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Produktinformation
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Die Biographie des Schliemann-Experten Franz Georg Brustgi läßt das faszinierende Bild eines sehr modernen Menschen entstehen: Mit dem Geschick und der Energie eines klugen Managers erwirbt sich Schliemann in jungen Jahren ein großes Vermögen, um sich von der Mitte seines Lebens an nur noch mit seinem Hobby zu beschäftigen.
Die Ausgangslage war: ärmste Verhältnisse, schwache Gesundheit und mangelnde Bildungsmöglichkeit. Dann ist es wie im Märchen: Die Börse, Geschäfte mit Indigo, ein eigenes Handelshaus in St. Petersburg, der Krimkrieg, Handel mit Salpeter, eine Weltreise und schließlich großer Reichtum - das waren die Voraussetzungen. Bis dahin hatte Schliemann sich zwanzig Sprachen und alles erreichbare Wissen über die Antike angeeignet. Mit der entsprechenden finanziellen Absicherung als Basis widmete er sich ganz der Archäologie. 1868 ließ er sich in Athen nieder. Als einziger all derer, die vorher nach Troja geforscht hatten, erkannte er bei dem Besuch des in Frage kommenden Geländes intuitiv die wirkliche Lage. 1871 tat Schliemann die ersten staatlich sanktionierten Spatenstiche. Seinem Finderglück verdankt man u.a. die Hebung der Goldschätze von Troja und des reichen Goldschmuckes der Königsgräber von Mykene. Seine Forschungsergebnisse wie schon zuvor die Berichte über alle entscheidenden Phasen seines abenteuerlichen Lebens hat er in Aufsätzen, Schilderungen und Briefen in klarer, lebendiger Sprache festgehalten.
Der Herausgeber Franz Georg Brustgi konnte auf diese anschaulichen Texte zurückgreifen, um das Leben einer der größten Persönlichkeiten unter den Entdeckern aller Zeiten darzustellen. Und er erfüllt mit seiner lebendigen Darstellung so gleichzeitig den Anspruch des Historikers auf Dokumentation.
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Über kaum ein anderes Forscherleben wissen wir soviel Bescheid wie über Schliemanns. Der Autor dieser Biographie hat die zahlreichen Aufzeichnungen und Briefe Schliemanns gesichtet und aus ihnen das Leben Schliemanns in einer zugegebenermaßen lebendigen Biographie rekonstruiert.
Doch außer dem angenehmen Lesefluss hat diese Biographie wenig zu bieten - der Autor ist völlig der Faszination Schliemanns erlegegen, an denen dieser schon zeitlebends gearbeitet hat. Der Autor dieser Biographie beschreibt das Leben so, wie es Schliemann in die Nachwelt überliefert haben wollte: Als einziges Abenteuer, in dem er immer als der strahlende Gewinner hervorging. Warum nur hat der Autor ausschließlich Schliemanns Aufzeichnungen verwendet und nicht auch auf andere Quellen zugegriffen, die oftmals verdeutlichen, wie sich Schliemann selbst ins rechte Licht rückte, in seinen Schilderungen teilweise maßlos übertrieb oder Erfahrungen als eigene verkaufte, die er gar nicht gemacht haben konnte?
Zu meiner negativen Wertung trägt auch bei, dass der Autor oftmals in romanhaftes Erzählen verfällt: Als Schliemann endlich in Troja angelangt ist, gibt es plötzlich lange Dialogszenen mit seiner Frau und seinen Mitarbeitern, die völlig belanglos wirken und noch ergänzt werden durch eigentümliche Naturbeschreibungen, die ebenso völlig fehl am Platz wirken. Und dann die Szenen, als Schliemann wieder in die Heimat zurückkehrt und sich auf plattdeutsch mit seinen alten Freunden unterhält ... furchtbar und überflüssig.
Als Schlussfazit lässt sich sagen, dass ich mir von einer Biographie über Schliemann weit mehr erwarte: Der Autor scheint sich nicht an einen Roman über Schliemann herangewagt zu haben und schreibt seine Biographie stattdessen in einem oft schwankhaften Erzählton. Um einen positiven Schluss zu finden:
Dieses Erzählwerk bleibt in ihrem Bilderreichtum sicherlich haften und macht Interesse, sich mehr mit Schliemann zu beschäftigen - aber als Biographie halte ich dieses Werk für recht untauglich. Ich empfehle daher die Biographie von Manfred Flügge ("Heinrich Schliemanns Weg nach Troia"), die weit kritischer an die Person Schliemanns herangeht und auch andere Quellen verwendet.
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