...präsentiert uns Wladimir Kaminer seine -Helden des Alltags-. Seit -Russendisko- ist Kaminer Kult, wird aber auch irgendwie immer ein bisschen missverstanden. Wer Kaminer kennt, ihn zum Beispiel bei Talkshowauftritten beobachten konnte, der weiß, dass der gemütliche Russe keinerlei Anspruchsdenken in Bezug auf seine literarischen Leistungen hat. Wer bei ihm tiefschürfende, literarische Erkenntnisse zur Verbesserung der Welt oder dem eigenen Ying und Yang erwartet, der ist falsch gewickelt. Kaminer will das nicht und kann es vermutlich auch nicht.
Was er allerdings beherrscht, dass ist die genaue Beobachtung seiner Umwelt. Da macht ihm so schnell keiner etwas vor. Kaminer ist detailliert, minimalistisch, ungeheuer witzig, trocken und ironisch. Die russische Seele tief im Inneren des Schreibers ist dabei nicht überlesbar.
Wenn sie also schon immer mal wissen wollten, woran man erkennt, ob in der örtlichen Alkoholikerszene Russen anwesend sind, oder wieso eine Katze verrückt wird, wenn man die Möbel umstellt, und vor allem, wo sie dann ihr Geschäft verrichtet, dann lesen sie Kaminer. Wenn sie daran interessiert sind, wie man ein russisches Essen zubereitet, auch wenn man von der russischen Küche keine Ahnung hat, oder warum es keine schlechte Idee ist, seinen dreijährigen Sohn schwer bewaffnet durch die Wohnung laufen zu lassen, auch da weiß Kaminer Rat.
Illustriert wird -Helden des Alltags- von Fotos, die Helmut Höge beigesteuert hat. Da geht jedem Fan der Fünfziger Jahre das Herz auf. Die Bilder sind passgenau in Kaminers Geschichten eingebaut und das, obwohl sie gar nichts damit zu tun haben. Halt auf Kaminer Art. Das macht das Buch nicht nur lesens- sondern auch sehenswert.