Das auch als Aufführung zu buchende Rezital (web-seite der Künstlerin) spannt einen Bogen von der frühen romantischen Lyrik über den Witz des politischen Liedes bis hin zu den tiefgründigen späten Schriften. Besonders suggestiv wird die Begegnung mit Heine durch die lebendige Verbindung von Sprache und Musik. Sein ironisch-heiterer bis bitter-sarkastischer Ton wird durch die Klaviermusik pointiert und kontrastiert. Gleichzeitig entstehen Freiräume zum Weiterdenken und Nachsinnen. Der Zuhörer erlebt Heine anders und neu: Nähe und Distanz zwischen der Zeit des Dichters und unserer Gegenwart werden in überraschender Weise transparent. Die Sprecherin Juliane Kosarev paart feine Nuancierung mit ausdrucksstarkem Gestus, beherrscht virtuos die gesamte Klaviatur des Mediums und steht in ihrer Lebendigkeit und ihrem schillernden Facettenreichtum förmlich im Raum. Eingeflochten: Klavierliteratur (u.a. Scarlatti, Schubert, Chopin, Bartok), Eigenkompositionen und Improvisationen des erfahrenen, kreativen und souveränen Pianisten Michael Proksch, der die Lyrik so passend und sensibel veredelt, dass es scheint, als habe Heine als Multitalent diese Gesamtkomposition selbst geschaffen.