Wieder ein Buch von Selim Özdogan, dem man in jeder Faser seiner Seiten anmerkt, wie Geschichte geschrieben wurde, eine fesselnde Geschichte übers Finden und Verlieren von Heimat.
Gül, die ihrem Mann hinterherzog in ein fremdes Land, mit einem Köfferchen, denn für lang wirds ja nicht sein. Die ihre kleine Tochter sieht, wie sie sich aus Kummer über das Weggehen der Mutter ihr Kleinkindgesicht zerkratzt und Gül dieses Bild zwei Jahre nicht aus ihrem Kopf bekommt und auch nicht das, wie sie körperlich spürt, dass ihre ältere Tochter fast im Schwimmbecken ertrinkt. Es wächst die Entfernung mit den Jahren, jedoch die Vertrautheit mit dem fremden Land nicht mit ihnen.
Die Heimat und die Familie in den sommerlichen Besuchen wieder zu finden, gelingt Gül nur selten und flüchtig und nur den technischen Errungenschaften ist es zu danken, dass sie die Stimme ihres Vaters, des Schmieds, bald öfter auch in der Ferne hören kann. Sie bleibt trotzdem fremd in einem fremden Land.
Die Rückkehr in die Türkei, in ihr Heimatdorf, ist ebenso schmerzlich, die fremden Erfahrungen brennen in ihren Augen und Viele, die sie zurück gelassen hatte, als sie nach Deutschland ging, lesen falsch daraus.
Voll Liebe verfolgt man den Weg Güls, deren Mutter so schön war "wie ein Stück vom Mond", die sich als kleines Mädchen mit der Schleife im Haar fotografieren ließ, welche nur geborgt war, und aus der nun eine Frau geworden ist, der man den Kummer ansieht, den sie sich in einsamen Stunden wie ein Schild rings um ihren Körper zugelegt hat.
Selim Özodgan versteht es wiederum den Leser mit seiner Geschichte in den Bann zu ziehen, mit ihm eine Zeitreise zu unternehmen, die so gegenwärtig erscheint, als ob er von heutigem Erleben spräche.
Wem der Einstieg in dieses Buch schwer fällt, dem sei die Kindheitsgeschichte der Heldin "Die Tochter des Schmieds" wärmstens an Herz gelegt.
Mit all seinem Herzblut erzählt dort der Autor die Geschichte eines kleinen Mädchens, das viel Kraft aus sich allein schöpfen muss und dem es gelingt, groß im Herzen und in seinen Gefühlen zu werden.