Entgegen dem Titel geht es in diesem Roman nicht wirklich um den Erben von Sevenwaters ... er ist nur der Auslöser für die Ereignisse, die hier stattfinden.
Finbar - der neugeborene Sohn des Lords of Sevenwaters - wird kurz nach der Geburt entführt. Doch während der Rest der Familie eine politische Motivation dahinter vermutet, weiß es die drittälteste Tochter Clodagh besser ... stand sie doch ganz in der Nähe während der Tat. Doch niemand will ihr Glauben schenken, daß in der Wiege nun ein Wechselbalg liegt. Sie sehen nur einen Haufen lebloses Geäst, Moos und Steine und kein sich bewegendes Anderswelt-Kleinkind. Clodagh spürt, daß sie dazu auserkoren wurde, ihren kleinen Bruder zu retten und so macht sie sich mit dem Wechselbalg im Arm heimlich auf die Suche nach einem Eingang zur Anderswelt. Unterwegs trifft sie auf Cathal, den seltsamen Freund ihres Krieger-Cousins Johnny. Der erfahrene Fährtensucher findet für Clodagh alsbald das gewünschte Weltentor und beschliesst, mit ihr in die fremde Welt zu reisen. Doch was erwartet die Beiden dort? Und weshalb hat das - der Familie sonst so zugeneigte - Feenvolk das Baby entführt?
Die Autorin lässt sich zu Beginn viel Zeit, um die ganze Allgemein-Situation von Sevenwaters zu schildern ... familiär, gesellschaftlich und politisch! "Etwas zuviel Zeit" dachte ich zunächst, doch am Ende stellt man fest, daß kein Abschnitt davon für die Handlung unwichtig war.
Der exzentrische Cathal ist ein undurchsichtiger und dadurch geheimnisvoller Charakter. Sein Wesen, aber auch seine Herkunft sind recht verschleiert ( was letzeres betrifft, so hatte ich im Verlauf der Handlung einen Verdacht entwickelt, der sich schliesslich bewahrheitet hat ... dank meiner Leseerfahrung im Genre nehme ich an! ). Ähnliches gilt auch für die reisende alte Geschichtenerzählerin Willow. Deren Erzählungen über das Feenvolk scheinen irgendwie einen vagen Bezug zu den kommenden Geschehnissen zu haben ...
Die Anderswelt ist auch kein harmloses Märchenland, wie mancher vielleicht annehmen könnte, der nur kitschige Stories über ein rosarotes Feenreich kennt. Nein, es ist ein grausam schöner Ort und die Queste von Clodagh & Cathal wird alles andere als ein lustiger Spaziergang durch den Park. Schuld daran dürfte u.a. die Anwesenheit eines gewissen dunklen Prinzen des Feenvolkes sein ... ein uraltes Wesen, welches eigene Pläne mit unserem Helden-Duo hat.
Die Grenzen zwischen Gut & Böse verwischen immer mehr, da man bald als Leser nicht mehr weiß, wem zu trauen ist und wem nicht ... oder was Wahrheit ist und was Trug!
Ach ja. Man erhält hier ausserdem noch die Info, daß einer der männlichen Familienmitglieder homosexuell ist! Was auch etwas überraschend ist, da Marillier noch nie mit dergleichen hantiert hat. Es bleibt allerdings auch bei einer kurzen Info, denn diese Tatsache wird in der Handlung gar nicht weiter ausgewälzt.
"Heir to Sevenwaters" gehört zwar zur Sevenwaters-Saga, aber nicht mehr zur ersten Trilogie ( die dann ja ansonsten eine Tetralogie wäre ). Hier wird nämlich nicht die NÄCHSTE Generation behandelt - wie es bei der Trilogie noch der Fall war - sondern die letzte aus "Kind der Stürme" ( d.h. immer noch die dritte Generation seit Sorcha )!
Das Ende - wenn auch nicht völlig offen - lässt noch viele Fragen übrig. So verwundert es nicht, daß ein weiterer Band der Saga in Vorbereitung ist. Diesmal mit der kleinen Seherin Sibael als Hauptcharakter und Ich-Erzählerin.
Ich freue mich schon.
Ein Wehrmutstropfen ist allerdings die Tatsache, daß bisher keinerlei Pläne für eine deutsche Verföffentlichung der Sevenwaters-Fortsetzungen bestehen. Vielleicht kommen die noch ( bei Heyne oder Droemer Knaur? ), nach der Vollendung der dt. Version der "Unter dem Nordstern"-Reihe.
Ein weiterer ist die Kürze des Buches, welches - laut Aussage der Autorin aufgrund der Vorgabe des Verlags - auf höchstens 160 000 Wörter beschränkt sein musste.
FAZIT:
Für Sevenwaters-Fans definitiv ein Muß, ebenso für alle anderen, die historische Fantasyromane ( mit weiblichen Hauptcharakteren ) mögen.
"Heir to Sevenwaters" ist in 4 verschiedenen Ausgaben erhältlich!
Gebunden Roc-Verlag, US-Cover, Illu von J.J. Palencar
Taschenbuch Roc-Verlag
Gebunden Tor Books, UK Cover, Illu von Jon Sullivan
Taschenbuch Tor Books
Juliet Marillier ist definitiv eine würdige Nachfolgerin der verstorbenen Marion Zimmer Bradley und die neue Queen der Historic Fantasy ( das sage ich aus vollster Überzeugung und wie man an der regelmässigigen Lobpreisung ihrer Werke sehen kann, auch nicht ohne Grund )!