"Man kann nicht in der Wüste leben und davon unberührt bleiben," sagte Wilfried Thesiger, ein anderer berühmter Wüstenfahrer. Und man kann nicht diesen Bildband von Desiree von Trotha betrachten, ohne von der Faszination der Wüste berührt zu werden und ihrem Zauber zu verfallen.
"Heiße Sonne - kalter Mond" ist ein Porträt von Menschen und Landschaften. Von Menschen, den Tuaregnomaden, und von der Landschaft Wüste. Von Trotha gibt anfangs einige Hintergrundinformationen, wem ist es schon bekannt, das die Wüste früher blühte, fruchtbar war, dass es dort riesige Seen gab, Strauße, Giraffen und eine Vielzahl von Vögeln.
Aber das Buch ist kein Sachbuch, sondern eher ein poetischer Bildband. Es enthält zahlreiche Zitate: "Der Tod liegt uns näher als das Lid dem Auge", sowie Fabeln und Geschichten, wie etwa die Fabeln vom Schakal und dem Löwen, oder dem Schakal und dem Hasen.
Begleitet werden die Geschichten und Zitate von wunderschönen Fotos, wobei Text und Foto gleichberechtigt nebeneinander stehen und nie das eine das andere überdeckt. Fotos von bizarren Felsformationen, gigantischen Steinen, und weichen sanften Dünen- und Sandmeeren wechseln ab mit Fotos von pastellfarbenen Himmeln in rosa und blau. Die Landschaften strahlen etwas Überirdisches aus, etwas Unwirkliches in ihrer Weite und Lichtdurchflutetheit, in ihrer Größe und Würde. Und man fragt sich unwillkürlich, was sind das für Menschen, die in dieser großartigen Umgebung leben, einer Umwelt der Gegensätze, der harten Kontraste, der Extreme. Und zu sehen sind natürlich Porträts von Menschen, von Frauen und Kindern, von der Kunst des Teezubereitens, von den Festen der Tuareg, von Männern beim Tanz und auf ihren hohen, eleganten und schnellen Mehari. Über all dem liegt ein Schleier des Phantastischen, des vorherigen, eines anderen Zeitalters, eines Zaubers.
Die Untermalung für Fotos und Texte bilden ornamenthaft alte Felszeichnungen, die in Felsen geritzt und gemalt wurden.
Das Buch ist in jeder Beziehung gut gelungen in Konzept und Umsetzung. Die Fotos sind hochwertig gedruckt und lassen die Menschen und Landschaften fast greifbar werden. Texte und Fotos lassen die Atmosphäre und Stimmung spüren und man kann sich ein gutes Bild von der Lebensweise dieses Volksstammes machen und es regt an, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen und einen Blick in die Literaturliste von Trothas zu werfen oder die Backlist des Verlages.