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Heimsuchung
 
 

Heimsuchung (Gebundene Ausgabe)

von Jenny Erpenbeck (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 190 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (Februar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821857730
  • ISBN-13: 978-3821857732
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 12,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 113.835 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Jenny Erpenbecks neuer Roman besteht zum größten Teil aus Respekt: Respekt vor den wirklichen Menschen, vor den Figuren, vor all diesen Wahrheiten." (Die Zeit, 29. Mai 2008) "Erpenbeck ist unter den Autoren ihrer Generation die leise Poetin. Die Wucht ihrer Sprache liegt nicht in den einzelnen Worten, sondern zwischen den Sätzen Heimsuchung ist ein Meisterwerk." (Der Spiegel, 10. März 2008) "Ein Dutzend lose miteinander verknüpfter Geschichten von Schuld und Sühne: hochkonzentrierte lyrische Prosa, nacktes Gerippe ohne episches Fett, ohne Dialoge und meistens auch ohne Namen. (...) Heimsuchung ist virtuos durchkonstruiert." (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. Februar 2008) "In wenigen Sätzen, kurzen Szenen und Dialogen zeichnet Jenny Erpenbeck zwölf spannende und berührende Einzelschicksale, die mit diesem Grundstück an einem See bei Berlin verbunden sind. (...) Es gelingen ihr raunende Untertöne, märchenhafte Szenerien, traumhafte Situationen zuwischen Realität und Wahnsinn. (...) Große Geschichten um ein kleine Stück Erde, epische Geschichtsschreibung auf höchstem Niveau." (Rainer Schmitz in: Focus, 4. Februar 2008) "Jenny Erpenbecks schmaler Roman ist voll von kleinen und großen Schicksalen. Was sich in Deutschland zusammenbraute, beeinflusste das Leben gerade derjenigen, die darauf hofften, sich in ein märkisches Idyll zurückzuziehen. Dem geschichtlichen Wandel steht dabei die Tegelmäßigkeit des Jahreszeitenrhythmus gegenüber, (...) Durch Stilmittel der Wiederholung, die von ferne an den Nouveau Roman erinnern, kreiert Jenny Erpenbeck damit einen litaneiartigen Ton, einen märchenhaften, von Elementen des Volksaberglaubens getragenen Gesang, ..." (Rainer Moritz in: Die Welt, 2. Februar 2008) "Der Balanceakt zwischen Einfühlung und Distanz, Sammeleifer und Askese, Kunstwollen und Chronisten-Ambition verstärkt noch die ballerinenhafte Anspannung, mit der Jenny Erpenbecks Prosa einen permanenten Spitzentanz vorführt." (Süddeutsche Zeitung, 9./10. Februar 2008)

Kurzbeschreibung

Heimsuchung reicht tief in die deutsche Vergangenheit. Eine literarische Spurensuche von stupender Wucht

Ein Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, fünfzehn Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den Zwanzigerjahren bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Jedem einzelnen Schicksal gibt Jenny Erpenbeck eine eigene literarische Form, jedes entfaltet auf ganz eigene Weise seine Dramatik, seine Tragik, sein Glück. Alle zusammen bilden eine Art kollektives literarisches Gedächtnis des letzten Jahrhunderts, geformt in einer Literatur, die nicht nur großartige Sätze und Bilder zu bieten hat, sondern die auch Wunden reißt, verstört, beglückt, verunsichert und versöhnt.

Worin das Geheimnis dieser Geschichten besteht, woraus sich ihr Glanz, ihre Wucht und ihre eminente Dramatik entfalten, ist schwer zu sagen. Sicher aber ist eins: Mit diesem Buch ist Jenny Erpenbeck ihr Meisterstück gelungen.

»Immer, wenn Jenny Erpenbeck ihren scharfen Blick auf die Dinge richtet, verändern sie sich blitzartig. Die Oberfläche schmilzt. Darunter kommt zum Vorschein, was als subkutane Irritation die Figuren bewegt.« Frankfurter Allgemeine Zeitung


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35 von 38 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Ungewöhnlich, 2. Februar 2008
Als ich den Klappentext las und so etwas wie eine minimalistische Familiensaga erwartete, war ich nach dem Lesen der ersten Hälfte erst mal enttäuscht. Es werden unterschiedliche Personen und deren Situationen vor verschiedenen geschichtlichen Hintergründen scheinbar zusammenhanglos und recht knapp beschrieben. Die Menschen haben keinerlei Verbindung miteinander, kennen sich oftmals gar nicht und allen gemeinsam ist nur, dass sie in irgendeiner Weise mit einem Grundstück oder dem später darauf stehenden Haus in Brandenburg zu tun haben.
Also überdachte ich meine Vorurteile und lies mich ganz neu auf dieses Buch ein und sieh da: Es gehört zu den besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe.
Jenny Erpenbeck schafft es, jedem Charakter eine ganz eigene Art zu verleihen, auch durch den unterschiedlichen Schreibstil; sie schreibt zwar zügig und beschreibt die Person eher tief als breit, doch genau das macht den Reiz dieses Buches aus.
Beim Lesen zieht ein Jahrhundert deutscher Geschichte am Leser vorbei und gerade die Tatsache, dass es sich nicht um eine umfangreiche Geschichtsstunde handelt, sondern einzelne Personen, die so real erscheinen, als hätte Jenny Erpenbeck Zugriff auf deren Tagebücher gehabt, Spuren hinterlassen, die im Gedächtnis bleiben finde ich großartig.
Ein ungewöhnliches und tolles Buch, das man idealerweise ohne falsche Erwartungen lesen sollte. Mittlerweile sage ich: "Zum großen Glück: Nicht noch eine Saga!"
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29 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Heimstatt, Heimweh, Heimatlos, Heimgehen... Heimat, 10. März 2008
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 50 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Eine Definition des Begriffes Heimat zu geben ist sicherlich schwierig. Unterschiedliche Erlebnisse und Erinnerungen formen dabei die persönliche Erklärung.
Heimat muss keine lokale Prägung haben, sondern ist eher eine Beziehung zwischen Mensch und Raum.
Zwar hat Jenny Erpenbeck in ihrem großartigen Roman "Heimsuchung" eine ganz konkrete Heimstatt, nämlich ein Haus am Märkischen Meer in Mecklenburg ausgewählt, aber auch ihre Bewohner definieren den Begriff Heimat jeder auf andere Art und Weise.

Dieses Haus, errichtet in den 20er Jahren und bewohnt bis zur Jahrtausendwende, dient der Autorin gleichfalls nur als Hülle, als Rahmengerüst für ihr kunst- und genussvolles Wortgemälde. Am Ende verfällt es, wird abgerissen.

Anhand von zwölf Einzelschicksalen erzählt Erpenbeck die Suche und Sehnsucht des Menschen nach Heimat. Dabei streckt sie den eigentlich unbedeutenden Zeitraum um eine Zeitspanne von achtzig Jahren, beginnend in den Zwanzigern.
Ein Berliner Architekt, ein jüdischer Tuchfabrikant und ihre Familien und Schicksale rankt Erpenbeck um dieses Haus und das Grundstück.

Mit kurzen, prägnanten Sätzen, die sich von Zeit zu Zeit wiederholen, erzeugt die Autorin eine derart gefühlsmäßige Durchschlagkraft, die beinahe einem emotionalen Knockout gleichkommt, dass dem Leser der Atem stockt, Manchmal ist weniger mehr!

Und so verfolgt der Leser die wechselnden Besitzer der Räumlichkeiten, betritt mal dieses, mal jenes Zimmer, erfährt etwas über Frau des Architekten, die Kinder des Juden, die einmarschierenden Rotarmisten.
Als wiederum der Architekt ein paar Jahre später selbst vor dem DDR-Regime flieht, finden neue Bewohner Heimstatt im Haus, so die aus dem Exil heimkehrende Schriftstellerin, die wiederum der polnischen Mutter ihres Schwiegersohnes eine neue "Heimat" gewährt. Diese gehört zu der melancholischsten, gleichzeitig jedoch schönsten Erzählung Erpenbecks. Trotz des traurigen Untertons ist eine stille Freude darin. Großartige Worte wie Musik.

Verbindendes Glied und Einschub hinter jedem Einzelschicksal ist der Gärtner, der gleichsam stumm und scheinbar unveränderlich die Vegetation des Gartens am Leben erhält, der rodet und neu anpflanzt - je nach Wunsch der jeweiligen Besitzer -, bewässert und pflegt, wo diese doch am Ende auch gut ohne ihn auskommt und den Abbruch des Hauses überdauert. Er dient nach jedem Kapitel als emotionale "Bremse", mindert mit seiner beruhigenden Pflege und Hege der Natur die Wucht, die zerstörerische Kraft von Erpenbecks Text.

Erpenbecks Texte erzeugen trotz ihrer augenscheinlichen Marginalität eine permanente Sogwirkung, eine starke innere Spannung, der sich zu entziehen kaum möglich ist. Scheint anfänglich vieles noch vage, nur angedeutet und hingetupft, so verdichtet sich der Stoff von Seite zu Seite zunehmend, um beinahe tiefenpsychologische Dramatik zu erreichen. Dabei rollt die Autorin ihre Dramen nicht nacheinander ab, sondern stapelt sie neben- und übereinander, verknüpft, dröselt auf und webt wieder zusammen und lässt so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beinahe gleichzeitig existieren. Nur der Wechsel der Sprach- und Stilebenen markiert das Vergehen der Zeit.

Die Enkelin der Schriftstellerin, die letzte Bewohnerin, ist wohl Jenny Erpenbecks Alter Ego. Denn das Reethaus am See, Ausgangspunkt und Ziel dieser Heim-Suchung, wurde 1936 tatsächlich von einem Berliner Architekten erbaut und ging nach dem Krieg in den Besitz ihrer Großeltern Hedda Zinner und Fritz Erpenbeck über.

Fazit:
"Heimsuchung" ist ein anmutiges, episches wie poetisch verdichtetes Lesevergnügen der menschlichen Suche und Sehnsucht nach Heimat, indem die Autorin zwölf verknappte Lebensläufe vorstellt, die alle mehr oder weniger miteinander verwoben und untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden sind.

Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 wäre Jenny Erpenbeck eine wahrhaft würdige Gewinnerin, denn ihre Sätze stehen nicht einfach auf dem Papier, sondern sie sind unterwegs zum Leser, der sich ihrer bedienen kann.

So sieht große Literatur aus!
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3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Zeitzeugen, 29. Dezember 2008
"Woher er gekommen ist, weiß im Dorf niemand. Vielleicht war er schon immer da." - der Gärtner.
Zwölf Lebensgeschichten und Ausschnitte von Lebenswegen eines Jahrhunderts deutscher Geschichte verbindet und begleitet der Gärtner, der immer wieder in Takt bringt, was die Vorbesitzer in Unruhe hinterlassen haben.

Ein Grundstück am See, eine Villa nahe Berlin wechselt seine Besitzer vom Wurrach, dem Großbauern und seinen vier Töchtern zum Tuchhändler, dem Architekten, einer Schriftstellerin, die aus dem Exil heimkehrt, einer polnischen Schwiegermutter, den jeweiligen Erben und Pächtern. Nun ist der letzte Auswege des jüdischen Tuchhändlers, die Villa an den Architekten zu verkaufen, um die Flucht der Familie nach Übersee zu finanzieren; bleibt der Frau des Architekten (dieser ein Mitarbeiter der Gruppe Albert Speers) keine Wahl, mit russische Soldaten ihr Haus zu teilen; wird der Architekt seinerseits das Anwesen (mit seinen verspielten, mechanischen Feinheiten, etwa zum Öffnen der Fensterläden) zurücklassen, um dem System der DDR zu entkommen.

In zwölf Einzelschicksalen, getrennt durch die Anwesenheit des Gärtners erzählt Jenny Erpenbeck von der Entstehung des Hauses, der Bepflanzung und Rodung des Gartens bis zur Enteignung und dem Abbruch, des liebevoll inszenierten Gebäudes. Jeder einzelne Erzähler, jede Erzählerin bedient sich der eigenen Stimme, des eigenen Wortlauts. Jeder Bewohner ist sowohl Täter im Leben eines anderen, als auch Opfer von Gewalt, Hass und Vertreibung. Dem Leser wird ein Blick ins Innerste der Menschen gewährt, ohne sich dabei mit Oberflächlichkeiten wie Aussehen, Alter oder gängigen Charaktereigenschaften aufzuhalten.

In zwei Gruppen geteilt stellen die Erzählungen eine Verbindung zueinander her. Jedes Schicksal kann einzeln aber auch als Teil des Ganzen betrachtet werden. Der Wechsel von Perspektive, Sprache und Epoche ist einerseits klar durch die einzelnen Kapitel getrennt, andererseits jedoch eine Herausforderung, da die Charaktere den Fortgang der Handlung maßgeblich aufbauen und sie in ihrem Auftritt nicht zwingend eine Reihenfolge beibehalten.

Was mich besonders beeindruckt hat: die Konzentration aufs Wesentliche.
Was neu für mich war: die Aneinanderreihung der unterschiedlichsten Bräuche für Heirat und Begräbnis im Kapitel des Großbauern und seiner Töchter.
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