Nachdem ich mir "Heiraten für Fortgeschrittene" zu Gemüte geführt habe, frage ich mich schon, wie es kommt, dass dieser Film, der bereits 2002 unter dem Titel "Crush" herauskam, nun noch einmal neu als DVD aufgelegt wurde.
Der Name der Hauptdarstellerin Andie MacDowell ist natürlich ein Argument, und auch ihre beiden Freundinnen im Film, Imelda Staunton und Anna Chancellor, sind durch zahlreiche Filme hinreichend bekannt. Der Untertitel "Drei Freundinnen auf der Jagd nach dem Richtigen" verspricht eher leichte Kost als einen tiefgehenden Problemfilm, aber auch solche Filme können ja durchaus interessant gemacht und witzig sein. Der Anfang des Films gestaltet sich auch erwartungsgemäß recht flott: die drei Heldinnen werden szenisch kurz vorgestellt und es wird deutlich, dass es sich um drei typmäßig recht unterschiedliche Frauen so um die 40 handelt, die alle drei angesehene Stellungen (Schuldirektorin, Ärztin und Polizeichefin) in einer kleineren Stadt einnehmen. Es wird unendlich viel geraucht in diesem Film, das irritierte mich angesichts der Entwicklung der letzten Jahre etwas, aber dies lässt sich wohl darauf zurückführen, dass es sich eben schon um einen etwas älteren Film handelt. Vor allem am Anfang der Geschichte fühlte ich mich immer wieder an "Sex and the City" erinnert, nur dass es hier drei Single-Freundinnen sind, die sich als eingeschworene Gemeinschaft regelmäßig treffen, um bei Gin und Zigaretten ihre jüngsten Erfahrungen mit der Männerwelt auszutauschen. Klingt etwas eindimensional dargestellt, ist es in der gezeigten Oberflächlichkeit wohl (hoffentlich) auch.
In der Folge gerät dann Kate, die Schuldirektorin (Andie MacDowell) in den Mittelpunkt der Geschichte, da sie eine Affäre mit einem 15-jährigen, nein, so skandalös ist es dann doch nicht, mit einem 25-jährigen ehemaligen Schüler beginnt. Jed, der als Orgelspieler bei einem Beerdigungsinstitut arbeitet und dort durch seine musikalische Darbietung Kates Herz erobert, ist somit 15 Jahre jünger als seine Angebetete - im umgekehrten Fall würde dies wohl kaum ein Zucken mit der Augenbraue hervorrufen. Aber hier ruft dieses Bekenntnis reines Entsetzen bei Kates Freundinnen hervor. Sie versuchen nun mit allen Mitteln, Kate auf den "rechten Weg" zurückzubringen und eine drohende Heirat zwischen den beiden zu verhindern.
Obwohl der Film einzelne witzige Elemente enthält und die Schauspielerinnen ihren Job ganz gut machen, ist "Heiraten für Fortgeschrittene" nicht nur ein alberner und unpassender Titel, sondern der Film für meinen Geschmack insgesamt viel zu einfach und oberflächlich gestrickt. Der Verlauf der Geschichte ist ziemlich unsinnig und man weiß nicht so recht, was das alles soll. Viele Szenen sind nur einfach "drüber" und eher plakativ als wirklich überzeugend. Besonders daneben finde ich die tragischen Momente, die in den Film eingebaut wurden, sie wirken auf mich deplatziert und im Grunde wie bequeme Lösungen, damit man sich nicht weiter mit dem angeleierten "Problem" auseinandersetzen muss.
Sich auf komödiantische oder auch tragikomische Weise gekonnt mit einem Thema auseinanderzusetzen, ist bestimmt eine hohe Kunst; hier wurde die Herausforderung reichlich unterschätzt.