Derzeit sind auf den großen Bühnen der Welt in den großen jugendlichen Heldentenorpartien, v. a. als Lohengrin zwei Deutsche besonders gesucht - zum einen Jonas Kaufmann, zum anderen eben Klaus Florian Vogt. Ein größerer Kontrast als zwischen diesen beiden Sängern lässt sich kaum denken:
Kaufmann, ursprünglich lyrischer Tenor, hat seine Technik umgestellt und singt inzwischen mit sehr baritonaler, kraftbetonter Technik, dadurch mit mächtig-männlichem Stimmklang bis zur Mittellage, aber ohne Glanz in der Höhe - von Technik und Stimmklang steht er damit am ehesten in einer Tradition mit Tenören wie Ramon Vinay oder Hans Hopf.
Vogt dagegen geht den umgekehrten Weg - er singt mit sehr schlanker Stimmführung, mit konzentriertem Klang in der Maske. Dadurch hat die Stimme genügend Metall und Durchschlagskraft auch für die großen romantischen Orchester, aber eben auch die Leichtigkeit für mühelos strahlende Spitzentöne - und die Beweglichkeit für Koloraturen wie in der Weber-Arie "Ich juble in Glück und Hoffnung neu". Auf der anderen Seite ist der Stimmklang eben nicht heldisch, männlich und warm, sondern eher jugendlich, weich und hell, mehr schwärmerischer Jüngling als Mann.
Insofern ist der Titel der CD - "Helden" - eher missverständlich, denn klassische Helden sind seine Figuren nun wahrlich nicht. Interessant bis überzeugend ist diese Herangehensweise trotzdem vor allem bei seinen Wagner-Rollen: Hier ist der Lohengrin eine fast engelsgleiche, entrückte Gestalt, der Walter von Stolzing ein jugendlicher Dichter, der Siegmund ein schwärmerischer Teenager - und es ist vielleicht nicht die einzig denkbare Interpretation, aber sie funktioniert.
Live hat mit Vogt bisher allerdings mehr überzeugt. Gerade in den lyrischeren Arien (Mozart, Flotow) fällt im Vergleich mit Spezialisten dieses Fachs auf, dass er oft relativ kurz phrasiert und zwar weich und wortdeutlich singt, aber mit relativ gleichbleibender Stimmfarbe, und dadurch etwas neutral im Ausdruck. Das ist über die ganze CD hinweg etwas langweilig - trotz des interessanten Repertoires.
Wagner-Veteran Peter Schneider begleitet am Pult des Orchesters der Deutschen Oper Berlin sensibel und ausdrucksvoll - und darf in zwei Aktvorspielen (Lohengrin und Meistersinger) dann auch mal zeigen, was das Orchester kann. Sopranistin Manuela Uhl überzeugt im abschließenden Duett aus Korngolds "Toter Stadt" nicht wirklich als Verführerin.
Insgesamt eine CD mit drei + Sternen.