Karl Waggerl ist ein typisches Beispiel dafür, dass Einfachheit keineswegs mit Einfalt gleichzusetzen ist. Viele seiner Leser kennen ihn aber "nur" als Autor heiter-besinnlicher Erzählungen (um einmal diese abgegriffene Floskel zu verwenden).
In diesem "Heiteren Herbarium" präsentiert sich Waggerl als versierter Dichter und Zeichner. Je eine Doppelseite ist einer bekannten Wild- oder Gartenpflanze gewidmet (meist handelt sich's um Blumen). Die Zeichnungen sind ganz einfach schön, aber auch so präzise, dass man sie zur Pflanzenbestimmeung heranziehen könnte - allerdings dürfte man die abgebildeten Pflanzen ohnehin kennen. Den ästhetischen Genuss mindert das nicht.
Das eigentliche Glanzlicht in diesem Büchlein sind die Gedichte. Jeder Zeichnung ist ein Gedicht gegenübergestellt, und die Formenvielfalt, die man hier vorfindet, ist ihren "Objekten" kongenial. Diese Gedichte sind hintersinnig und von einem feinen leisen Humor durchzogen; einige von ihnen erinnern einen gar an Christian Morgenstern. Als Beispiel für letzteres diene der "Löwenzahn" oder das "Nolimetangere"; wer diese Gedichte gelesen hat, wird im nächsten Frühjahr lästiges Unkraut ehrfürchtiger rupfen ...
Ideal zum Selberlächeln und zum Verschenken.