Als Spieler 6 x deutscher Meister, 4 x Europapokalsieger, Weltmeister. Als Trainer 3 x deutscher Meister, Europameister, Gewinner der Silbermedaille in Athen, Weltmeister im eigenen Land. Fürwahr, eine stolze Bilanz.
Die Rede ist vom Handballer Heiner Brand, einem der wenigen bedeutenden Sportlerpersönlichkeiten in Deutschland, unverwechselbar in seiner knorrigen, ehrlichen, mitunter auch kauzig wirkenden Art Marke "Dackelblick mit Schnauzbart in rückenlädiertem Gang".
Seine Autobiographie, die er mit Hilfe des Sportjournalisten Frank Schneller zu Papier gebracht hat, besticht durch den häufigen Perspektivenwechsel, der keine Langeweile aufkommen läßt. Das Buch setzt ein und endet mit jeweils einer spannenden Reportage des WM-Finales 1978 in Kopenhagen (Deutschland - Rußland 20:19) bzw. der WM 2007 in Deutschland. Zwischen diesen beiden Großereignissen finden sich lebendige Beschreibungen vieler weiterer Spielhöhepunkte, so daß sich fast beiläufig eine Geschichte des deutschen Handballs von 1972 bis heute ergibt.
Doch nicht etwa eine Aneinanderreihung von Spielberichten erwartet den sportinteressierten Leser. Anrührend ist z.B. das Kapitel über Brands Freund Joachim Deckarm und seinen Gegenspieler Lajos Panovic, der nach dem furchtbaren Zusammenprall nie mehr Handball spielte. Brand wagt auch Außenblicke auf seine Person, indem er zahlreiche Wegbegleiter, aber auch seine Familie um Beiträge bat.
Fazit: Heiner Brand ist nicht der naheliegenden Gefahr erlegen, sich zur kantenfreien Handball-Ikone zu stilisieren bzw. stilisieren zu lassen. So wagt er es z.B. durchaus, gegen die mächtige Bundesliga-Lobby zu Felde zu ziehen. Ihm ist eine authentische Biographie gelungen, die ich uneingeschränkt zur Lektüre empfehle.