Viel bleibt nach der Lektüre nicht übrig für jene, die an den Erfolg von Familienpolitik glauben, an Gleichberechtigung und daran, dass seit den letzten sechzig Jahren ungemein viel zur Förderung von Müttern und Familien getan wurde, sowohl im erwähnten Politikressort als auch in der unmittelbaren Wahrnehmung durch Gesellschaft und Politik.
Nun kann man Frau Ortgies durchaus auch eine gewisse Einseitigkeit vorwerfen: Wer sagt denn, dass eine in Teilzeit erwerbstätige oder gar in Vollzeit daheim aktive Frau per se unglücklich ist? Auch diese Lebensmodelle haben eine Existenzberechtigung, freilich, wie Ortgies sehr deutlich aufzeigt, zunehmend weniger im Gefolge der aktuellen Unterhaltsbestimmungen, die sie zu Verliererinnen machen, wenn ihr Mann sie, was nicht selten vorkommt, schließlich gegen eine Jüngere austauscht.
Selbstverständlich sind auch nicht alle der von Ortgies präsentierten Fakten und Statistiken neu, doch sie weiß diese zu interpretieren und mit den politischen Gegebenheiten in einen Zusammenhang zu setzen. Die Interviews und Fallbeispiele wirken lebendig, in keiner Weise "gestellt" oder durch Suggestivfragen beeinflusst, und geben recht klar wieder, woran es krankt in Deutschland, während einige Nachbarländer, vor allem die skandinavischen, kluge Lösungen gefunden haben, wie Kinder und Job, möglichst auch die ganze Familie unter einen Hut zu bekommen sind.
Was sich tun lässt, um die Unternehmen in die Pflicht zu nehmen, denen häufig der langzeitige Ausfall oder letztlich Wegfall von hoch qualifizierten Führungs- und Fachkräfte zu schaffen macht, die aber dennoch wenig zur Förderung ihrer Mitarbeiterinnen in Gang setzen, gibt die Autorin nicht an, wohl aber manches nachahmenswerte Beispiel.
Neue Väter braucht das Land, so das Fazit, und nicht etwa solche, die sich während der Elternzeit verzweifelt an den Rechner setzen, um triviale Abenteuer mit dem Baby zum Besten zu geben, sondern auch jene, die ihr Baby wickeln und füttern und auch mal hoch in die Luft werfen, damit es das Gefühl des Aufgefangenwerdens - und des Fliegens - kennenlernt.
Die Männer sind an allem schuld! Dieser Aussage schließt sich die Autorin keineswegs bedenkenlos an. Denn natürlich haben auch die Männer eine Prägung erfahren, und dass diese sich seit Jahrzehnten nicht wesentlich ändert, kann kaum nur an der sozialen Prägung liegen.
Standardlösungen für Beziehungs- und Arbeitsplatzprobleme bietet dieses Buch zwar nicht, wohl aber viele Impulse zum Nachdenken und Bessermachen.