der die Welt nur so wahrnimmt, wie er sie sich vorstellt und nicht wie sie wirklich ist. Seine Blindheit für die Realität und seine kindliche Begeisterungsfähigkeit machen ihn zum geborenen Mitläufer des Staates und seiner Gegner, denen er gleich dienlich ist. Aber das alles interessiert ihn überhaupt nur wenig, da seine ganzen Träume und seine Sehnsucht um Yvonne (Xenia Snagowski) kreisen, in die er sich als 10-Jähriger verliebt hat.
Brussig und Peterson entlarven die DDR und ihre politischen Mechanismen, ohne die Vergangenheit dabei völlig zu demontieren. In das Satirische, das uns über die Biederkeit der Stasi genauso wie über die der studentischen Revolutionäre lachen lässt, mischt sich Sentimentales und Wehmütiges. Das Ende der DDR, von dem Klaus Uhltzscht glaubt, es am 9. November 1989 herbeigeführt zu haben, ist eben auch das Ende seiner Jugend. Politisches und Privates gehen in Helden wie wir perfekt ineinander. Sebastian Peterson arbeitet äußerst erfindungsreich mit verschiedensten filmischen Techniken und Materialien. Er verbindet Real- und Trickfilm, Dokumentarisches und Erfundenes, Selbstgedrehtes und Nachrichtenmaterial zu einer ganz eigenen Sicht auf die späte DDR, die eine amüsante und aufschlussreiche Alternative zur offiziellen Geschichtsschreibung bietet. --Sascha Westphal
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Denunziation und Überwachung prägen den Alltag, sei es an der Schule, im FDJ-Ferienlager oder auf dem Spielplatz. Das leichtsinnig dahergeredete Wort eine Kindes kann eine Existenz zerstören. Aber der Thälmann-gläubige Junge versteht gar nicht, was das alles bedeutet. Bis er schließlich durch eine Jugendfreundin Kontakt zur Opposition bekommt.
Der Irrwitz des Überwachungsstaates wird sehr hintersinnig auf die Schippe genommen. "Jede leere Seite ist ein potentielles Flugblatt!" Mit diesem Satz erlangt der Protagonist sowohl Beifall von seinen Stasivorgesetzten als auch von den Oppositionellen.
Für mich war es interessant zu sehen, wie diese Zeit auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs war. Vielfach werden die Szenen in Originalfilmmaterial aus der DDR eingeblendet. Gut gemachter und auch amüsanter Streifen über eine fremde und vergangene Welt.
Zum einen ist er bei weitem nicht so albern wie "Sonnenallee", sondern zeigt das DDR-Leben viel deutlicher und ehrlicher. Zum andern ist das Archiv-Material vom Feinsten.
Ausschnitte aus "Sandmann", der "Wochenschau" oder "Ein Kessel Buntes" lassen den Film zu einem absoluten Glanzpunkt der deutschen Filmgeschichte werden..
Mein Tip: ZUSCHLAGEN!
film und theaterstueck hab ich gesehen und beide haben mir guuut gefallen. der film ist sicherlich ein bißchen langatmiger als das theaterstueck. gleichzeitig moechte ich eine lanze fuer den film brechen, der aufgrund seiner komplexen vielfalt an und verwendung von original-ddr-schnipseln deutlich naeher an der realitaet dran sein duerfte (schreibe ich als im westen, also dem blauen teil der erde, aufgewachsener).
klaus uhltzscht heisst der 1969 geborene (anti-)film-held und traeumt sich durch seine welt des real gewordenen gut-roten-sozialismus (im gegensatz zum boese-blauen-kapitalismus) und will sogar die niederlande rot anmalen, wenn ihm das ermoeglicht, mit seiner jugendliebe yvonne mal nach amsterdam zu reisen und die tulpenfelder (ihre lieblingsblumen) anzugucken.
was er auf dem weg zum erwachsenwerden in der ddr so alles erlebt, wie er herausfindet, was sein vater von beruf macht, welche geheimnisse dazu fuehrten, dass yvonne nach den sommerferien auf einmal woanders wohnt, ob und wie er sie wiederfindet, was ein flachschwimmer ist, und welche rolle klaus uhltzscht beim fall der mauer spielt, das alles erzaehlt der film auf erfreulich unaufgeregte weise, amuesant und einfuehlsam ohne dabei irgendwie belehrend zu wirken. auch verzichtet der regisseur auf eine beurteilung eines der beiden konkurrierenden gesellschaftssysteme sondern ueberlaesst es dem zuschauer, sich (s)einen reim auf das karikierend-dokumentierte filmgeschen das mit ziemlich viel zeitgeschehen angereichert ist, zu machen - es sei denn, man wuenscht den regie-kommentar, den man bei der dvd einblenden kann.
bon appetit, sie held!
PS: geh mir jetzt das buch kaufen.
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