Heisser Sommer ( Blu-Ray )
In der im Vertrieb durch das Unternehmen "Icestorm Entertainment" im Oktober 2012 an den Start gebrachten Reihe mit einigen der bekanntesten und beliebtesten Film- und Fernsehklassiker der DDR auf Blu ray, kommt mit "Heisser Sommer" auch ein Musikfilm mit absolutem Kultcharakter zur Veröffentlichung. Der im Juni 1968 in den Kinos der DDR angelaufene Film entstand unter der Regie von Joachim Hasler (1929-1995), der zusammen mit Maurycy Janowski (1919-1973) auch das Drehbuch schrieb. Ausführende Produktionsfirma war das DEFA-Studio für Spielfilme mit der dortigen Gruppe "Johannisthal".
Es macht einfach nur Spaß, sich diesen Film, der regelrecht den Sommer mit deren Leichtigkeit und guter Laune Gefühl hinein in die eigenen vier Wände bringt, anzusehen. Auch wenn die Handlung, zugegeben, etwas profan ist, macht das bei diesem Film rein gar nichts, da eigentlich die Musik den mit entscheidenden Anteil am Film und schließlich und endlich auch dessen Erfolg beim Publikum ausmacht.
Natürlich will ich jetzt an dieser Stelle in keinster Weise die erbrachten Leistungen der in dem Film zu erlebenden Darsteller mindern. Mit Frank Schöbel und Chris Doerk standen hier zwei der zur damaligen Zeit wohl mit beliebtesten Schlagersänger der DDR vor der Kamera, die zudem in jenen Tagen auch privat ein Paar waren. Chris Doerk war im Übrigen während der Dreharbeiten im zweiten bzw. dritten Monat schwanger.
Die Dreharbeiten für den auf 35 mm ORWO-Color aufgezeichneten Film fanden u.a. auf Rügen sowie im damaligen Karl-Marx-Stadt und Berlin statt.
Den Anfang nimmt die erzählte Geschichte mit zwei aufeinandertreffenden Gruppen Jugendlicher, die sich in Leipzig treffend hin in den Urlaub an die Ostsee wollen. Brisanz bekommt die ganze Sache dadurch, dass die eine Gruppe aus zehn jungen Männern und die andere aus elf jungen Grazien bestehen. Wie zu erwarten ist beim nun beginnenden Geschlechterkampf, wer denn nun als erster mit erhobenem Daumen und trampend das Ziel erreichen wird, die holde Weiblichkeit ganz klar im Vorteil. Mit deren weiblichen Reizen und Cleverness ausgestattet, schauen die Jungs in so einigen Momenten den Mädels nur mit leicht verdattertem Gesicht hinterher.
Irgendwann haben es beide Gruppen dann geschafft und sind an der See angekommen. Während die Mädels bereits von ihrer "Herbergsmutter auf Zeit", gespielt von der wunderbaren Marianne Wünscher (1930-1990) in deren Quartier dem Sitzungssaal der Genossenschaft erwartet werden, finden die Jungs ihre Unterkunft auf dem Zeltplatz. Trotz vorhandener leichter Rachegelüste der Männer in ihrer gekränkten Eitelkeit gegenüber den Frauen, kommen dann so nach und nach, neben all den kleinen Sticheleien und gegenseitig gespielten Streichen, erste zarte Gefühle ins Spiel.
Dumm nur, dass sich mit "Kai" (Frank Schöbel) und "Wolf" (Hanns-Michael Schmidt) gleich zwei Männer in ein und dieselbe Frau, die kesse "Brit" (Regine Albrecht), verguckt haben. Da ist der Ärger bereits vorprogrammiert, vor allem da "Brit" mit beiden Männern ihre Spielchen treibt, was weder "Stubsi" (Chris Doerk), noch den anderen so recht gefällt. Wie wird sich die Geschichte weiter entwickeln?
Umrahmt wird das ganze Geschehen dabei von der ins Ohr gehenden Musik von Gerd und Thomas Natschinski mit den Texten der beiden Autoren Jürgen Degenhardt und Hartmut König. Die in den vielfältigsten Stilrichtungen zu Gehör kommenden Musiktitel werden dabei mit aus heutiger Sicht einfach nur liebenswert nostalgisch charmant wirkenden choreografischen Arrangements und Tanzeinlagen aufgezeigt.
Dabei reicht die musikalische erklingende Palette im Film vom Fox über den heißen Beat bis hin zur sanften und träumerischen Ballade. Titel wie zb. "Männer, die noch keine sind", "Was erleben", "Woher willst Du wissen, wer ich bin?" und natürlich der Titelsong "Heisser Sommer" sind vielen, selbst noch heute, mehr als vierzig Jahre nach der Filmpremiere, bestens bekannt und können schon als wahre Gassenhauer bezeichnet werden.
Die Blu ray kommt in einem blauen Standard HD Keep Case zur Veröffentlichung. Schön ist, dass es ein Wendecover gibt, um den unansehnlichen FSK-Flatschen verschwinden zu lassen.
Das laut Cover im Format Full HD 16:9 Format Letterbox-Cinemascope mit ca. 91 Minuten von der Blu ray zur Ansicht kommende Bild ist dem gegenüber von der DVD qualitativ überlegen.
Hier fallen vor allem die deutlich geringeren Verschmutzungen und mechanischen Beschädigungen im von der Blu ray zu erlebenden Bild auf. Die Farben zeigen sich mit dem für ORWO-Farbfilm typischen ganz eigenem Charme. Bisweilen macht sich ein leichtes Filmkorn in einigen Szenen bemerkbar. Der Kontrast zeigt sich in recht gut gesetzten und nicht überzeichneten Einstellungen und Werten von der Blu ray. Einige im Film während der Wiedergabe zu bemerkende Unschärfen sind dem betagten Filmmaterial und wohl vor allem der damaligen Aufnahmetechnik zuzuschreiben.
Im Gesamteindruck bin ich persönlich mit den von der vorliegenden Blu ray von Kameramann Roland Dressel und zum Teil auch Regisseur Joachim Hasler auf Film gebannten Aufnahmen in deren hier zu erlebender Bildqualität angenehm überrascht.
Natürlich hätte wie immer einiges noch perfekter und besser sein können aber man darf an dieser Stelle natürlich auch nicht das Produktionsdatum dieses Films, das immerhin im Jahr 1967 liegt, vergessen.
Die Menüs der vorliegenden Blu ray-Veröffentlichung zeigen sich übersichtlich und gut bedienbar gehalten. Neben der Möglichkeit über "Film Starten" diesen unmittelbar aus dem Hauptmenü zur Wiedergabe zu bringen, wird noch eine sich in einem weiteren Menü-Fenster öffnende Kapitelauswahl, dargestellt mit kleinen Szenenfotos, angeboten.
Leider nur zwei kleinere Extras wurden der Blu ray im Bonus-Teil zugestanden. Hier hätte ich ehrlich gesagt etwas mehr erwartet. Das erste Extra ist ein ca. drei Minuten laufender Beitrag unter der Bezeichnung "DEFA-Disco 77 - Chris Doerk". In diesem sieht und hört man Chris Doerk mit ihrem Titel "Mein lieber Herr Professor" der einigen evtl. auch noch als "Käfertango" bekannt sein dürfte. Für jene die angesteckt von der Musik und Stimmung in diesem Film sich selbst einmal als Sänger versuchen wollen ist das zweite Extra gedacht. Hier kommt über ca. zwei Minuten der Titelsong des Films, eben "Heisser Sommer", als Karaokeversion untertitelt zu Gehör und Ansicht.
Tonbewertung:
Der laut Cover von der vorliegenden Blu ray zu Gehör kommende deutsche Dolby digital 2.0 Ton wirkt für sein Alter gut erhalten. Die in dem Film gesprochenen wenigen Dialoge sind gut verständlich und die Musik kommt kraftvoll und voller Dynamik aus den Lautsprechern. Das Volumen ist relativ konstant und ausgeglichen und kann, auch wenn hier nun keine bombastischen Soundgewitter und das Ohr schmeichelnden Klangteppiche von den technischen Parametern gesehen zu Gehör kommen, im Gesamteindruck als gelungen beurteilt werden. Untertitel für Hörgeschädigte oder Gehörlose werden nicht von der Blu ray angeboten.
Gesamteindruck:
Für und bei vielen ist dieser im Jahr 1968 in den Kinos der DDR angelaufene Film inzwischen nicht nur nostalgisch verklärte Erinnerung, sondern schon längst Kult geworden. Automatisch mit Einlegen der hier unter dem Vertrieb von "Icestorm-Entertainment" verlegten Blu ray, stellt sich gute Laune ein und der Sommer hält förmlich Einzug in die eigenen vier Wände. Mit ein Grund, für den damaligen und bis heute andauernden Erfolg und die Beliebtheit dieses Films, sind neben der beiden in ihm zu erlebenden damaligen Schlagerstars Frank Schöbel und Chris Doerk natürlich vor allem auch die fabelhafte Musik des sich wunderbar ergänzenden Komponistenduos bestehend aus Vater und Sohn Gerd und Thomas Natschinski.