Jahrelang waren die Puhdys die beliebteste Rockband der DDR gewesen, ehe sie 1979 diesen Titel erstmals an die damals dramatisch aufstrebenden, großartigen Jungs von Karat verloren. Zudem büßten die fünf Musiker zunehmend ihr jugendliches Draufgängertum ein und wurden sich der Traurigkeit des Daseins im Allgemeinen und offenbar auch der des real existierenden Sozialismus im Speziellen bewusst.
So beherrschten ernste, manchmal geradezu resignative Texte ihre beiden 1980 und 1981 erschienenen Alben HEIß WIE SCHNEE und SCHATTENREITER - was sie jedoch nicht im Geringsten daran hinderte, weiterhin äußerst eingängige, gelegentlich fast geniale Ohrwurmmelodien zu schreiben. Da waren sie wieder, die einschmeichelnden Keyboard-Linien von Peter Meyer, die simplen, aber äußerst effektiven Gitarren-Licks sowie der raue, ehrliche Gesang von Dieter ("Maschine") Birr und Dieter Hertrampf.
Hatten sie in ihrer Anfangszeit bei damaligen Erfolgsgruppen wie Uriah Heep, Deep Purple oder Slade geklaut (vergleiche "Geh zu ihr" mit Slade's "Look Wot You Dun"!), so zitierten sie jetzt zum Beispiel ganz offen Barclay James Harvest's seichten Superhit "Life Is for Living" (in "Wasser und Wein") oder - in "Kein Paradies" - ironisch ihren eigenen Klassiker "Lebenszeit".
Beide Platten zeichneten sich leider durch eine oftmals untransparente Produktion aus, was auch das CD-Remaster nicht wirklich wieder gutmachen kann. Aber wer genau hin hört, wird zumeist Texte von hoher Qualität entdecken, die sich - wie erwähnt - mit alltäglichen und grundsätzlichen Problemen der menschlichen Existenz beschäftigten. Der Trennungssong "Lied für Anja" (zu Tränen rührend!), "Weit so weit", "Bis ans Ende der Welt", "Marathon", "Kein Paradies", "Der Außenseiter", "Was vom Leben bleibt", "Im Nebelmeer", "Schattenreiter", "Männlichkeit", "Der Trinker" und ganz zum Schluss das tröstliche "An den Ufern der Nacht" gehören zu den Höhepunkten dieser Kompilation von zwei der gelungensten Longplayern der Puhdys. Und "He John" war zudem eine völlig unpeinliche Hommage an die im Dezember 1980 ermordete ex-Beatles-Ikone John Lennon.
Also warum es nicht einfach sagen: Diese beiden Alben kommen auch heute noch um Welten besser 'rüber als vieles Deutschsprachige, das Anfang der 80er hier im Westen unter der legendären Bezeichnung 'Neue Deutsche Welle' so alles auf die Plattenkäufer losgelassen wurde!