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Heimatmuseum
 
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Heimatmuseum [Gebundene Ausgabe]

Siegfried Lenz
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 654 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe; Auflage: 1. - 100. Tsd. (1978)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3455042228
  • ISBN-13: 978-3455042221
  • Größe und/oder Gewicht: 21,4 x 14,6 x 4,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (8 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 354.647 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Siegfried Lenz
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Äußerlich betrachtet ist dieser Roman die Geschichte eines masurischen Heimatmuseums durch etwa sechzig Jahre. Davon ausgehend, dass Weltkunde mit Heimatkunde beginnt, erzählt Siegfried Lenz von dem unausrottbaren Wunsch, die krummen Pfade masurischer Herkunft zu verfolgen, von der sonderbaren Leidenschaft, entlegenes Leben dem Zufall zu entreißen, von politischem Machtanspruch selbst gegenüber der Vergangenheit, von Flucht und Lebensgründung und von der Gleichgültigkeit der Geschichte, die viele unserer Entwürfe widerlegt.
Worauf es dem Autor besonders ankam: die Äußerungsformen eines verlorenen Landes und seiner Menschen noch einmal zu sammeln und aufzuschreiben: Sprache, Brauchtum, gewachsene Eigenart, frei vor aller Pronvinz-Mystik und mit dem erklärten Wunsch, einigen belasteten Begriffen ihre Unverfänglich wiederzugeben. So gesammelt und bewahrt, wird das Erzählte auf seine Weise zum Inventar eines erschriebenen Heimatmuseums.Siegfried Lenz, am 17. März 1926 in Lyck (Ostpreußen) geboren, begann nach dem Krieg in Hamburg das Studium der Literaturgeschichte, Anglistik und Philosophie. Danach wurde er Redakteur. Seit dem Erscheinen seines ersten Romans "Es waren Habichte in der Luft" im Jahre 1951 zählt er zu den profiliertesten deutschen Autoren. Seit 1951 lebt Lenz als freier Schriftsteller in Hamburg.

Klappentext

Äußerlich betrachtet, ist dieser Roman die Geschichte eines masurischen Heimatmuseums durch etwa sechzig Jahre. Davon ausgehend, daß Weltkunde mit Heimatkunde beginnt, erzählt Siegfried Lenz von dem unausrottbaren Wunsch, die krummen Pfade masurischer Herkunft zu verfolgen, von der sonderbar Leidenschaft, entlegenes Leben dem Zufall zu entreißen, von politischem Machtanspruch selbst gegenüber der Vergangenheit, von Flucht und Lebensgründung und von der Gleichgültigkeit der Geschichte,die viele unserer Entwürfe widerlegt.

Worauf es dem Autor besonders ankam: die Äußerungsformen eines verlorenen Landes und sein Menschen noch einmal zu sammeln und aufzuschreiben: Sprache, Brauchtum, gewachsene Eigenart, frei von aller Provinz-Mystik und mit dem erklärte Wunsch, einigen belasteten Begriffen ihre Unverfänglichkeit wiederzugeben. So gesammelt und bewahrt wird das Erzählte auf seine Weise zum Inventar eines erschriebenen Heimatmuseums.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
In der Persönlichkeitspsychologie unterscheidet man Strebungen "das sollte ich tun" von Strebungen "das möchte ich tun". Mit den Büchern verhält es sich ebenso - bei manchen hat man das Gefühl, man sollte sie endlich lesen, hat aber partout keinen Bock dazu, andere ergreift man mit Lust und liest sie durch in einem Rutsch. Auch auf die Gefahr hin, die große Siegfried Lenz Gemeinde zu vergrätzen, das Buch "Heimatmuseum" gehört ganz sicher nicht in die zweite Kategorie. Dabei zählt es zu den bekanntesten Werken der deutschen Nachkriegsliteratur, es gilt als ein Buch, das man als Mensch auf der Höhe der Diskussion gelesen und verstanden haben sollte. Nur -das ist leichter gesagt als getan. Dreimal habe ich es schon versucht, und jedes Mal sind mir dabei die Füße eingeschlafen, was sicher nur an mir und nicht an Siegfried Lenz lag.
Bei dem nun vollzogenen und auch beendeten vierten Anlauf habe ich die Zähne zusammengebissen und das Buch bis zum Ende gelesen. Nach den ersten siebzig Seiten, wenn man sich erst an die literarische Fiktion der Krankenbetterzählung und den suadahaften Stil gewöhnt hat, zieht einen die Geschichte aber dann tatsächlich mehr und mehr in ihren Bann. Es ist die Geschichte Masurens, der verlorenen Heimat, die hier in ihrer kulturellen und ethnischen Vielfältigkeit in Gestalt einer verschlungenen Familiensaga ausgebreitet wird. Der Roman beginnt damit, dass der gebürtige Masure Zygmunt Rogalla sein geliebtes Heimatmuseum in Schleswig-Holstein niederbrennt und diese zunächst unfassbare Tat einem fiktiven Zuhörer am Krankenbett erklärt. Schnell wächst sich diese Erzählung zu einer Geschichte Masurens aus, zur Schilderung der Rogallaschen Kindheit in der Nähe der ostpreußisch-maurischen Stadt Lucknow, zur Darstellung seiner Familie, seiner Freunde und Liebschaften, zur Schilderung von Dönekens, Ehrenhändel und Schmuggelaffären in der hintersten Ecke Deutschlands. Bis eines Tages der Lehrer seinen verdutzten Schülern mitteilt "Wir haben Krieg" sich eine Pfeife anzündet und seine Schäfchen nachhause schickt.
Damit beginnt die moderne Geschichte Masurens, die über den ersten Weltkrieg, die Volksabstimmung des Jahres 1920, den Siegeslauf der Nazis in den Dreißiger Jahren und schließlich den Untergang Masurens unter dem Terror der Roten Armee ihr Ende findet. Rogalla flieht nach Schleswig Holstein, wo er in seinem Heimatmuseum Utensilien Masurens liebevoll sammelt und pflegt - bis er eines Tages sein Museum selbst niederbrennt. Warum er das macht, ist gleichsam der Dreh und Angelpunkt dieses großen Romans und soll an dieser Stelle natürlich nicht verraten werden
Ich kann nur empfehlen, bei der Lektüre des Buches nicht schlappzumachen. Es stimmt: karg wie der Boden Masurens ist die literarische Atmosphäre, dann aber gewinnt der Roman, wie die Abenddämmerung an einem der großen Masurischen Seen, in der einen oder anderen Partie eine irisierende Transparenz. Eine durch und durch lehrreiche Geschichte, zu der ich Andreas Kossuts großes Buch über "Masuren. Ostpreußens vergessener Süden" als Parallellektüre empfehle.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von weiser111
Format:Taschenbuch
Zygmund Rogalla, ein Teppichweber und Leiter eines masurischen Heimatmuseums in Schleswig-Holstein, erzählt seine Geschichte.
Soeben hat er "sein" Museum in Brand gesteckt, das er liebevoll im masurischen Lucknow (gemeint ist Lenz' Heimatstadt Lyck/Elk) aufgebaut und unter unvorstellbaren Mühen am Ende des Zweiten Weltkrieges nach Schleswig gerettet hatte -- das fordert natürlich zu Fragen auf. Diese Fragen stellt stellvertretend für die Leser ein Freund von Rogallas Tochter; er kommt im Roman nicht zu Wort, doch lassen sich seine Fragen anhand von Rogallas Antworten rekonstruieren. Und Rogalla steht rückhaltlos Rede und Antwort.
Diesen Romanaufbau, der die durchgängige Beibehaltung von Perspektive und Sprache nicht des Autors, sondern der erzählenden Figur verlangt, hat Lenz konsequent durchgezogen. Rogalla erzählt also in seiner Sprache von dem, was ihm wichtig war und ist. Und das ist, wie sich herausstellt, nicht die Verklärung der "alten Heimat", sondern er sucht auf seine Art die Wahrheit. Die Wahrheit wiederum wird für ihn repräsentiert von den "Zeugen": den Exponaten, die er in seinem Museum versammelt hat, ohne Ansehen ihrer Herkunft. Er liebte sie, weil sie einen bestimmten Teil des Lebens festhielten; wie ihm schien, für die Ewigkeit. Natürlich drückt Rogalla das in seinen eigenen Worten und seiner Sprache aus, und das macht nicht den geringsten Reiz dieses Buches aus.
Um die Bedeutung seiner "Zeugen" klarzumachen, muss Rogalla weit ausholen. Wenn er kontinuierlich seine Geschichte und damit die seiner Heimat von seiner Kindheit an, ab ca. 1910 an bis in die 1970er Jahre, rekapituliert, so erzählt er natürlich auch die Geschichte des kleinen Mannes, der die großen Ereignisse mal mehr, mal weniger beeinflussen konnte, sich dabei mehr oder weniger schuldig machte - und wird dadurch selbst zum Zeugen, der bezweifelt, ob Erinnerungen überhaupt objektiv sein können: "Sobald wir uns erinnern, stellen wir die Zusammenhänge neu her. Es ist jedesmal eine Parteinahme. Eine Aneignung auf neue Art. Aber versuch mal einer herauszubekommen, welch ein Wunsch sich dahinter verbirgt."
Während Rogalla, der von Kind auf mit den "Zeugen" verbunden war, sein Leben berichtet, wird immer klarer: Seine Zeitgenossen hatten anderes mit seinen Zeugen im Sinn. Da gibt es z.B. Nazi-Funktionäre, die "Artfremdes" aussortiert haben wollen; Rogalla kann sich hier noch mit Schließung des Museums und der unausgesprochenen Hoffnung auf andere Zeiten behelfen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird er jedoch immer stärker zum Werkzeug von Vertriebenenfunktionären, die seine Ausstellungsstücke benutzen, um ihr eigenes Weltbild und die daraus resultierenden Forderungen zu untermauern . Am Ende bleibt ihm eben nur noch die Brandstiftung; immaterielle Zeugen sind frei.
Man kann "Heimatmuseum" jedoch noch auf eine weitere Art lesen, nämlich als eine Art Suleyken, das sein Autor mit hartem Griff in die "richtige", historische Geschichte versetzte. Fast alle Figuren im Roman, ob nun mit eher negativen oder eher positiven Zügen versehen, könnten einzeln für sich auch in den "Suleyken"-Geschichten vorkommen; man denke nur an Eugen Lawrenz und seinen unwiderstehlichen Bericht über die "Taufkrankheit" (gemeint ist die massive Eindeutschung slawisch oder litauisch klingender Ortsnamen 1938 -- auch dies ein Versuch der "Zeugenbeeinflussung"). Die Seelenverwandtschaft vieler Figuren im "Heimatmuseum" mit Hamilkar Schaß, Stanislaw Griegull und Adolf Abromeit führt hier aber nicht zum heiteren Ende: Aus dem "zeitlosen" Suleyken ins historische versetzt, enden sie im KZ, erfrieren oder ertrinken auf der Flucht -- oder sie werden zu Nazi-Funktionären und/oder engagieren sich in den Vertriebenenverbänden. Das paradiesische Suleyken bevölkern sie jedenfalls nicht mehr. -- In diesem Zusammenhang sollte man auch die Entwicklung des Conny Karrasch sehen, der zweiten Hauptfigur des Buches, der seit seiner Kindheit eine Art Gegenprogramm zu den anderen Protagonisten darstellt, eine realistisch gezeichnete, zunächst sympathische Figur, die man sich nie und nimmer in Suleyken vorstellen kann -- der Gegenpol, der Antipode schlechthin eben. Seine völlige Verwandlung nach dem Krieg in einen beinharten Vertriebenenfunktionär ist im Roman allerdings nichtso recht nachvollziehbar; das Ganze wirkt übers Knie gebrochen.
Wer weiß -- vielleicht wollte Siegfried Lenz mit diesem Roman auch sein wunderbares "Suleyken"-Buch (auch das ein "Zeuge" über das Leben) einer revanchistischen Lesart entziehen.
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14 von 18 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Zu den wenigen Autoren, die in der deutschen Nachkriegsliteratur kontinuierlich als Erzähler hervorgetreten sind, gehört Siegfried Lenz (*1926). Der 1978 veröffentlichte Roman "Heimatmuseum" ist die Geschichte eines masurischen Heimatmuseums durch etwa sechzig Jahre: Aus Beständen des von ihm in der masurischen Stadt Lucknow mitaufgebauten und verwalteten Heimatmuseums hat Zygmunt Rogalla nach dem Krieg in Schleswig eine Stätte der Erinnerung an heimatliche Geschichte und Lebensweise errichtet. Schweren Herzens legt Rogalla Feuer an sein masurisches Heimatmuseum. Die Exponate, die er über den Krieg gerettet hat, werden ein Raub der Flammen. Mit Brandwunden liegt er im Krankenhaus und erzählt die Vorgeschichte der Tat. Eine versunkene Welt wird lebendig. Eine magische Landschaft, geheimnisvolle Bräuche, zahlreiche Menschen und ihre Schicksale lernt der Leser kennen. Indem Zygmunt das Heimatmuseum verbrennt, bewahrt er die Heimat nur umso nachdrücklicher in seiner Erinnerung. Der Roman ist also zugleich ein Stück deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts und er ist erfüllt von der Achtung vor den Menschen und ihrer Arbeit. Manfred Orlick, Halle (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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