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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
42 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Ungewöhnlich,
Von Mariele "Mariele" (Berlin) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Heimsuchung (Gebundene Ausgabe)
Als ich den Klappentext las und so etwas wie eine minimalistische Familiensaga erwartete, war ich nach dem Lesen der ersten Hälfte erst mal enttäuscht. Es werden unterschiedliche Personen und deren Situationen vor verschiedenen geschichtlichen Hintergründen scheinbar zusammenhanglos und recht knapp beschrieben. Die Menschen haben keinerlei Verbindung miteinander, kennen sich oftmals gar nicht und allen gemeinsam ist nur, dass sie in irgendeiner Weise mit einem Grundstück oder dem später darauf stehenden Haus in Brandenburg zu tun haben.Also überdachte ich meine Vorurteile und lies mich ganz neu auf dieses Buch ein und sieh da: Es gehört zu den besten, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Jenny Erpenbeck schafft es, jedem Charakter eine ganz eigene Art zu verleihen, auch durch den unterschiedlichen Schreibstil; sie schreibt zwar zügig und beschreibt die Person eher tief als breit, doch genau das macht den Reiz dieses Buches aus. Beim Lesen zieht ein Jahrhundert deutscher Geschichte am Leser vorbei und gerade die Tatsache, dass es sich nicht um eine umfangreiche Geschichtsstunde handelt, sondern einzelne Personen, die so real erscheinen, als hätte Jenny Erpenbeck Zugriff auf deren Tagebücher gehabt, Spuren hinterlassen, die im Gedächtnis bleiben finde ich großartig. Ein ungewöhnliches und tolles Buch, das man idealerweise ohne falsche Erwartungen lesen sollte. Mittlerweile sage ich: "Zum großen Glück: Nicht noch eine Saga!" Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Großartig,
Von Tangerine (Oldenburg) - Alle meine Rezensionen ansehen
Rezension bezieht sich auf: Heimsuchung (Gebundene Ausgabe)
Dies Buch ist schmal, aber dafür sprachlich umso durchschlagskräftiger. Auch ich hatte eine komplizierte, vielleicht etwas langatmige Familiensaga (etwa à la "Die Mittagsfrau") erwartet und wurde so positiv überrascht, dass ich dieses Buch jedem empfehlen möchte, der sich an dem guten und glasklaren Umgang mit der deutschen Sprache erfreuen kann, wie Erpenbeck ihn beherrscht. Dieses Buch ist große Kunst!Wie eben hingetupft erscheinen die Umrisse der beschrieben Figuren, und doch ergibt sich durch die Kunstfertigkeit der Autorin - und eben durch das viele Weglassen - ein umso eindrücklicheres Bild im eigenen Kopf. Gerade dass man nicht alles auf dem Silbertablett serviert bekommt, macht das Buch zu einem (nicht nur, aber auch intellektuellen) Vergnügen. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
23 von 27 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Heimstatt, Heimweh, Heimatlos, Heimgehen... Heimat,
Von Heike Geilen (Dresden) - Alle meine Rezensionen ansehen (HALL OF FAME REZENSENT) (TOP 100 REZENSENT) (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Heimsuchung (Gebundene Ausgabe)
Eine Definition des Begriffes Heimat zu geben ist sicherlich schwierig. Unterschiedliche Erlebnisse und Erinnerungen formen dabei die persönliche Erklärung.Heimat muss keine lokale Prägung haben, sondern ist eher eine Beziehung zwischen Mensch und Raum. Zwar hat Jenny Erpenbeck in ihrem großartigen Roman "Heimsuchung" eine ganz konkrete Heimstatt, nämlich ein Haus am Märkischen Meer in Mecklenburg ausgewählt, aber auch ihre Bewohner definieren den Begriff Heimat jeder auf andere Art und Weise. Dieses Haus, errichtet in den 20er Jahren und bewohnt bis zur Jahrtausendwende, dient der Autorin gleichfalls nur als Hülle, als Rahmengerüst für ihr kunst- und genussvolles Wortgemälde. Am Ende verfällt es, wird abgerissen. Anhand von zwölf Einzelschicksalen erzählt Erpenbeck die Suche und Sehnsucht des Menschen nach Heimat. Dabei streckt sie den eigentlich unbedeutenden Zeitraum um eine Zeitspanne von achtzig Jahren, beginnend in den Zwanzigern. Ein Berliner Architekt, ein jüdischer Tuchfabrikant und ihre Familien und Schicksale rankt Erpenbeck um dieses Haus und das Grundstück. Mit kurzen, prägnanten Sätzen, die sich von Zeit zu Zeit wiederholen, erzeugt die Autorin eine derart gefühlsmäßige Durchschlagkraft, die beinahe einem emotionalen Knockout gleichkommt, dass dem Leser der Atem stockt, Manchmal ist weniger mehr! Und so verfolgt der Leser die wechselnden Besitzer der Räumlichkeiten, betritt mal dieses, mal jenes Zimmer, erfährt etwas über Frau des Architekten, die Kinder des Juden, die einmarschierenden Rotarmisten. Als wiederum der Architekt ein paar Jahre später selbst vor dem DDR-Regime flieht, finden neue Bewohner Heimstatt im Haus, so die aus dem Exil heimkehrende Schriftstellerin, die wiederum der polnischen Mutter ihres Schwiegersohnes eine neue "Heimat" gewährt. Diese gehört zu der melancholischsten, gleichzeitig jedoch schönsten Erzählung Erpenbecks. Trotz des traurigen Untertons ist eine stille Freude darin. Großartige Worte wie Musik. Verbindendes Glied und Einschub hinter jedem Einzelschicksal ist der Gärtner, der gleichsam stumm und scheinbar unveränderlich die Vegetation des Gartens am Leben erhält, der rodet und neu anpflanzt - je nach Wunsch der jeweiligen Besitzer -, bewässert und pflegt, wo diese doch am Ende auch gut ohne ihn auskommt und den Abbruch des Hauses überdauert. Er dient nach jedem Kapitel als emotionale "Bremse", mindert mit seiner beruhigenden Pflege und Hege der Natur die Wucht, die zerstörerische Kraft von Erpenbecks Text. Erpenbecks Texte erzeugen trotz ihrer augenscheinlichen Marginalität eine permanente Sogwirkung, eine starke innere Spannung, der sich zu entziehen kaum möglich ist. Scheint anfänglich vieles noch vage, nur angedeutet und hingetupft, so verdichtet sich der Stoff von Seite zu Seite zunehmend, um beinahe tiefenpsychologische Dramatik zu erreichen. Dabei rollt die Autorin ihre Dramen nicht nacheinander ab, sondern stapelt sie neben- und übereinander, verknüpft, dröselt auf und webt wieder zusammen und lässt so Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beinahe gleichzeitig existieren. Nur der Wechsel der Sprach- und Stilebenen markiert das Vergehen der Zeit. Die Enkelin der Schriftstellerin, die letzte Bewohnerin, ist wohl Jenny Erpenbecks Alter Ego. Denn das Reethaus am See, Ausgangspunkt und Ziel dieser Heim-Suchung, wurde 1936 tatsächlich von einem Berliner Architekten erbaut und ging nach dem Krieg in den Besitz ihrer Großeltern Hedda Zinner und Fritz Erpenbeck über. Fazit: "Heimsuchung" ist ein anmutiges, episches wie poetisch verdichtetes Lesevergnügen der menschlichen Suche und Sehnsucht nach Heimat, indem die Autorin zwölf verknappte Lebensläufe vorstellt, die alle mehr oder weniger miteinander verwoben und untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden sind. Nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 wäre Jenny Erpenbeck eine wahrhaft würdige Gewinnerin, denn ihre Sätze stehen nicht einfach auf dem Papier, sondern sie sind unterwegs zum Leser, der sich ihrer bedienen kann. So sieht große Literatur aus! Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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