1665 war für den Dresdener Hofkomponisten Heinrich Schütz ein sehr arbeitsreiches Jahr - er komponierte u. a. seine drei Passionen (Matthäus, Johannes und Lukas), von denen die Johannespassion die kürzeste ist. Aber die Matthäuspassion ist die dramatischste unter den dreien.Sie wurde wohl am Sonntag Judica 1665 uraufgeführt.
Die Matthäuspassion ist von der Dauer und der Besetzungsliste diejenige, die am umfangreichsten ist, und daher auch am meisten Spielraum für Dramatik und Inszenierung des Geschehens eröffnet. Dies hat Schütz in vollem Rahmen ausgeschöpft und damit einen Schlußpunkt unter die lange Entwicklung der responsorischen Passionsform und mit dieser Passion einen Höhepunkt gesetzt.
Das tut auch die Aufnahme - sie läßt diese Passion in ihrer packenden Dramatik aufleben und zu einem unvergäglichem Passionsdrama werden. Dazu trägt neben dem hervorragend disponierten Chor (Textgestaltung: sehr gut; Darstellung der verschiedenen Emotionen der verschiedenen Volksgruppen: superb) unter Leitung von Martin Flämig, auch Peter Schreier als genial gestaltender Evangelist, H.Chr. Polsterer als souveräner Jesus, Siegfried Lorenz als zwischen den Stühlen eine Entscheidung finden müssender Pilatus und einem Judas (Hans Jürgen Wachsmuth), der falscher nicht sein kann. Aber auch Petrus mit seinen Widerstreitenden Gefühlen ist mit Hans Joachim Rotzsch ideal besetzt.
Die Aufnahme ist direkt, aber nie aufdringlich, auch der Chor ist hervorragend aufgenommen.
Das Booklet ist knapp, aber sehr informativ und bietet nur den deutschen Text.
Ein wirklich hörenswerte Aufnahme der unvergänglichen Matthäus-Passion von Heinrich Schütz.