Ein gutes Beispiel, dass bekannte Namen nicht für Qualität bürgen. Von den drei Sprechern liest einzig Khuon die Harzreise mit guter Betonung vor. Liefers spricht die wunderschönen Verse von Deutschland. Ein Wintermärchen so gleichmütig, als ob er einen fremdsprachlichen Text vor sich hätte, dessen Inhalt er nicht versteht. "Ein neues Lied, ein besseres Lied will ich Euch singen!" klingt bei ihm wie eine Zeile aus einer Anweisung, wie man eine Steuererklärung ausfüllt. Darüber hinaus gleitet er noch ins Alberne ab, wenn er etwa Vater Rhein eine Hüstelstimme verpasst. Thalbach liest die Gedichte mit der übertrieben mütterlichen Intonation einer guten alten Tante. Dass Heine auch in seinen Liebesgedichten ironisch werden konnte, ist ihr völlig entgangen.
Schade, der hohe Standard, den Gert Westphal vor mittlerweile 40 Jahren mit der "Lyrik und Jazz"-Edition (zusammen mit Attila Zoller) gesetzt hat, wird weit verfehlt. Glücklicherweise ist Heinrich Heine - Lyrik und Jazz jetzt wieder bei Amazon als CD verfügbar!