Hinweis vorweg: Meine Rezension bezieht sich auf das Hörbuch.
Nachtrag am 11.01.2011: In den Kommentaren bin ich darauf hingewiesen worden, dass die Hörbuchfassung gegenüber des Buches stark gekürzt worden ist. In der Tat kann man feststellen, dass z.B. der Fleckenteufel mit knapp 220 Seiten auf 4 CDs veröffentlicht wurde, während Strunk in Afrika mit knapp 270 Seiten auf 3 CDs beschränkt ist. Auf Nachrage beim zuständigen Publisher Roof, erhielt ich folgende Antwort:
"Heinz Strunk in Afrika" wurde in einem für Hörbücher sehr üblichen ( Anm.d.Verf.: aber nicht für Heinz Strunk Bücher ) Umfang gekürzt: um ca. 90 Seiten, also auf ca. 180 Seiten. Da es sich ausschließlich um sogenannte "Binnenkürzungen" handelt, ist die wesentliche Textstruktur erhalten. Gekürzt wurden "nur" immer wieder einzelne Abschnitte, also keine kompletten Teile oder
Kapitel. Das Hörbuch ist als Pendant zum Buch zu verstehen."
Und nun zur Rezension:
Heinz Strunk in Afrika ist zu gut, um nur mit ein oder zwei Sternen bewertet zu werden. Dafür gibt es zu viele Stellen, die - was meinen Humor angeht - genial sind. Wenn in etwa eine gutaussehende Kellnerin Heinz Strunk nach seinem Namen fragt und er sich denkt "eine unpassendere Gelegenheit Heinz zu heißen, kann es nicht geben" dann gehts eigentlich kaum witziger. Auf den drei CDs gibt es mehrere solche Knaller, auf die man aber auch eindeutig länger warten muss. Dazwischen die typischen, amüsanten Beobachtungen und Beschreibungen, die man aus vorangegangenen Werken Strunks kennt.
Problematisch dabei ist, dass viele seiner Monologe situationsabhängig sind und nicht unbedingt in einen größeren Kontext eingebunden sein müssen. Dadurch gab es für mich wenigstens eine gewisse, nicht-prickelnde Spannung zwischen der einerseits gewohnt brillianten Heinz Strunk Philosophie und der austauschbaren "Reise-nach-Afrika"-Geschichte. Es ist also am Ende eigentlich total wurscht, ob er nach Afrika reist, an irgendeinen anderen Ort der Welt oder zu Hause bleibt. Jedenfalls wurscht für die Geschichte, so wie sie vorliegt. Atmosphärisch hätte es sicherlich interessantere und bessere "Umfelder" gegeben.
Dass dann am Ende die kriegsähnlichen Zustände nach einer Wahl beschrieben werden und Heinz Strunk Teil dieser lebensbedrohlichen Situation wird ... die Motivation dafür ist mir nicht so recht klar geworden. Es ist auf der einen Seite nicht witzig ( was es auch nicht sein soll ) und auf der anderen Seite auch nicht politisch ( was es wohl auch nicht sein soll ). Ich konnte damit nicht so recht was anfangen. Es war irgendwie "unpassend".
Auf der Hörbuch-Rückseite wird damit prinzipiell auch noch geworben, da es dort so aussieht, als würde sich der Großteil der Geschichte um diese Situation drehen. Zitat: " ... und plötzlich hallen Gewehrschüsse durch die Nacht. Allen Warnungen zum Trotz sind die beiden nicht davon abzuhalten, das nächste Taxi nach Mombasa City zu nehmen ..."
So jedenfalls endet der Klappentext. Tatsache aber ist: Die ersten Schüsse fallen erst Ende des 20. Kapitels ( von insgesamt 24 Kapiteln auf den Hörbuch CDs ). Ganz abgesehen davon, dass nicht beide "nicht davon abzuhalten" sind, sondern Strunk sich mehr oder weniger von seinem Kumpel breitschlagen lässt, trotz Warnungen die Krawall-City zu betreten. Aber das nur am Rande ...
Wiederum Punkten kann das Hörbuch durch die Stimme Strunks und die Interpretation seines eigenen Textes. Da stelle ich mir die Lesefassung teilweise bedeutend schwächer vor, da viele Stellen nicht durch den Inhalt witzig sind, sondern einzig und allein durch die Stimmakrobatik des lesenden Autors witzig werden. Wenn er dann statt 7-Tage-Trennkost 7-Jahre-Trennkost liest, sich über seinen Fehler selbst kaputtlacht, diesen korrigiert und das Ganze nicht dem Schnitt zum Opfer gefallen ist, dann finde ich auch das lustig.
Zur Hörbuch-Aufmachung gibt es nicht viel zu schreiben: Das dicke Doppel-Jewelcase ist keine Schönheit, das Booklet definitiv zu dünn und inhaltslos, um leidenschaftlich darüber ins Schwärmen zu geraten, aber zu meckern gibt es hier eigentlich auch nix. Standard halt ...
Am Ende bekommt man Heinz Strunk. Nicht mehr und nicht weniger. Für 5 Sterne fehlt das durchgängig hohe Niveau von Gag und Anti-Gag bzw. ein durchgängig ausgeglichenes Verhältnis zwischen bloßer Beschreibung und interessanter Deutung. Zu viele Passagen sind einfach zu wenig eingängig und bleiben nicht in Erinnerung. Das beliebige Afrika-Setting kostet dann den vierten Stern.
Trotzdem kann und will ich diesem Werk nicht vorwerfen, dass es vorschnell auf den Markt geworfen worden wäre, um nach dem Fleckenteufel und der Zunge Europas noch einmal ordentlich abzukassieren. Dafür scheint mir "Heinz Strunk in Afrika" zu nah am Autor zu sein. Heinz Strunk erzählt aus seiner Welt und da bleibt es nunmal nicht aus, dass er auch Dinge erzählt, die nur wenig spannend, wenig prickelnd, wenig witzig, wenig nachdenklich und wenig was-weiß-ich-nicht-was sind. Jedenfalls hat mich das Hörbuch nicht immer und ständig angesprochen und auf Trapp gehalten.
Die vielen kleinen, positiven Elemente - die man überall verstreut zusammenklauben muss - bringen mich am Ende dann aber doch zu einer Bewertung von glatten 3,5 Sternen ! Die Tatsache, das gut ein Drittel des Buches für das Hörbuch herausgekürzt wurde, rechtfertigt dann am Ende die ( nur mögliche ) 3-Sterne-Bewertung.
Nachtrag am 20.01.: Vielleicht könnte mal jemand, der das Buch hat, nachkucken, ob das Buch auch mit diesem Satz endet: "Ich winke, bis der Junge hinter der Kurve verschwunden ist." Erfährt man tatsächlich nicht mehr, was Lucy Heinz geschenkt hat ? Sie überreicht ihm ein Geschenk und meint, er solle es erst zu Hause aufmachen. Das kriegt man aber nicht mehr mit.