Eine schwierige Aufgabe: Wie beschreibt man seinen Lieblingsfilm, dazu noch möglichst objektiv? Und noch viel schwieriger: Wie bringt man mit dieser Beschriebung den Leser dazu, sich eine DVD von einem Film zu kaufen, den hierzulande kaum jemand kennt? Ich werde es versuchen...
Wenn sich jemand wundern sollte, warum die Amazon-Beschreibung der Handlung aus nur drei Sätzen oder so besteht, dann sei diesem hiermit gesagt: das ist wirklich die gesamte Handlung des Filmes. Und gerade das macht ihn so überragend. Sohn kommt in Dorf zurück, Vater soll nach altem Brauch beerdigt werden, Sohn versteht das nicht. Sohn erinnert sich an die Liebesgeschichte seiner Eltern...und am Ende VERSTEHT er. Das ist alles. Aus so einer dünnen Handlung einen so ergreifenden Film zu basteln (noch dazu wenn man deren Ausgang von Anfang an kennt)- das ist wahre Filmkunst. Am imposantesten waren für mich dabei das Spiel mit den Farben und die daraus resultierenden, gegensätzlichen Atmosphären. Während die Gegenwart, in der der Sohn in sein Heimatdorf zurückkehrt, trist und grau ist, werden bei der Rückblende auf die Liebesgeschichte die Bilder bunt und lebendig - ein cineastischer Hochgenuss. Untermalt von einer bezaubernden Musik (hat mich ein wenig an Braveheart erinnert - warum gibt es dazu keinen Soundtrack?) nimmt man Bilder wahr, die lange in Erinnerung bleiben sollen. Das Ende dann, der "Heimweg" des Vaters ist einfach nur ergreifend und drückt auf die Tränendrüse. Die meisten werden es erahnt haben - dies ist ein besinnlicher Film.
Wem sich das alles zu langweilig anhört, dem wird der Film auch nicht gefallen. Aber wer einmal etwas anderes erleben möchte als diesen vereinheitlichten Hollywood-Brei (ja, es gibt Ausnahmen) und wer auf ehrliche Gefühle in einem 'einfachen' Film mit unbekannten Gesichtern steht, dem sei dieser Film ans Herz gelegt, denn genau da bleibt er auch hängen. Ich habe "Heimweg" zufällig im Kino gesehen, er lief eine Woche lang, einmal am Tag um 17 Uhr oder so. Wenn ich bedenke, dass Filme wie zB "Spiderman" ca. 37 Wochen in den deutschen Kinos laufen und dabei noch nicht einmal gut sind oder einem irgendeine Erkenntnis mit auf den Weg geben (außer der, dass Hollywood mehr und mehr den Anspruch einbüßt, unterhalten zu können, ohne 20.000 Special Effects einzusetzen) dann frage ich mich doch was das soll!? Gehöre ich tatsächlich zu einer aussterbenden Minderheit von Personen, die den einfachen, gefühlvollen Film einem künstlichen Film mit verwobenenem, irrealem Plot und aberschönen, zerschminkten Puppengesichtern vorziehen? Es gibt wirklich viele gute Hollywood-Filme, gar kein Zweifel, aber es ist einfach nur Schade, dass man keine Möglichkeit bekommt, auch die anderen zu sehen und für sich zu entdecken. Also: hier ist Eure Chance, einmal einen 'anderen' Film, fernab vom Glamour Hollywoods, zu erfahren. 28¤ sind viel Geld für einen unbekannten Film, aber wen meine Beschreibung angesprochen hat, der dürfte dieses durchaus mal riskieren. An alle Hollywood-Fetischisten: Hände weg, zu langweilig! ;-)