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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
40 von 46 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Peter Longerich, Heinrich Himmler,
Von
Rezension bezieht sich auf: Heinrich Himmler: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Diese umfassende zeithistorische Schilderung des Lebensweges von Heinrich Himmler zeigt ihn nicht als eine Schreckensgestalt außerhalb aller Vorstellungsmöglichkeiten, sondern als einen bayrisch-deutschen Kleinbürger mit ungewöhnlicher, aber nicht unerklärlicher Ausnahmekarriere im Schatten von erstem Weltkrieg, Weimarer Krisenzeit und Hitler, für den er fast bis zum Schluß "der getreueste" war. Er entwickelte in dieser fast bedingungslosen Loyalität zum "Führer" als dem legitimen Gesetzgeber für eine deutsche und europäische Zukunft eine organisatorische ausführende Tätigkeit mit einer eigenen Anständigkeitsethik, die gewissermaßen technisch auf teilweise sehr hohem Niveau funktionierte, in anderen Teilen wenig erfolgreich war und insgesamt wegen der fast bis zum Ende völlig fehlenden Kommunikation zu den Himmler ja nicht unbekannten entgegengesetzten Wertsystemen in Deutschlands Tradition selbst und in der westlichen und östlichen Welt der Kriegsgegner monströs endete. Aber man erlebt in dieser Nachzeichnung Himmler und das NS- und besonders SS-System - für mich erstmals - als eine vorstellbare (verkehrte) "Normalität" mit ihren herrschenden Idealen. Widerwillig muß man anerkennen, daß Deutsche so denken und handeln konnten, ohne sich als Unmenschen zu erkennen, und daß selbst für Himmler selbst und die Mitarbeiter/Mittäter der Verbrechen ein fließender Übergang zu anderen Rahmenbedingungen der politischen und humanen Existenz denkbar und am Ende wünschbar war - wie z. B. Erich von dem Bach-Zelewski oder Karl Wolff (die nicht am Galgen endeten).Bei klarem Urteil wird so die übliche Dämonisierung der deutschen Gesamtwirklichkeit im Hitlerreich vermieden. Man "konnte" das weitgehend auch positiv sehen und dem Führer "folgen" bzw. zuarbeiten (positiv "entgegenarbeiten", wie Ian Kershaw die damals vertretene Auffassung formuliert hat). Das ist eine große und für die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte heute sehr wichtige Leistung. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Beispielhafte Biographie,
Von
Rezension bezieht sich auf: Heinrich Himmler: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Biographien über Menschen wie Himmler haben ein Problem: Da wird jemand zum Gegenstand eines dicken Buches, seine Familienverhältnisse, seine privaten Vorlieben, seine banalsten Gedanken sind von Interesse - und "verdient" hat er sich diese Zuwendung allein durch die schlimmsten Verbrechen, die man sich vorstellen kann. Eigentlich zu viel der Ehre. Auch wenn der Biograph das gar nicht will, kann er der Person so eine falsche Faszination verleihen oder gar zur Identifikation mit ihr einladen. Andererseits muß man sich mit Leuten wie Himmler befassen; er ist ja nicht ein Monster, das aus irgendeinem Sumpf gekrochen ist.Longerich hat dieses Dilemma in dem vorliegenden Buch ausgezeichnet gelöst: sein Buch wird mehr und mehr zugleich eine Geschichte der SS (und anderer Organisationen, über die Himmler herrschte). Das ist vollkommen richtig, denn die Geschichte der SS war Himmlers Geschichte und sagt viel mehr über ihn aus als irgendwelche psychologischen Deutungen seiner persönlichen Entwicklung, die doch nur Spekulationen bleiben können. Die vielen Fakten, die der Autor anführt, werden einem fast zu viel, bis zum Überdruß zählt er die Greueltaten auf, aber nur so kann man das Ausmaß des Schreckens - der von H. persönlich so gewollt und angeordnet war - wenigstens erahnen. Wie kam es, daß ein eigentlich durchschnittlicher junger Mann aus frommem Hause so ein grausames Denken entwickelte - und dann auch noch die Mittel und die Helfershelfer hatte, es in die Tat umzusetzen? Longerich beschreibt das, aber eine einfache Erklärung dafür liefert er nicht - weil es keine gibt. Ein hochinteressantes, aber auch bedrückendes Buch, mit dem man - nicht nur wegen seines Umfangs - nicht so schnell fertig wird. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Empfehlenswert - aber mit psychologischer Sichtweise....,
Von
Rezension bezieht sich auf: Heinrich Himmler: Biographie (Gebundene Ausgabe)
Dass die erste umfassende Biografie eines deutschen Historikers über Himmler über kurz oder lang ein Standardwerk zum Reichsführer SS bzw. seiner Organisation werden wird, steht außer Frage. Longerich hat sich auch nicht auf den Lorbeeren früherer Forschunge zur SS ausgeruht, sondern auch noch mal die archivalischen Quellen herangezogen, um ein Porträt des Mannes zu entwerfen, der wohl der maßgebliche Architekt des nationalsozialistischen Terrorapparates war. Für die Zeit bis zur Machtergreifung 1933 gelingt es Longerich gut, die Persönlichkeit Himmlers herauszuarbeiten. Für die Zeit danach verschwimmt die Person Himmler mit seiner Schöpfung, der SS - so schildert es zumindest Longerich. Aus seiner Sicht ist die SS als Organisation sehr stark durch Himmlers politische Einstellungen und theoretische Vorstellungen geprägt gewesen - besonders macht er dies daran fest, wie akribisch Himmler etwa das Familienleben der höheren SS-Führer um ihn überwachte und darin auch eingriff.Damit vertritt er die Theorie, die SS sei sehr stark auf Himmler persönlich zugeschnitten gewesen. Ohnehin nimmt Longerich eine sehr stark psychologisierende Sichtweise ein, auf die man sich erst einlassen muss bzw. die im Gegensatz zu anderen historischen Perspektiven steht. Dies war von vornherein so eingeplant und umfasst auch einen interessanten methodischen Aspekt des Buches: Longerich diskutierte mit diversen Psychologen über Himmler und arbeitete die Resultate dann in sein Buch ein. Offen bleiben muss, ob Himmler wirklich eine solche Riesenorganisation wie die SS bis in die kleinsten Facetten total kontrollieren und steuern konnte, wie es sich aus dieser psychologischen Sichtweise bisweilen andeutet. Zum Teil gelingt es Longerich, mit älteren Mythen aufzuräumen. Besonders sticht hervor, dass er die ältere Lehrmeinung, dass Himmler als Schreibtischtäter dem durch ihn hervorgerufenen Terror aus dem Weg ging, widerlegen konnte. Vielmehr zeigt er auf, dass Himmler schon in seiner Jugendzeit recht brutale Ansichten hatte und später z.B. häufig Exekutionen persönlich besuchte. Was mir etwas zu kurz kommt in der Biografie ist, dass Longerich wenig über das Verhältnis zwischen Hitler und Himmler schreibt - immerhin ist es interessant, dass letzterer eine unumstrittene Machtfülle an sich reißen konnte, ohne jemals wirklich zum engeren Kreis um Hitler gehört zu haben. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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